Brandenburg AfD-Landeschef arbeitete an fragwürdigen Filmen über NS-Zeit mit

Andreas Kalbitz ist der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Brandenburg - und drehte zwei Filme über Adolf Hitler und die Wehrmacht. Diese ordnete ein Historiker gegenüber der "Welt" als verherrlichend ein.

Andreas Kalbitz: "Ich habe keine rechtsextreme Biografie. Sie könnten mir unterstellen, dass ich Bezüge habe"
Sebastian Kahnert/DPA

Andreas Kalbitz: "Ich habe keine rechtsextreme Biografie. Sie könnten mir unterstellen, dass ich Bezüge habe"


Der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende Andreas Kalbitz war an der Entstehung von Filmen über Adolf Hitler und die Wehrmacht beteiligt. Wie die "Welt" berichtete, drehte Kalbitz mit seinem Schwiegervater Stuart Russell, einem 2006 gestorbenen britischen Soldaten, die Filme "Hitler. The Unknown Soldier. 1914-1918" und "Von Garmisch in den Kaukasus. Die Geschichte der 1. Gebirgsdivision 1941-1942".

"Diese beiden Filme habe ich zusammen mit meinem Schwiegervater Stuart Russell erstellt, der sich als Brite mit deutschen Texten schwergetan hat, und ihm gerne dabei geholfen, die Scripts zu überarbeiten", sagte Kalbitz der Zeitung. "Er war mit Sicherheit kein Rechtsradikaler oder gar Extremist."

Kalbitz ist Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Brandenburg am 1. September.

"Eindruck einer geschickten Hitler-Verherrlichung"

Die "Welt" zitiert den Historiker Thomas Weber von der Universität Aberdeen. Dieser sagte der Zeitung zufolge über den ersten Film, er mache "den Eindruck einer geschickten Hitler-Verherrlichung". Für besonders perfide halte er die Darstellung von Hitlers Antisemitismus, sagte Weber der Zeitung. "Dessen Kern-Rechtfertigungen durch Hitler werden in dem Film nicht kritisiert und dadurch letztlich wohlwollend bestätigt."

Bei Betrachtung des zweiten Films entstehe der Eindruck, es habe sich beim Vorrücken der Gebirgsdivision um eine heldenhafte militärische Leistung gehandelt, schreibt die Zeitung. Im Film werde nicht erwähnt, dass die Truppe ab Frühjahr 1943 vor allem in Griechenland an schweren Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sei.

Kalbitz streitet Rechtsextremismus-Vorwurf ab

Kalbitz sagte der "Welt": "Ich habe keine rechtsextreme Biografie. Sie könnten mir unterstellen, dass ich Bezüge habe." Kalbitz nahm 2007 an einem Pfingstcamp der rechtsextremen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) teil. Nach früheren Angaben war ihm damals nicht klar, dass der Verein vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft wurde.

Zudem führte Kalbitz früher den rechtsextremen Verein "Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit", den der Ex-SS-Hauptsturmführer und NPD-Funktionär Waldemar Schütz in den Achtzigerjahren mitbegründet hatte. Nachdem dies 2015 bekannt wurde, legte Kalbitz den Vereinsvorsitz nieder.

Zudem sagte er der "Welt" mit Blick auf ein Organ des "Witikobunds", der sich als sudetendeutsche Gesinnungsgemeinschaft bezeichnet, von Experten aber als rechtsextrem eingestuft wird: "Dass ich einmal im 'Witikobrief' vom 'Ethnozid am deutschen Volk' geschrieben habe, war eine eventuell etwas unüberlegte Sprachwahl, die sicher meinem Alter geschuldet war."

asa/dpa

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