Althaus' Skiunfall "Schuld ist nicht die richtige Kategorie"

"Eine tragische Verkettung von Umständen" - so erklärt Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus seinen Skiunfall, bei dem am Neujahrstag eine Frau ums Leben kam. In seinem ersten Interview spricht er über Schuld, seine Krankheit und die Rückkehr in die Politik.


Konstanz - "Die Talphase habe ich hinter mir. Jetzt geht es aufwärts", sagte Dieter Althaus der "Bild"-Zeitung. Es ist das erste Interview des thüringischen Ministerpräsidenten. Bisher gab er nur schriftliche Erklärungen ab.

Althaus sagte, er habe in den vergangenen zwei Wochen große Fortschritte gemacht: "Ich brauche deutlich weniger Medikamente. Auch die Therapie schlägt hervorragend an." In den ersten Wochen nach dem Unfall sei er durch die Verletzungen und starke Medikamente unkonzentriert gewesen. Jetzt fühle er sich viel besser.

Der Politiker war am Neujahrstag auf einer Skipiste in Österreich mit einer 41-jährigen Frau zusammengestoßen, die bei dem Unfall ums Leben kam. Wegen fahrlässiger Tötung wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Althaus selbst erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnblutung. Seit Wochen befindet er sich in einer Rehaklinik am Bodensee.

Anfang Februar hatte Althaus bei der Beerdigung seines Vaters auf Beobachter noch einen kranken Eindruck gemacht. Im "Bild"-Interview sagt er dazu, er habe gespürt, dass die vielen Menschen noch zu viel für ihn seien. "Aus heutiger Sicht war die Beerdigung für mich der Wendepunkt, der entscheidende Ansporn, in der Therapie mit aller Kraft zu kämpfen, um wieder der Alte zu werden."

An das Unglück habe er keine Erinnerung. Er erinnere sich noch an den Silvesterabend, an dem er kurz nach Mitternacht zu Bett gegangen sei. "Wir sind am nächsten Morgen zur Piste gefahren. Das sind die letzten Bilder", sagte Althaus der "Bild"-Zeitung. Das Unglück selbst nannte er "eine tragische Verkettung von Umständen".

Seine Frau habe ihm am ersten Tag, als er wieder ansprechbar war, gesagt, dass eine Skifahrerin bei dem Zusammenprall gestorben sei. Er sei "zutiefst traurig und entsetzt" gewesen. Auf die Frage, ob er sich schuldig fühle, sagte Althaus: "Ich glaube, Schuld ist nicht die richtige Kategorie, um solch ein tragisches Unglück zu bewerten. Ich fühle mich aber verantwortlich."

Beim CDU-Landesparteitag war der 50-Jährige am Wochenende in Abwesenheit mit 94,6 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im August gekürt worden.

In der "Bild"-Zeitung kündigt der Ministerpräsident seine Rückkehr in die Politik "noch vor der Sommerpause" an. Er habe sich in der ersten Zeit nur wenig auf dem Laufenden gehalten, in den vergangenen Wochen habe er das aber aufgeholt. Er lese alle wichtigen Zeitungen, sehe Nachrichten.

Nach der Entlassung aus der Klinik werde er in Thüringen noch weiter ambulant behandelt. "Richtig in die Vollen gehen, das ist wahrscheinlich erst im Frühsommer möglich", sagte Althaus.

Nach Informationen der "Thüringer Allgemeinen", die sich auf Parteikreise beruft, wird er wahrscheinlich am Mittwoch die Heimreise in seinen Wohnort Heiligenstadt im Eichsfeld antreten.

sac

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