Analyse der Wahlforscher Rüttgers verprellt die Wähler

Die Niederlage von Schwarz-Gelb in NRW ist vor allem eine Abwahl von Jürgen Rüttgers. Selten hat ein Ministerpräsident so wenig vom Amtsbonus profitieren können wie er. Wahlforschern zufolge liegen die Gründe für das Wahldebakel vor der Haustür - und nicht in Berlin.

Jürgen Rüttgers: Der Ministerpräsident konnte nicht von seinem Amtsbonus profitieren
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Jürgen Rüttgers: Der Ministerpräsident konnte nicht von seinem Amtsbonus profitieren

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Hamburg - Das ist ein massiver Absturz, den die CDU in Nordrhein-Westfalen erlebt hat. Mehr als zehn Prozentpunkte büßte die Partei von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gegenüber dem Wahlergebnis von 2005 ein. Geblieben sind Hochrechnungen zufolge 34,7 Prozent. Den Wahlforschern von Infratest-Dimap zufolge haben die Christdemokraten gegenüber der letzten Wahl 830.000 Stimmen verloren. Den größten Batzen davon macht die Gruppe der Nichtwähler aus: 330.000 Menschen, die beim vergangenen Mal für die CDU gestimmt haben, sind dieses Mal gar nicht erst zur Wahl gegangen. 140.000 Wähler wanderten zur SPD ab.

Den Erkenntnissen der Wahlforscher zufolge sind die Gründe für den massiven Liebesentzug vor allem hausgemacht. Die zentralen Ursachen liegen in NRW selbst - und nicht so sehr bei der Regierungskoalition in Berlin. Laut Forschungsgruppe Wahlen wollten nur 15 Prozent einen Denkzettel in Richtung Berlin abgeben. Grundsätzlich war demnach für 55 Prozent der Wähler die Politik in NRW ausschlaggebend für ihre Entscheidung und nur für 41 Prozent die Politik im Bund. 47 Prozent der Wähler sagten aus, dass die Griechenland-Krise für ihre Wahlentscheidung nicht wichtig gewesen sei.

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Ganz klar sagen die Analytiker, dass die CDU-Verluste auf einem "relativen Defizit" von Jürgen Rüttgers und seiner Partei beruhen. Zudem sehen sie eine "kritische Distanz gegenüber Schwarz-Gelb". Hinzu kamen den Wahlforschern zufolge teils massive Vertrauensverluste bei den beherrschenden Themen Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik.

Rüttgers' Ansehen liegt deutlich hinter dem seiner Vorgänger Peer Steinbrück, Wolfgang Clement und Johannes Rau. Den Experten zufolge leidet der Noch-Landesvater unter einem auffälligen Glaubwürdigkeitsdefizit. Kurz vor der Wahl war es der lange Zeit relativ unbekannten Herausforderin Hannelore Kraft gelungen, ihn zu überrunden - was ziemlich ungewöhnlich ist. Sie gilt den Menschen in NRW als sympathischer und bürgernäher.

Überraschend an dem Ergebnis dieser Wahl ist auch, dass die CDU vor allem in kleineren Städten und Gemeinden sehr stark verloren hat. Im Schnitt hier etwa 14 Prozent.

Was die beiden großen Parteien eint, ist, dass sie vor allem in der Altersgruppe 60 Plus gepunktet haben. Hier hat die CDU 43 Prozent geholt und die SPD 40. Und das ist auch gleichzeitig das Problem beider Parteien. Der Bremer Politologe Lothar Probst riet Union und SPD im TV-Sender Phoenix, sich stärker um neue Wählergruppen zu bemühen. Beide müssten deutlich mehr um Wechselwähler werben. "Nur mit den klassischen Stammwählern werden die Volksparteien in Zukunft keine Wahlen mehr gewinnen," sagte Probst.

Denn nicht zu vergessen ist bei all der Euphorie der Sozialdemokraten an diesem Abend: Auch sie haben fast drei Prozentpunkte gegenüber der Wahl vor fünf Jahren verloren. Die beiden größten Posten dabei: 170.000 Wähler wanderten zu den Grünen und 130.000 blieben ganz zu Hause.

Der eindeutige Wahlgewinner dieses Abends, die Grünen, konnte besonders bei den mittleren und jungen Wählern zulegen. Das Auffälligste dabei ist, dass sie als einzige der etablierten Parteien kräftig Wähler mobilisieren konnten, die vor fünf Jahren zu Hause geblieben waren: 80.000 Stimmen holten sie hier.

Bei der Frage nach der Wunschkoalition in NRW für die kommenden fünf Jahre liegt Rot-Grün mit 44 Prozent an erster Stelle.

mit Material von dpa und apn



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haltetdendieb 09.05.2010
1. Rüttgers verprellt die Wähler....
...??? Mit dem Background aus Berlin kann er machen, was er will, er verprellt die Wähler auf jeden Fall. Ich sehe es nicht so wie die Wahlforscher, die dummdreiste Politik in Berlin wird noch vielen Alndesfürsten ihren Kopf kosten! Die Einzige, die gewinnen wird, wird die Kandidatin Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz sein!
female4 09.05.2010
2. endlich ist er weg....
der Verzocker der LEG Wohnungen.
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