Andrea Nahles Kompletter Rückzug aus der Politik

Jetzt ist Schluss. Andrea Nahles will sich ganz aus der Politik verabschieden. Zuvor hatte sie angekündigt, als Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD zurückzutreten.

Andrea Nahles
Michael Sohn/ AP

Andrea Nahles


Nach ihrer Rücktrittsankündigung will sich SPD-Chefin Andrea Nahles komplett aus der Politik zurückziehen. Die 48-Jährige wolle nicht nur als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurücktreten, sondern auch zeitnah ihr Bundestagsmandat niederlegen, sagte eine Fraktionssprecherin laut der Nachrichtenagentur DPA. Der genaue Zeitpunkt müsse noch besprochen werden.

An der Vorstandsklausur am Montag und der Fraktionssitzung am Dienstag werde die scheidende SPD-Chefin teilnehmen, hieß es.

Nahles hatte am Sonntag in einem Schreiben an die SPD-Mitglieder angekündigt, ihre Ämter als Parteivorsitzende und Fraktionschefin zur Verfügung zu stellen. Sie begründete dies damit, dass der "notwendige Rückhalt" nicht mehr gegeben sei. Hintergrund sind massive Stimmenverluste bei den jüngsten Wahlen, die in der SPD auch eine Personaldebatte ausgelöst hatten.

"Ich hoffe sehr, dass es euch gelingt, Vertrauen und gegenseitigen Respekt wieder zu stärken und so Personen zu finden, die ihr aus ganzer Kraft unterstützen könnt", schreibt Nahles. Sie habe den Vorsitz von Partei und Fraktion in schwierigen Zeiten übernommen.

Wiederentdeckung dessen, was die Partei einst stark gemacht hat

Der frühere Parteichef Sigmar Gabriel hofft, dass sich die SPD statt auf Personalien bald wieder auf Inhalte konzentrieren kann. "Die SPD braucht eine Entgiftung", sagte er. "Solange die SPD sich nur mit sich selbst beschäftigt, solange es nur um das Durchsetzen oder Verhindern von innerparteilichen Machtpositionen geht, werden die Menschen sich weiter von uns abwenden", so Gabriel gegenüber der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Er mahnt Versöhnung an und die Wiederentdeckung dessen, was die Partei einst stark gemacht habe - das ehrliche Interesse an den Menschen des Landes und einen freundlichen und solidarischen Umgang nach innen und außen.

Auch die Grünen sprechen der abtretenden SPD-Partei und Fraktionschefin ihre Hochachtung aus. "Respekt, dass Andrea Nahles hier eine klare Entscheidung trifft", erklären die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. "Wir hoffen, dass die SPD rasch ihre Personalfragen klärt und sich dann mit neuer Kraft auf ihre Aufgaben konzentrieren kann."

Nahles war nach dem schlechten Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl 2017 Fraktionsvorsitzende geworden und im Jahr darauf auch Parteichefin.



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jme/dpa/Reuters



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
ch3_94 02.06.2019
1. Respekt vor Andrea Nahles,
dass sie sich nicht weiter demontieren liess und Die einzig richtige Entscheidung fuer sich und die Partei getroffen hat. Sie hat sicher vieles was schief lief mit zu verantworten, doch alles bei ihr abzuladen, greift zu kurz. Vor allem hat mich die respektlose Demontage durch einige ihrer Parteigenossen angewiedert. Kopf hoch Andrea, diese Entscheidung war richtig und verleiht Ihnen einen wuerdevollen Abgang.
general_0815 02.06.2019
2. Mal etwas Ironie, ätschi bätschi
Dann hat sie jetzt genug Zeit ihr Studium abzuschließen, was auch bitter nötig ist. Stelle sie mir gerade bei der ARGE vor. Berufliche Qualifikation? 20 Semester ohne Abschluß. Berufserfahrung? Erfolglose Ministerin, Fraktionschefin und Parteivorsitzende. Das reicht nicht mal für den 1 Euro Job, den sie Dank der üppigen Versorgung zu Lasten der Steuerzahler auch nicht nötig hat.
zeichenkette 02.06.2019
3. Sowas kann man nicht anmahnen
"das ehrliche Interesse an den Menschen des Landes und einen freundlichen und solidarischen Umgang nach innen und außen" hat man entweder oder man hat es nicht. Wenn man das aus taktischen Gründen braucht, dann will man das gar nicht haben, man will es nur vorspielen. Der SPD fehlt einfach jede Vision für die Zukunft, nachdem der Kollaps des Staatssozialismus überall linke Utopien diskreditiert hat. Und das gilt für Linke überall, das ist kein spezielles SPD-Problem. Dass da jetzt ständig Leute verschlissen werden, ändert an diesem Problem nichts.
Edgard 02.06.2019
4. Frau Nahles ist an ihrem eigenen Machtanspruch gescheitert....
.. und nun ist der Weg frei für manche die nicht gegen sie kandidieren wollten. Ich denke daß Martin Schulz als Fraktionsvorsitzender eine gute Wahl wäre, die SPD-Fraktion braucht klare Kante und einen entschlossenen Europäer im Parlament. Wer jedoch die Parteispitze bilden könnte - da fällt mir wirklich niemand ein; auf alle Fälle sollte Kevin Kühnert mehr Einfluß bekommen damit sich die SPD wieder auf ihre eigentliche, historisch gewachsene Position zurückbesinnen kann. Frau Nahles wird hier sicherlich noch jede Menge Spott und Häme abbekommen - das liegt mir fern. Daß sie jetzt jedoch auch ihr Bundestagsmandat zurückgibt - das befremdet mich. Ob es jedoch daran liegt daß sie es nicht ertragen kann daß jemand den sie wohlmöglich selbst politisch "abgeschossen" hat ihr "Vorgesetzter" in der Fraktion werden könnte ist spekulativ, würde aber m.E. ins Bild passen. Oder at sie vielleicht schon ein besseres angebot bekommen? Auf alle Fälle macht es auf mich den Eindruck daß sie das was sie ihren eigenen Wählern versprochen hat nicht zu beenden gedenkt - also ihrer politischen Verantwortung und dem Gestaltungswillen nicht nachkommt. Und das finde ich schlimm.
sven2016 02.06.2019
5. An Herrn Gabriel:
Einen freundlichen Umgang im Inneren hatte die SPD selten. Parteivorsitzende wurden schon häufig "abgeschossen", Fraktionsvorsitzende auch, manchmal sogar ohne Not. Das taktische Gewurstel von Frau Nahles in den letzten Tagen hat ihrer Position wohl den Rest an Vertrauen genommen. In welchem Verband/welchem Konzern werden wir sie ab dem Sommer wiedersehen?
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