Fotostrecke

Fotostrecke: Die Köpfe der Anti-Euro-Partei

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

"Alternative für Deutschland" Aufmarsch der Euro-Hasser

Die "Alternative für Deutschland" verteufelt Angela Merkels Rettungspolitik und fordert die Rückkehr zur D-Mark. Jetzt hat sich die neue Anti-Euro-Partei erstmals im Zentrum der Macht präsentiert. Die Gruppe könnte das konservative Lager bei der nächsten Wahl wertvolle Stimmen kosten.

Berlin - An Selbstbewusstsein und Tatendrang mangelt es Frauke Petry nicht. Petry ist 37 Jahre alt, eine schmale, forsche Frau mit Bob-Frisur. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder, einen Doktor der Chemie und vor sechs Jahren ihr eigenes Unternehmen gegründet. Sie hat Preise gesammelt, der Bundespräsident zeichnete sie jüngst mit der Verdienstmedaille aus. Jetzt sitzt Frauke Petry im dunklen Hosenanzug in einem Tagungsraum der Berliner Bundespressekonferenz und will Politik machen. Sie sagt: "Wir repräsentieren eine breite Bevölkerungsmehrheit."

Das klingt nach Volkspartei, nach 30 Prozent oder mehr - und ist dann doch etwas dick aufgetragen. Aber die "Alternative für Deutschland" (AfD) glaubt fest daran, die etablierte Parteienlandschaft schon bei der Bundestagswahl aufmischen zu können. Mit einer klaren Botschaft: Euro, nein danke!

Gemeinsam mit dem Hamburger Ökonomen Bernd Lucke, 50, und der Münchener PR-Frau Dagmar Metzger, Jahrgang 1963, ist Petry am Montag nach Berlin gekommen, um die neue Anti-Euro-Partei erstmals im Zentrum der politischen Macht vorzustellen, bevor man sich Mitte April bei einem Parteitag in der Hauptstadt offiziell gründen will. Lucke ist Hauptinitiator und derzeit das Gesicht der Bewegung.

"Deckmantel der sogenannten political correctness"

Lucke und Co. verstehen ihre Partei als Alternative zur angeblich alternativlosen Politik Angela Merkels. Und so ist der Tag für die Präsentation gut gewählt. Die Zeitungen sind voll mit den Rettungsplänen für Zypern - aus der Sicht der AfD wieder ein Beleg dafür, dass es so nicht weitergehen kann. Man sei sehr wohl für die friedliche Einigung Europas, sagt Lucke, aber die Währungsunion befördere die Spaltung des Kontinents. Die AfD fordert "eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes" und die Rückkehr zu nationalen Währungen. "Die Wiedereinführung der DM dar kein Tabu sein", heißt es im Wahlprogramm. Der Euro-Austritt klappe natürlich nicht über Nacht, räumt Lucke ein, er spricht von einem Zeitraum von fünf Jahren. Angst vor wirtschaftlichen Schäden hält er für unangebracht.

Das Wahlprogramm umfasst derzeit ganze drei Seiten. Die Partei will die Brüsseler Bürokratie abbauen, Kompetenzen nach Deutschland zurückholen, Volksabstimmungen einführen. Unter dem Stichwort Demokratie findet sich auch der Satz: "Wir lehnen einen Gängelung der öffentlichen Meinung unter dem Deckmantel der sogenannten 'political correctness' ab."

Mit dieser Man-wird-doch-noch-sagen-dürfen-Attitüde gehen auch Gruppen am rechten Rand auf Stimmenfang. Die AfD als neues Sammelbecken für Rechtspopulisten? Die Parteisprecher wehren sich nach Kräften. Grundsätzlich lehne man das klassische Schubladendenken in rechte und linke Parteien ab, sagt Petry. "Wir bewegen uns auf dem Boden des Grundgesetzes und grenzen uns klar gegen extremistische Tendenzen ab." Neue Mitglieder würden auf eine mögliche rechtsextreme Vorgeschichte geprüft. Dass das nicht immer einfach ist, zeigt der Fall eines Vorstandsmitglieds, das über seinen Twitter-Account zweifelhafte Sprüche verbreitete. Der Mann trat inzwischen zurück.

Union beobachtet Euro-Skeptiker kritisch

Lucke bezeichnet die AfD als "relativ unideologisch", sie ziele aber vor allem auf Anhänger von Union und FDP. Der Ökonom war selbst bis 2011 CDU-Mitglied, 33 Jahre lang. Zu den Mitgebründern der AfD gehört auch der Publizist Alexander Gauland, einst unter Ministerpräsident Walter Wallmann (CDU) Chef der hessischen Staatskanzlei. Insgesamt verzeichne die Partei inzwischen mehr als 3000 Unterstützer, unter ihnen zahlreiche Wissenschaftler. Mit dabei sind auch der emeritierte Volkswirtschaftsprofessor Joachim Starbatty und der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider, die schon in Karlsruhe gegen die Euro-Hilfspakete klagten. Auch Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel findet sich auf der Liste.

Wie Henkel hat auch AfD-Gründer Lucke schon die ebenfalls Euro-kritischen Freien Wähler unterstützt. Die Zusammenarbeit klappte nicht, nun läuft man Gefahr, sich gegenseitig Stimmen wegzunehmen. Wie man sich künftig zu den Freien Wählern verhält, darüber ist sich nicht einmal das AfD-Trio einig. Unterm Strich hofft Lucke noch auf eine Absprache: Die Freien Wähler sollten sich auf ihre kommunale Kompetenz konzentrieren, die AfD bei Bundestagswahlen und möglicherweise auch auf Landesebene antreten.

Die Chancen? Meinungsforscher äußerten sich zuletzt skeptisch. Im Unionslager werden die Aktivitäten dennoch aufmerksam beobachtet. Fraktionschef Volker Kauder bezeichnete die Gruppierung jüngst als "institutionalisierte Angst vor der Zukunft". Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nennt die AfD "Ausdruck eines latenten Unwohlseins". Daraus aber werde keine Politik, die Partei werde nicht erfolgreich sein.

Das allerdings muss sie möglicherweise gar nicht, um dem konservativ-bürgerlichen Lager zu schaden. Sollte es bei der Wahl im Herbst ein enges Rennen geben, könnten auch einige Tausend Stimmen für die Euro-kritische Konkurrenz schon wehtun.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die zeitgleiche Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten