Andrea Fischer Halali für die Hobby-Saxophonistin

"Etwas verändern - und das möglichst schnell" wollte die Grünen-Politikerin Andrea Fischer bei ihrem Amtsantritt im Gesundheitsministerium. Nun ist sie kurz vor ihrem 41. Geburtstag wegen der BSE-Krise zurückgetreten.


Als jüngstes Mitglied in der Regierungsmannschaft von Gerhard Schröder hatte Andrea Fischer am 27. Oktober 1998 ihr Amt angetreten. Zuvor war das Ressort der als fröhlich und emotional geltenden Hobby-Saxophonistin um die Abteilungen für Drogenpolitik und die Pflegeversicherung erweitert worden, während sie die Zuständigkeit für die Sozialhilfe an das Arbeitsministerium abgeben musste.

Geschasste Ministerin: Andrea Fischer
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Geschasste Ministerin: Andrea Fischer

Die gelernte Offsetdruckerin und studierte Volkswirtschaftlerin Fischer war an der Spitze der Landesliste Berlin (Wahlslogan: "Unser Fischer heißt Andrea") nach 1994 zum zweiten Mal in das Parlament eingezogen. In der Fraktion gilt Fischer neben ihrem Namensvetter, Außenminister Joschka Fischer, als beste Rednerin der Grünen und pragmatische Politikerin der Mitte.

Als wichtigste Maßnahme als Gesundheitsministerin nahm Fischer eine grundlegende Gesundheitsstrukturreform mit einer Kompetenzstärkung für die Hausärzte in Angriff. Die Pläne lösten bereits im Vorfeld heftigen Widerstand von Seiten der Ärzte und der Pharmaindustrie aus. Trotz aller Einwände verabschiedete das Kabinett den Fischer-Gesetzentwurf im Juni 1999, der Bundestag stimmte im November zu. Bei der letzten Lesung war es allerdings zu einem Eklat im Parlament gekommen. Die Opposition hatte mehrere Unterschiede zwischen der Parlamentsvorlage und der im Gesundheitsausschuss debattierten Vorlage entdeckt und Fischer daraufhin zum Rücktritt aufgefordert.

Doch nicht die Strukturpolitik brachte Fischer nun zu Fall, sondern die Schwierigkeiten bei der Bewältigung der BSE-Krise. Um mehr Vertrauen für die weitere Verbraucherschutz-Politik der Regierung zu schaffen, trete sie zurück, sagte Fischer eine Woche vor ihrem 41. Geburtstag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Berlin. Zuvor hatte es gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium um möglicherweise verschleppte Hinweise auf die Rinderseuche gegeben. In den letzten Wochen musste Fischer mehrere organisatorische Pannen in ihrem Ministerium eingestehen.

Christoph Seidler



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