Umfrage BND-Affäre kostet Merkel Wählervertrauen

Die Union gerät in der BND-Affäre jetzt auch von Seiten der Wähler unter Druck. Laut einer Umfrage fühlen sich 37 Prozent der Bundesbürger von der Kanzlerin getäuscht. Ihre Partei fällt auf den tiefsten Wert des Jahres.

Bundeskanzlerin Merkel: In der BND-Affäre misstrauen ihr vor allem die AfD-Wähler
AP/dpa

Bundeskanzlerin Merkel: In der BND-Affäre misstrauen ihr vor allem die AfD-Wähler


In der Affäre um den Bundesnachrichtendienst (BND) und die NSA begegnen viele Bundesbürger ihrer Regierungschefin inzwischen mit Skepsis. 37 Prozent der Deutschen glauben, dass Kanzlerin Angela Merkel getrickst hat. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag von "Stern" und RTL hervor. Konkret geht es um die Behauptung, es könne mit den USA ein Anti-Spionage-Abkommen geschlossen werden. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt hingegen, dass die Kanzlerin vor der Bundestagswahl 2013 wirklich ein solches Abkommen mit Washington schließen wollte.

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Dem US-Geheimdienst NSA wird vorgeworfen, deutsche Bürger und Unternehmen im großen Stil ausgespäht zu haben - mit Unterstützung des BND. Dieser soll massenhaft persönliche Daten von Bundesbürgern an die NSA weitergeleitet haben.

Besonders skeptisch zeigten sich laut Umfrage die Wähler der AfD, die zu 67 Prozent von einer bewussten Täuschung ausgehen. Von den SPD-Anhängern gehen 38 Prozent von einer Täuschung durch Merkel aus, von den Unionsanhängern immerhin 22 Prozent.

Das wirkt sich auch auf die Zufriedenheit mit der Großen Koalition aus: Laut der Umfrage mussten sowohl CDU als auch SPD jeweils einen Prozentpunkt abgeben. Die Union fiel mit nur noch 40 Prozent auf ihren bisher schlechtesten Wert in diesem Jahr, die Sozialdemokraten sackten auf 22 Prozent ab.

Die FDP gehörte zu den Gewinnern der Umfrage - sie konnte um zwei Punkte auf sechs Prozent zulegen. Nach dem desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl 2013 könnte die Partei also derzeit wieder die Fünfprozenthürde überspringen. Im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2009 hatte die FDP 2013 knapp zehn Prozentpunkte eingebüßt - und den Einzug in den Bundestag knapp verpasst.

Die Grünen büßten der Umfrage zufolge einen Punkt ein und sackten auf elf Prozent. Die Linke verharrte bei neun Prozent und die AfD bei fünf Prozent. Rechnerisch möglich wäre demnach neben einer Großen Koalition auch ein schwarz-grünes Bündnis. Schwarz-gelb hätte nur dann eine Mehrheit, wenn die AfD den Einzug in den Bundestag verpassen würde.


Daten zu den Umfragen

Zeitraum "Stern"-Umfrage: Das Forsa-Institut befragte am 13. und 15. Mai 2015 im Auftrag des Magazins "Stern" 1001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

Fehlertoleranz "Stern"-Umfrage: Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.

Zeitraum "Stern-RTL-Wahltrend": Das Forsa-Institut befragte vom 11. bis 15. Mai 2015 im Auftrag des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders "RTL" 2003 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

Fehlertoleranz "Stern-RTL-Wahltrend": Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

amt/AFP



insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
justdude 20.05.2015
1. letzte amtszeit
..so what!?
IchbinDu 20.05.2015
2. Und bei der nächsten Wahl...
...trotteln sie alle wieder zur Wahl und wählen - Merkel.
Bueckstueck 20.05.2015
3.
Getrickst - schöne Verharmlosung. Interessant auch, dass der Koalitions-Sündenbock-Partner SPD scheinbar mehr einbüsst als die verantwortliche Union.
ViralInfekT 20.05.2015
4. Verrat und Lüge
Bei Landesverrat und Lügen gegenüber der Wähler/Bürger, sollte es auch zu einem Verlust in der Wählerschaft kommen. Eigentlich müsste es zu Demonstrationen und Entmachtung der jetzigen Regierung kommen. Allerdings ist Deutschland so Politikmüde, dass sich hier selbst Landesverrat "wegmerkeln" lässt. Womöglich wird es trotz allem noch zu einer weiteren Amtsperiode für Frau Merkel kommen.
Kryszmopompas 20.05.2015
5. wieso
37% glauben ihr nicht, 63% glauben ihr also, dass sie nicht gelogen hat, als sie sagte, mit ihr werde es keine Maut geben, die USA hätten ein Nospy-Abkommen angeboten. 63% der Bundesbürger weigern sich also, simple Fakten zur Kenntnis zu nehmen, was will Rauten-Merkel mehr? Lügen ist als hohe Kunst der Politik inzwischen mehrheitsfähig.
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