Andreas Storm "Wir ließen den parlamentarischen Alltag hinter uns"

Der 43-jährige Andreas Storm ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Der CDU-Politiker bedauert, dass nur wenige der Ideen, die man in der Pizza-Connection diskutierte, später umgesetzt werden konnten.

Berlin - "Als frischgebackener CDU- Bundestagsabgeordneter traf ich im Spätherbst 1994 im Sozialausschuss des Deutschen Bundestages eine aufgeweckte und stets gutgelaunte junge Kollegin der Grünen: Andrea Fischer.

Im Ausschuss waren unsere Rollen vorgegeben: Andrea Fischer in der Opposition, meine Aufgabe hingegen an der Seite von Norbert Blüm. Doch alle zwei Monate ließen wir den parlamentarischen Alltag hinter uns: Beim Italiener traf sich ein gutes Dutzend junger Vertreter aus Union und Grünen zum gemütlichen Plausch.

Nach wenigen Monaten war das den Altvorderen derart suspekt, dass der damalige CSU-Generalsekretär Bernd Protzner die Begegnungen, die er selbst ja nur vom Hörensagen kannte, als "Pizza-Connection" bezeichnete.

Das machte natürlich sofort die Runde - der Name für unsere Gruppe war damit in der Welt. Wenn wir uns auch nur am Rande über die aktuelle Tagespolitik austauschten, so war die Begegnung untereinander doch eine Quelle für viele innovative Ideen. Matthias Berninger von den Grünen entwickelte einen heute noch modernen Ansatz für ein Fondsmodell zur Studienfinanzierung, mit Andrea Fischer diskutierten wir stundenlang über den Umbau des Sozialstaates. Leider hatten weder Andrea Fischer, in ihrer späteren Funktion als Bundesgesundheitsministerin, noch Matthias Berninger als Parlamentarischer Staatssekretär in der rot-grünen Bundesregierung nur annähernd die Chance, die damaligen kreativen Ideen zu verwirklichen.

Überhaupt war der Regierungswechsel des Jahres 1998 eine Zäsur. Alle Versuche, die "Pizza-Connection" aus der letzten Wahlperiode der Amtszeit von Helmut Kohl nach dem Regierungswechsel fortzusetzen, sind nicht nur an den vollen Terminkalendern unserer grünen Kollegen gescheitert.

Heute - 10 Jahre danach - könnte ein schwarz-grüner Senat in Hamburg wiederum ein Quell für neue, innovative Ideen werden. Warten wir es ab!"

Aufgezeichnet von Severin Weiland

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.