Merkels Dementi zu Gerüchten um früheren Rückzug Klares Nein

Wird heimlich ein vorzeitiger Wechsel im Kanzleramt von Merkel zur CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer vorbereitet? Beide Spitzenpolitikerinnen haben Spekulationen darüber nun zurückgewiesen.

Angela Merkel
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Angela Merkel


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist Mutmaßungen entgegengetreten, sie wolle kurz nach der Europawahl einen geplanten Rückzug aus dem Amt bekannt machen.

Auf die allgemeine Frage, ob es eine schon länger getroffene Entscheidung gebe, über die sie anlässlich einer nach der Wahl vorgesehenen CDU-Vorstandsklausur informieren wolle, sagte Merkel, das könne sie "mit einem klaren Nein beantworten".

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat für Anfang Juni eine zweitägige Führungsklausur einberufen - also nur eine Woche nach der Europawahl am 26. Mai. Das hatte zu Spekulationen geführt, es könne je nach Ausgang der Wahl und der parallelen Wahl in Bremen auch einen raschen Wechsel von Merkel zu Kramp-Karrenbauer im Kanzleramt geben.

Merkel hatte im Oktober direkt nach schweren Einbußen der CDU bei der Hessen-Wahl ihren Rückzug vom Parteivorsitz bekannt gemacht. Das war kurz vor einer geplanten Vorstandsklausur geschehen. Merkel hatte damals erklärt, die Entscheidung habe sie schon länger für sich getroffen.

AKK: "Geschichte wiederholt sich nicht"

Kramp-Karrenbauer hat die Führungsklausur am Dienstag zudem mit der bis dahin erwarteten neuen Steuerschätzung begründet. Die steht im Mai an und dürfte einen deutlichen Rückgang der Staatseinnahmen ergeben.

Auf die Frage, ob auf der Klausur ein Wechsel von Kanzlerin Angela Merkel zu ihr vorbereitet werden solle, sagte auch Kramp-Karrenbauer der "Welt": "Nein. Wir haben im Juni die Situation, dass die Steuerschätzung sich nochmal im Bundeshaushalt widerspiegeln wird." Die Klausur sei mit Kanzlerin und Fraktionsspitze abgestimmt gewesen.

Die Bemerkung, sie sei von einer Entscheidung Merkels - nämlich deren Rückzug vom Parteivorsitz - ja schon einmal überrascht worden, kommentierte sie mit den Worten: "Es gilt der alte Satz, Geschichte wiederholt sich nicht."



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cht/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
go-west 30.04.2019
1. Also weiterhin
völliger Stillstand, Verwaltung ohne jegliche Visionen, weder für Deutschland noch für Europa. Macron wurde mit seinen wegweisenden Zukunftsplänen zu oft abgewiesen, seine Entscheidung es nun anderweitig zu versuchen ist nur logisch. Wobei ich leider Frau AKK auch nicht mehr zutraue als Frau Merkel. Es ist einfach nur traurig, wie leichtfertig die Gestaltungsmöglichkeiten unserer Zukunft liegen gelassen werden.
haarer.15 30.04.2019
2. Den schnellen Wechsel ...
... wird es natürlich nicht geben, so wünschenswert es auch wäre. Dann ginge dies ohnehin nur über Neuwahlen, wo alles auf Anfang gestellt wird. Die Union wird sehr bald klären müssen, wohin ihre Reise geht. Da ist noch keine Richtung erkennbar. AKK und Kanzlerin ? Nie ! Hat sich längst entzaubert. Die Dame ist noch nicht einmal als C-Vorsitzende eine gute Wahl. Da fehlt es grundsätzlich an Elan, frischen Ideen, Gestaltungskraft und Zukunftsglaube fürs Land. So wird es nix.
Andreas P. 30.04.2019
3. Schade
Ein Rücktritt Merkels würde uns gut tun. Der Stillstand und das Aussitzen vieler Themen hat uns schon genug geschadet. Jetzt ist sie noch weniger sichtbar und gibt weiterhin keine wichtigen Impulse zu Bildung, Infrastruktur, Digitalisierung etc. Bei so einer "Führung", wundert es nicht, dass die Groko nichts zustande bringt. AKK ist leider auch nicht die Lösung. Macht endlich den Weg frei für NEUE Leute und Neuwahlen! Auch das ist die Verantwortung einer Kanzlerin. Aber sie will die durch sie verursachten Probleme einfach nicht (ein)sehen.
cemi 30.04.2019
4. Ist doch längst passiert.
Hat nur noch keiner bemerkt. Oder hat Frau Merkel sich in letzter Zeit mal irgendwie dezidiert zu irgendeinem Thema geäußert? Hat sie eine eigene Meinung, ist sie überhaupt noch da? Mir fällt irgendwie nichts ein. Ständig kommen ihre Minister*innen mit irgendeiner neuen tollen Idee um die Ecke, die irgendein Minister aus der jeweilig anderen Partei doof findet, usw. usf. Und Frau Doktor Merkels Meinung zu all diesen Themen? Unbekannt. Deutschland versinkt in der Merkelschen Bräsigkeit, sie ist längst im innerlichen Rentenstand. Und keiner merkt's.
Semmelbroesel 30.04.2019
5. Wie bitte?
Was stellt sich die Union vor? Von einer Graupe zur anderen Graupe? Ich habe vorgestern das Interview mit Herrn Linnemann von der CDU verfolgt, da glauben doch tatsächlich nicht wenige in der Union, wir haben hier eine Erbmonarchie? Kommt mal langsam von eurem AKK-Trip herunter, das wird genauso eine Entgleisung wie mit dem Schulzzug. Der Weg sollte in die Moderne führen, nicht in den Mief der 50er des vorigen Jahrhunderts.
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