Wahlanalyse SPD will nächsten Kanzlerkandidaten früh bestimmen

Die SPD zeigt sich selbstkritisch: Parteichefin Nahles hat eine ausführliche Analyse der jüngsten Wahlniederlage präsentiert - und zieht Konsequenzen.
Andrea Nahles

Andrea Nahles

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Die SPD regiert in der Großen Koalition - eine echte Machtperspektive bei den kommenden Wahlen fehlt der Partei jedoch: In Umfragen ist sie unter 20 Prozent gestürzt. Das jüngste Wahldebakel haben die Genossen nun umfassend analysiert und sind zu dem Schluss gekommen: Der nächste Kanzlerkandidat oder die Kandidatin soll frühzeitig vor der Bundestagswahl 2021 gekürt werden.

2008 war Frank-Walter Steinmeier nach dem "Drama vom Schwielowsee" Kanzlerkandidat geworden. 2012 sickerte bei einem Hintergrundgespräch Steinmeiers mit Journalisten durch, dass Peer Steinbrück Kanzlerkandidat werde - er ging unvorbereitet in den Wahlkampf. 2017 rechneten die meisten mit einer Kandidatur Sigmar Gabriels, der verkündete per "Stern"-Interview, dass er Martin Schulz den Vortritt lässt.

Parteiinterne Diskussionen über Flüchtlingspolitik

"Wir wollen die Spitzenkandidatur früher und geordneter klären", sagte nun Andrea Nahles. (Hier lesen Sie ein SPIEGEL-ONLINE-Interview mit der SPD-Vorsitzenden.)

In Parteikreisen wurde zuletzt das Jahr 2019 für eine mögliche Klärung der Kandidatenfrage genannt - um einen Wahlkampf vernünftig vorzubereiten, womöglich auch ausgelagert aus dem Willy-Brandt-Haus. Neben Nahles gilt bisher vor allem Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz als denkbare Option.

Auf Basis der umfassenden Wahlanalyse räumte Nahles eine Reihe von Fehlern im Wahlkampf ein. Sie kündigte eine Klärung der sehr unterschiedlichen Positionen an, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik, wo Teile der Partei für weiter offene Grenzen sind und andere eine Begrenzung fordern, damit die AfD nicht noch mehr an Zulauf gewinnt. "Es fehlte ein klarer Kurs", so Nahles.

dop/dpa

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