Naturschutz Merkel erklärt Wölfe zur Chefsache

Wann ist der Abschuss von Wölfen erlaubt? Das Kanzleramt hat sich nach Informationen des SPIEGEL in den Streit zwischen zwei zuständigen Ministerinnen in ihrem Kabinett eingeschaltet.
Ein Wolf im Moritzburger Wildgehege

Ein Wolf im Moritzburger Wildgehege

Foto: Monika Skolimowska/ DPA

Kanzlerin Angela Merkel drängt auf eine Lösung im Streit über den Abschuss von Wölfen in Deutschland. Da Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) in der umstrittenen Naturschutzfrage keine Einigung finden, hat das Kanzleramt nach Informationen des SPIEGEL das Thema an sich gezogen. Der Umgang mit den Wölfen war bereits zweimal Thema im Koalitionsausschuss, ohne dass die zuständigen Ministerinnen eine Lösung gefunden hatten.

Schulze und Klöckner streiten insbesondere darüber, ob Wölfe erst dann abgeschossen werden dürfen, wenn sie bereits Schafe gerissen haben, oder auch schon vorbeugend, wenn sie sich Siedlungen oder Schafsherden nähern.

Seit etwa 10 bis 15 Jahren kehrt der Wolf nach Deutschland zurück. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts galt er in Deutschland nach jahrhundertelanger Bekämpfung als ausgerottet. Inzwischen wird von einem Bestand von rund 70 Wolfsrudeln ausgegangen. Der Bestand an Einzeltieren wird inklusive Jungtiere auf rund 750 Wölfe geschätzt. Die Wolfspopulation wächst um rund 10 Prozent jährlich. Die meisten Wölfe leben im norddeutschen Tiefland, in Brandenburg und Sachsen. Auch in Bayern leben mittlerweile zwei Wolfspaare.

"Aus unserer Sicht werden mit dem vom Bundesumweltministerium vorgelegten Entwurf die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag nur unzureichend aufgegriffen", sagte ein Sprecher von Klöckner. Im Koalitionsvertrag heißt es, die Sicherheit der Menschen habe im Umgang mit dem Wolf höchste Priorität. Man werde "die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können".

Europaweit unter Schutz

Mit Blick auf die "dynamisch wachsende Wolfspopulation" gebe es Dissens zwischen den Ministerien hinsichtlich einer "weitergehenden Entnahmemöglichkeit" der Wölfe "mit präventivem Charakter", erklärt das Landwirtschaftsministerium.

Dies aber verstößt nach Auffassung von Schulze wiederum gegen die Naturschutzbestimmungen. Der Wolf ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine geschützte Tierart. Deutschland setzt damit internationale und europäische Verpflichtungen zur Erhaltung wild lebender Tiere und Pflanzen um.

Der Wolf steht europaweit unter Schutz. Experten gehen davon aus, dass es noch zu wenige Wölfe in Deutschland gibt, um die Erhaltung des Tieres langfristig zu sichern. Der Wolf gilt also nach wie vor als gefährdet.

Das Umweltministerium bestätigte, dass das Kanzleramt die Gespräche an sich gezogen habe. Man sei aber jederzeit bereit, weiter zu verhandeln.

Insbesondere in Ostdeutschland sorgen Berichte von Wölfen, die Schafe gerissen hätten, für Unruhe. Dort stehen im Herbst mehrere Landtagswahlen an. Die AfD macht sich die Ängste zu Nutze und fährt bereits Kampagnen, in denen sie den geregelten Abschuss der geschützten Wildtiere fordert. Bisher gab es in Deutschland allerdings keine nachgewiesenen Angriffe von Wölfen auf Menschen.

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