Altkanzler als Mitfavorit TV-Sender spekuliert über Nobelpreis für Kohl

Helmut Kohl zählt in diesem Jahr offenbar zu den engeren Favoriten für den Friedensnobelpreis - das berichtet der norwegische Staats-TV-Sender NRK. Gegen einen anderen aussichtsreichen Kandidaten, den inhaftierten Chinesen Liu Xiaobo, gab es Widerspruch von unerwarteter Seite.

Altkanzler Kohl bei Festakt in Berlin (am 1. Oktober): Im engeren Anwärterkreis?
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Altkanzler Kohl bei Festakt in Berlin (am 1. Oktober): Im engeren Anwärterkreis?


Oslo - Seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung sind unbestritten, nun darf sich Altbundeskanzler Helmut Kohl einem Bericht zufolge Hoffnungen auf den Friedensnobelpreis machen. Der norwegische Fernsehsender NRK zählte Kohl in diesem Jahr zum engeren Anwärterkreis für die ruhmreiche Auszeichnung. Die Entscheidung des Nobelkomitees wird an diesem Freitag in Oslo bekanntgegeben.

Kohl war wegen seiner Verdienste um die Deutsche Einheit immer wieder für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Als Hintergrund gilt sein Beitrag zur friedlichen Überwindung der deutschen Spaltung und der Blockteilung in Europa. Zuletzt hatte der 80-jährige CDU-Politiker bei einem Festakt zur Wiedervereinigung in Berlin eine Rede über das Profil seiner Partei gehalten.

Letzter deutscher Träger des Friedensnobelpreises war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Er wurde für seine Politik zur Aussöhnung mit osteuropäischen Nachbarn der Bundesrepublik ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr hatte US-Präsident Barack Obama den Preis verliehen bekommen.

Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten in diesem Jahr gilt der inhaftierte chinesische Schriftsteller Liu Xiaobo. Er wäre der erste chinesische Träger des Friedensnobelpreises. Das versucht die Regierung in Peking anscheinend zu verhindern. In der vergangenen Woche hatte der Direktor des norwegischen Nobelinstituts, Geir Lundestad, von chinesischen Drohgebärden berichtet. Demnach habe Vizeaußenministerin Fu Ying bereits im Juni mit einer "Verschlechterung der chinesisch-norwegischen Beziehungen" gedroht, falls die Auszeichnung an einen der nominierten Dissidenten vergeben werde.

Widerspruch gegen Liu kam nun auch von anderer Seite. Laut einem Bericht der "New York Times" haben 14 chinesische Regimekritiker aus dem Exil das Komitee aufgefordert, den Friedensnobelpreis nicht an Liu zu vergeben, er wäre ein "unpassender Preisträger".

In ihrem Schreiben warfen sie Liu vor, er habe Weggefährten verleumdet und sei schonend mit der chinesischen Führung umgegangen. "Sein offenes Lob in den vergangenen 20 Jahren für die Kommunistische Partei, die nie aufgehört hat, auf den Menschenrechten herumzutrampeln, war äußerst irreführend und beeinflussend", heißt es.

Das Schreiben wurde laut "New York Times" von anderen Menschenrechtsaktivisten kritisiert. Zu den Unterstützern Lius zählen unter anderem Vaclav Havel, Desmond Tutu und der Dalai Lama. Liu ist Präsident des unabhängigen chinesischen PEN-Clubs und wurde im vergangenen Dezember zu elf Jahren Haft wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" verurteilt. Dagegen hatte auch Angela Merkel protestiert.

Zu den 237 Kandidaten für den Friedensnobelpreis gehören der Anti-Aids-Aktivist Hu Jia, Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, die afghanische Menschenrechtlerin Sima Samar und die Russin Swetlana Gannuschkina von der vor allem für Tschetschenen aktiven Flüchtlingshilfsorganisation "Zivile Unterstützung". Auch 38 Organisationen zählen zu den Kandidaten. Dotiert ist die Auszeichnung wie alle anderen Nobelpreise mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro).

hut/dpa

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gsm900, 07.10.2010
1. Klasse
Zitat von sysopHelmut Kohl zählt in diesem Jahr*offenbar zu den engeren Favoriten auf den Friedensnobelpreis - das berichtet das norwegischer Staats-TV-Sender NRK. Gegen einen anderen aussichtsreichen Kandidaten, den inhaftierten Chinesen Liu Xiaobo, gab es Widerspruch von unerwarteter Seite. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,721702,00.html
ich freue mich schon über das Gegeifere der Volksfront (Gisy, Roth, Nahles). Da wird eine Roth-Grüne mal richtig grün (vor Neid).
sic tacuisses 07.10.2010
2. selten so gelacht.
Zitat von sysopHelmut Kohl zählt in diesem Jahr*offenbar zu den engeren Favoriten auf den Friedensnobelpreis - das berichtet das norwegischer Staats-TV-Sender NRK. Gegen einen anderen aussichtsreichen Kandidaten, den inhaftierten Chinesen Liu Xiaobo, gab es Widerspruch von unerwarteter Seite. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,721702,00.html
Birne wäre der Hammer. Kriminelle Spender "vergessen" und dafür den Nobel-Preis?
Dunkeltroll 07.10.2010
3. bitte wofür?
birne soll den nobelpreis bitte wofür bekommen? für die einheit? die wurde durch gauck und anderen mutigen ddr-bürgern herbei geführt! BBN, BirneBitteNicht.
Maschinchen, 07.10.2010
4. ?
Zitat von sysopHelmut Kohl zählt in diesem Jahr*offenbar zu den engeren Favoriten auf den Friedensnobelpreis - das berichtet das norwegischer Staats-TV-Sender NRK. Gegen einen anderen aussichtsreichen Kandidaten, den inhaftierten Chinesen Liu Xiaobo, gab es Widerspruch von unerwarteter Seite. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,721702,00.html
Ob es wirklich auch friedensstiftend ist, ein Ehrenwort unter Männern über das Gesetz zu stellen?
Hrothgaar 07.10.2010
5. ...
so ein Quatsch, dann kann man auch George W.Busch den Friedensnobelpreis überreichen.
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