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13. März 2013, 14:39 Uhr

"Alternative für Deutschland"

Kauder attackiert neue Anti-Euro-Partei

Die "Alternative für Deutschland" könnte das konservative Lager wertvolle Stimmen kosten - die Anti-Euro-Partei kritisiert Angela Merkels Rettungspolitik und will die Währungsunion auflösen. Unionsfraktionschef Kauder attackiert die Bewegung als "institutionalisierte Angst vor der Zukunft".

Berlin - Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat die neue Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" scharf angegriffen. "Deutschland braucht Europa. Das verkennt die sogenannte 'Alternative für Deutschland'", sagte Kauder SPIEGEL ONLINE. "Diese Gruppe ist die institutionalisierte Angst vor der Zukunft. Wir müssen aber mutig sein und dieses Europa gestalten wollen, trotz aller Schwächen, die frühere Regelungen zum Euro ja zweifelsohne hatten."

Die euroskeptische "Alternative für Deutschland" hatte in dieser Woche ihre erste öffentliche Versammlung abgehalten. Rund 1200 Zuhörer kamen am Montagabend nach Oberursel bei Frankfurt am Main, wo mehrere Parteimitbegründer auftraten. Unter ihnen sind der Ökonom Bernd Lucke, der Publizist und ehemalige Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Konrad Adam, sowie der Publizist Alexander Gauland. Die Partei soll im April bei einem Kongress in Berlin offiziell ins Leben gerufen werden und will möglicherweise schon zur Bundestagswahl im September antreten, spätestens aber zur Europawahl 2014.

Die "Alternative für Deutschland" dürfte vor allem im bürgerlichen und konservativen Lager euroskeptische Wähler ansprechen - und könnte so zur Gefahr für CDU, CSU und FDP werden. "Ich nehme jeden politischen Wettbewerber ernst", sagte Unionsfraktionschef Kauder. Aber ich glaube nicht, dass diese Gruppe die Menschen überzeugen kann."

Der Vertraute von Angela Merkel ermahnte die eigenen Reihen, den Europa-Pessimisten nicht das Feld zu überlassen. Wenn die Bewegung den Euro-Kurs der Regierung kritisiere, werde man gegenhalten. "Wir werden den Menschen erklären, dass der Wohlstand Deutschlands entscheidend vom gemeinsamen Europa abhängt. Es gibt zu allem eine Alternative, auch zum Euro. Aber jede Alternative zum Euro ist eine deutlich schlechtere für Deutschland. Das werden wir deutlich machen." Die Defizite der Währungsunion müssten dauerhaft abgestellt werden. Daran arbeite die Regierung von Angela Merkel "im deutschen Interesse". "Euro-Sünder wie in der Vergangenheit wird es künftig nicht mehr geben", so Kauder.

Die "Alternative für Deutschland" bekennt sich auf ihrer Website zur friedlichen Einigung Europas. Sie fordert jedoch eine "geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets" und die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die "Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde". Die Wiedereinführung der D-Mark dürfe kein Tabu sein, heißt es.

Zu den Unterstützern der Gruppe gehören viele Wirtschaftsprofessoren, die Lehrstühle innehaben oder -hatten. Auch der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, findet sich auf der Unterstützerliste.

phw/ron/AFP

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