Große Koalition Gabriel wirft Merkel "Wahlkampfparolen" vor

"Viel kleiner kann man sich nicht machen": Beim CDU-Parteitag machte sich Kanzlerin Merkel fast schon lustig über ihren Koalitionspartner. Was steckt hinter der Attacke auf die SPD?

SPD-Chef Gabriel: "Die Lage in Deutschland und Europa ist zu ernst"
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SPD-Chef Gabriel: "Die Lage in Deutschland und Europa ist zu ernst"


Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte der SPD wegen ihres Regierungsbündnisses mit den Linken in Thüringen eine "Bankrotterklärung" attestiert. Dagegen protestiert jetzt ihr Stellvertreter: "Die Lage in Deutschland und Europa ist zu ernst, um sich jetzt in der Bundesregierung gegenseitig mit Wahlkampfparolen zu überziehen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel - und fügte an: "Frau Merkel hat dies auf dem CDU-Parteitag in den letzten Tagen getan."

Nach der Wahl des Linkspolitikers Bodo Ramelow zum thüringischen Regierungschef mit Stimmen der SPD hatte Merkel den CDU-Delegierten in Köln eine rhetorische Frage gestellt: "Wie viel kleiner will die SPD sich eigentlich noch machen, sich als stolze Volkspartei in die Juniorrolle unter der Linkspartei zu begeben?" Weiter sagte die CDU-Chefin: "Ich halte das Verhalten der SPD in Thüringen für eine Bankrotterklärung - eine Bankrotterklärung an den eigenen Anspruch, als Volkspartei wirklich Zukunft gestalten zu wollen."

Dass die Chefin der größeren Regierungspartei sich über den kleineren Koalitionspartner lustig macht, hatte es zuvor selten gegeben. Bislang ging Merkel in ihren Parteitagsreden zumeist pfleglich mit ihren Koalitionspartnern um - lediglich die damals mitregierende FDP watschte sie vor zwei Jahren einmal ab: "Gott hat die FDP nur geschaffen, um uns zu prüfen", sagte Merkel unter dem Gelächter der Delegierten.

mxw/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Rinax 11.12.2014
1.
Schon witzig und dann ließt man von Peter Tauber über die AfD das sich der Vorstand zerreißt. Bei der Regierung reist der Vizekanzler an der Kanzlerin rum, was ist denn jetzt schlimmer
chrimirk 11.12.2014
2. Das kommt davon, wenn man bewusst mit dem falschen Partner koaliert.
Den Sozis muss seit langer Zeit klar sein, dass für sie mit der Union kein vernüftiges Zusammenarbeiten möglich ist. Aber die Angst davor, es mit den anderen Bundestagsparteien trotz knapper Mehrheiten zu versuchen, war größer als vor dem Zusammengehen mit der Union. Und Frau Merkel sagte gestern ganz klar: Der natürliche Partner für die Union ist die FDP (damit ggf. auch die AfD). Im Umkehrschluss heisst das wohl: Die SPD ist eben kein natürlicher sondern allenfalls ein Not-Partner für die CDU/CSU! q.e.d
Gerüchtsvollzieher 11.12.2014
3. Rot-Rot-Grün in Thüringen...
wird 2017 zum Türöffner für CDU und AfD, denn warum sollte die CDU dann kein "Tabu" brechen? Ihr koaliert mit der Linken, wir mit der Rechten, so what!?
93160 11.12.2014
4. Ganz ehrlich Herr Gabriel
Merkel kann es sich leisten.Der Hanswurst sind doch Sie. So ein Angebiedere um selbst sich ein wenig wichtig nehmen zu duerfen wie Sie es tun. Was erwarten Sie eigentlich? Die Merkel steht fuer protestantisch, fuer Gott und alternativlos. Fuer was stehen Sie? Ich sage es Ihnen, fuer nichts. Sie verraten sogar Ihre Basis.
Hilfskraft 11.12.2014
5. SPD Kleinheit ...
... zählt 24% gegen 41% CDU. Da muß man sich nicht klein machen. Man ist es halt. Nur, wer wollte denn groß durch Kleinheit neben groß rauskommen? Und, wer wollte denn mit der SPD seine Macht erhalten ? Auch zu dieser Ehe gehören zwei. Wäre Gabriel konsequent, würde er das Groko-Bündnis nach so viel Merkels Respektlosigkeit aufkündigen. Aber, Konsequenz gehört nicht zu seinen Tugenden, falls er überhaupt welche hat ... Alter Spruch: "Wer sich wie ein Scheuerlappen verhält, wird als Scheuerlappen benutzt." Merkel hat schon viele Scheuerlappen verschlissen ...
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