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Panne auf Weg zum G20-Gipfel Defekter Transformator Grund für Merkels Zwangslandung

Ausfall des "Herzstücks der Flugzeugtechnik": Nach SPIEGEL-Informationen sorgte ein defekter Transformator für eine ganze Reihe von Problemen an Bord von Angela Merkels Regierungsmaschine.

Am Donnerstagabend musste Kanzlerin Angela Merkel ihren geplanten Flug zum G20-Gipfel nach Buenos Aires erst unplanmäßig unterbrechen - und schließlich ganz abbrechen. Ursache für die Panne am Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" war nach Angaben der Flugbereitschaft der Ausfall eines einzelnen Bauteils.

Dabei handele es sich um eine elektronische Verteilerbox, sagte Oberst Guido Henrich, Kommandeur der Flugbereitschaft der Luftwaffe, in Köln. "Das war ein klassischer Ausfall eines Bauteils, wie es heute jederzeit passieren kann."

Die Panne im Regierungsflieger wurde nach SPIEGEL-Informationen durch einen defekten Transformator ausgelöst, den Flugzeugexperten gern als "Herzstück der Flugzeugelektrik" bezeichnen. Die sogenannte "Transformer Rectifier Unit" wandelt den durch die Turbinen erzeugten Strom für die verschiedenen Geräte an Bord um.

Mehrere wichtige Anzeigen fielen aus

Nach einer ersten Untersuchung des Technik-Teils, das tief im Flugzeug verbaut ist, stellten die Ingenieure fest, dass dieser keinen Strom mehr an das Kommunikationssystem des Fliegers aber auch an verschiedene andere Hydraulik-Anlagen des A340 mehr lieferte.

Der Stromausfall führte so nach Angaben aus Luftwaffenkreisen unter anderem dazu, dass der Pilot vor dem Anflug auf Köln nicht wie eigentlich üblich Sprit ablassen konnte um Gewicht zu verlieren. Ebenfalls fielen im Cockpit offenbar mehrere wichtige Anzeigen aus, ohne die ein sicherer Weiterflug nicht möglich ist.

Der Ausfall des Transformators erklärt auch, warum die Ersatzsysteme für die Kommunikation des Fliegers bei dem Pannen-Flug nicht funktionierten, da sie ebenfalls vom gleichen Wandler mit Strom versorgt werden.

"Kein" Gefahrenpotenzial

Oberst Henrich erklärte, inzwischen sei das Problem behoben. "Das Bauteil ist gewechselt, die Maschine ist funktionstüchtig." Auf die Frage, welches Gefahrenpotenzial der Vorfall gehabt habe, antwortete Henrich: "Keins."

Merkel startete aufgrund des Vorfalls am Freitag mit erheblicher Verspätung, einer deutlich kleineren Delegation - und in einem Iberia-Linienflugzeug. So war unter anderem auch für ihren Ehemann Joachim Sauer kein Platz mehr. In Argentinien soll Merkel nun von einer anderen Maschine der Flugbereitschaft abgeholt werden, die sie nach Deutschland zurückbringen soll.

Das Bauteil, das in der Maschine "Konrad Adenauer" für Probleme gesorgt habe, müsse in diesem anderen Flugzeug nicht erst erneuert werden, sagte Henrich. Die Maschinen würden alle regelmäßig gewartet. Wenn man in einem Auto ein Problem mit einer Batterie gehabt habe, tausche man deshalb auch nicht automatisch die Batterie in einem anderen Auto um, sagte er.

dop/mgb/dpa