Angela Merkel Achtung, Kanzlerin im Anflug

Was passiert bei Reisen mit Angela Merkel? Richtig, es geht bisweilen irgendetwas schief. So wie jetzt beim Ausflug der Kanzlerin nach Indien. Womöglich gibt es eine Erklärung für dieses Phänomen.

AFP

Eine Reisewarnung von Christoph Schwennicke


Vor einigen Jahren war Angela Merkel Stargast bei der Verleihung des Goldenen Lenkrades. Auf die Bühne fuhr ein schwarzglänzender, kniehoher Audi, dem das Benzin geradezu aus dem Auspuffrohr troff. Die gesamte Bleifuß-Vorstandschaft der deutschen Automobilbranche war anwesend und natürlich ganz verzückt.

Da fragte Moderator Claus Strunz, was für ein Auto Merkel denn privat so fahre. Sie gab an, mit einem klapprigen alten Golf in die Uckermark zu fahren. Der bringe sie zuverlässig ans Ziel, um mehr gehe es ihr nicht. Es war ihr anzumerken, dass sie das Auto nicht als sinnliches Objekt begreift. In so ein Auto, da setzt man sich rein, um von A nach B zu kommen, in diesem Fall von Berlin nach Hohenwalde. Aus, Ende, fertig. Mit dem Zusatz, sie werde mit dem, was sie jetzt gleich sage, den einen oder anderen Automobilchef enttäuschen, lag Merkel ziemlich richtig. Der Merkel-Golf war der absolute Abtörner nach dem schönen Vorspiel mit der saft- und kraftstrotzenden PS-Flunder aus Ingolstadt.

Merkel auf Reisen. Seit diesem Erlebnis beim Goldenen Lenkrad geht uns dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf. Angela Merkel fährt mit einem betagten und farblich verwaschenen Golf nach Hohenwalde, ihren Mann an ihrer Seite. Irgendwie ist das ein Bild, das passt. Sie braucht keinen großen Wagen, das PS-Geprotze überlässt sie mächtigen Männern.

Lustreisen sind das nie mit unserer Kanzlerin

Vielleicht verreist sie auch gar nicht so gern, fährt nicht gern weg, löst lieber die Probleme hierzulande, als vor ihnen davonzufliegen. Jedenfalls fällt auf, dass ihre Reisen immer auf das Wesentliche und absolut Notwendige beschränkt bleiben. Lustreisen sind das nie mit unserer Kanzlerin.

Ist ja auch nicht schlimm. Muss ja nicht jeder gern verreisen. Meine Eltern zum Beispiel verreisen auch eher ungern und wundern sich über meine Reiselust, die sie als Eskapismus auslegen. Wenn der tendenziell Sesshafte dann aber doch zu Reisen verdammt ist, dann treten zwei Phänomene auf:

  • Erstens: Die drei Tage vorher befindet sich der tendenziell Sesshafte in einem Ausnahmezustand, und seine ganze Umgebung auch. Wir Kinder gingen daher spätestens drei Tage vor der Abreise nach Italien aus der unmittelbaren Schusslinie. Man konnte da immer nur Dinge falsch machen oder das Falsche sagen.
  • Zweitens: Der tendenziell Sesshafte zieht die Unbilden des Reisens förmlich an und fühlt sich also umgehend in seiner inneren Widerstandshaltung bestärkt. Vor seinem Kühler staut sich der Verkehr auf der Autobahn zu kilometerlangen, in der Sonne glühenden Blechschlangen. Bei ihm fallen Züge aus, kommen mit Stunden Verspätung oder verkehren in umgekehrter Wagenfolge.

Fehlende Fortune der Reisenden

Wir wissen nicht, ob im Kanzleramt drei Tage vor Abflug von Angela Merkel Ausnahmezustand herrscht und ob der Gepäckmeister eine ähnlich zwanghafte Perfektion wie mein Vater beim Packen der Koffer und dem Befüllen des Kofferraums an den Tag legt.

Was wir aber schon erkennen ist eine auffallende fehlende Fortune der Reisenden Angela Merkel. Möglicherweise hätte sie vor Antritt ihres Fluges nach Indien gewarnt sein können. In Island war wieder ein Vulkan ausgebrochen, wieder einer mit einem Namen, der sich aus einer wirren Abfolge von Konsonanten zusammensetzt, ab und zu von einem Vokal unterbrochen, und doch weitgehend unaussprechlich.

Klingelt da was? Eyjafjallajökull? Das letzte Mal, als Merkel in die USA reiste beziehungsweise von dort zurückwollte, kam sie am Ende nach einer mehrtägigen Irrfahrt über die Kanaren, Portugal und die Toskana mühsam und auf Umwegen über die Alpen zurück, wie seinerzeit Hannibal, nur ohne Elefanten und in umgekehrter Richtung.

Vorerst noch keine Reisewarnung an Merkel-Reisen

Dieses Mal hat der isländische Vulkan gnädig sein Speien von Feuer und Rauch eingestellt, dafür spie plötzlich irgendjemand Bedeutendes in Iran Gift und Galle und setzte die Kanzlerin für mehr als zwei Stunden über türkischem Luftraum fest. Einen "Seuchenvogel" hat unlängst der Fußballtrainer Klopp einen Reporter genannt, der immer dann auftauchte, wenn die Dortmunder nicht gewonnen hatten. Das ist natürlich ein sehr hässliches Wort und einer Kanzlerin nicht angemessen, dennoch sollte jeder in ihrer Delegation wissen, worauf er sich bei Mitreisen mit Merkel einlässt.

Wenn sie rechtzeitig aus Asien zurückkommt, fliegt Merkel nächste Woche in die USA. Delegationsmitgliedern sei hiermit empfohlen, nicht nur die Reisewetterberichte für Washington im Auge zu behalten, sondern auch den Zustand der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark. Die Reise führt über grönländischen Luftraum. Und Vorsicht: Es geht auch mehr oder weniger über Island hinweg. Auf Volcanolive.com bekommt der Merkel-Mitreisende aktuell und sachkundig die neuesten seismischen Nachrichten von der eisigen Feuerinsel und etwaige Auswirkungen auf Merkels Reiseroute.

Zur größeren Sorge besteht indes noch kein Anlass. Denn auch wenn sich die Vorfälle mehren: Grundsätzlich muss noch keine Reisewarnung für Merkel-Reisen ausgesprochen werden. Dem Vernehmen nach rät das Auswärtige Amt aber Mitreisenden, künftig etwas mehr Zeit einzukalkulieren als der offizielle Reiseplan ausweist. Eine Regresspflicht bei Verdienstausfällen wird mit dieser Warnung ausgeschlossen.



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
elstevo 31.05.2011
1. Im Gegenteil
Zitat von sysopWas passiert bei Reisen mit Angela Merkel? Richtig, es geht*bisweilen irgendetwas schief. So wie jetzt beim Ausflug der Kanzlerin nach Indien. Womöglich gibt es eine Erklärung für dieses Phänomen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765964,00.html
Wenn es etwas gibt das die merkelsche Kanzlerschaft kennzeichnet, dann ist es das stete Drücken vor den Problemen hierzulande durch nahezu wöchentliche Reisen zu irgendwelchen Gipfeltreffen, Besuchen etc.
Det70, 31.05.2011
2. Aussteigertrip?
Bleibt zu hinterfragen, was will Frau Merkel in Indien? Augen auf.
absolutdavid 31.05.2011
3. Nervig
Der Iran erlaubt sich die letzten Frechheiten und manchen Redakteuren fällt nichts Besseres ein als den Fehler auf die seltsam konstruierteste und überflüssigste Weise irgendwo im eigenen Verhalten zu finden. Lange nicht sowas Schlechtes gelesen.
Altesocke 31.05.2011
4. Ne, waere nix geworden!
Das haetten die ausgesessen! Erst Haette wer die Vizewelle gemacht, und dann waere irgendwer aus der alten Riege als Ersatz aufgestellt und durchgeboxt worden. Die Ergebnisse der letzten Wahl geben ja die Verhaeltnisse vor, nicht der Ist-Zustand! Aber es koennte nicht schlimmer kommen, soviel ist ja mal klar!
robb1982 31.05.2011
5. Super Artikel
Ah, da ist er ja. Der deutsche Spießbürger! Immer noch weit verbreitet, so wie eh und je. Natürlich ist ein Medienportal ausschließlich zum reinen informieren da. Ein humorvoller, ein wenig satirischer Beitrag ist natürlich vollkommen deplatziert. Und ja natürlich, Sonn- und Feiertags darf keine Wäsche aufgehangen werden und der Rasen muss zwingend jeden Samstag gemäht werden - so wie es sich für einen anständigen Spießbürger gehört. Ich persönlich fand diesen Beitrag ungemein erheiternd - ich bin froh, ihn gelesen zu haben. Er beweist, dass es doch noch Hoffnung für das spießbürgerliche deutsche Volk gibt, das sich selbst und alles um sich herum viel zu ernst nimmt und dem der Hang zur humorvollen Selbstironie überwiegend fehlt. DANKE SPON für diesen tollen Artikel!!!!
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