Regierungswechsel Merkel verfehlt Kohls Amtszeitrekord wohl um wenige Tage

5870 Tage regierte Helmut Kohl als Bundeskanzler. Wenn es bei dem straffen Zeitplan der Ampelparteien bleibt, dürfte Angela Merkel knapp darunter bleiben.
Angela Merkel und Helmut Kohl beim CDU-Parteitag 1991: Sie war damals Bundesfrauenministerin, er war Bundeskanzler

Angela Merkel und Helmut Kohl beim CDU-Parteitag 1991: Sie war damals Bundesfrauenministerin, er war Bundeskanzler

Foto: Michael Jung/ dpa

Der »ewige Kanzler« wurde Helmut Kohl auch genannt. Von 1982 bis 1998 war er im Amt an der Regierungsspitze – so lange wie keiner vor ihm. Wie es nach derzeitigem Stand aussieht, wird Kohl den Titel als am längsten amtierender Bundeskanzler wohl auch erst einmal behalten.

Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) könnte den Rekord für die längste Amtszeit knapp verfehlen – jedenfalls wenn die Pläne der Ampelparteien für eine Regierungsbildung bis Anfang Dezember aufgehen.

Kein fester Zeitpunkt im Grundgesetz

Der bisherige Rekordhalter Helmut Kohl (CDU) regierte von 1982 bis 1998 insgesamt 5870 Tage lang. Merkel könnte Kohls Rekord toppen, wenn sie am 19. Dezember noch im Amt wäre. Sie käme dann auf 5871 Tage.

Die Ampelparteien SPD, Grüne und FDP haben sich nun aber zum Ziel gesetzt, den SPD-Politiker Olaf Scholz in der Woche vom 6. Dezember zu Merkels Nachfolger im Kanzleramt zu wählen. Selbst wenn Scholz erst am Ende der fraglichen Woche – also am Freitag, dem 10. Dezember – vom Bundestag gewählt würde, käme Merkel nur auf 5862 Tage Amtszeit. Sie würde Kohls Langzeitrekord also um wenige Tage verfehlen.

Ob es bei dem straffen Zeitplan der Ampelunterhändler allerdings bleibt, ist unklar. Zudem ist es zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Koalitionsverhandlungen platzen und eine andere Konstellation neu verhandeln muss.

Einen festen Zeitpunkt für die Wahl des Bundeskanzlers schreibt das Grundgesetz nicht vor. Dort heißt es im Artikel 63 nur: »Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestag ohne Aussprache gewählt.« In der dazugehörigen Kommentierung ist von einer »angemessenen Frist« die Rede, was jedoch sehr unspezifisch ist.

Am längsten dauerte es bisher nach der Wahl 2017, bis die neue Regierung stand. Erst im März 2018 wurde Merkel erneut zur Kanzlerin gewählt.

Sehr rasch ging es etwa 1998. Gerhard Schröder wurde am 27. Oktober vereidigt, nur 30 Tage nach der Bundestagswahl.

til/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.