CDU-Parteizentrale Merkel holt neuen Wahlkampfstrategen

Angela Merkel scheint an ihrem Generalsekretär zu zweifeln. Für das Duell gegen SPD-Herausforderer Schulz holt die CDU-Chefin einen neuen Wahlkampfstrategen von Opel. Für die Partei ist er ein alter Bekannter.

Mit Joachim Koschnicke, seit 2013 Cheflobbyist bei Opel, holt Angela Merkel einen langjährigen Vertrauten als Krisenmanager in die Parteizentrale. Koschnicke leitete schon einmal von 2005 bis 2011 den wichtigen Bereich Strategische Planung und Strategische Kommunikation in der CDU-Parteizentrale, ehe er als Geschäftsführer zum Meinungsforschungsinstitut Forsa wechselte.

CDU-Chefin Merkel hält große Stücke auf Koschnicke: 2010 schickte sie ihn als politischen Feuerwehrmann in die Zentrale der CDU Nordrhein-Westfalen, um dort in letzter Minute den Wahlkampf des damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zu retten.

Damals kam der Schritt zu spät, nun will Merkel offensichtlich rechtzeitig vor der Bundestagswahl im September handeln: Schon ab dem 1. April soll Koschnicke im Konrad-Adenauer-Haus anfangen, heißt es aus CDU-Kreisen. Für ihn werde eigens ein neuer Bereich geschaffen, der die Themen Strategische Entwicklung, Konkurrenzbeobachtung und Redenschreiben umfassen solle. Eine SPIEGEL-Anfrage zu seinem Wechsel ließ Koschnicke unbeantwortet.

Die Personalie zeigt, wie ernst Merkel den bevorstehenden Wahlkampf mit SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz nimmt. Der Sozialdemokrat hat seine Genossen mit der überraschenden Kandidatur wachgerüttelt und motiviert, in manchen Umfragen lag er sogar schon vor Merkel und die SPD erstmals seit langer Zeit wieder vor der Union. Am Sonntag war Schulz mit einem Ergebnis von 100 Prozent zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählt und zugleich offiziell zum Kanzlerkandidaten ausgerufen worden.

Vor allem verdeutlicht Koschnickes Kommen aber, dass Merkel sich im Wahlkampf nicht auf ihren glücklosen Generalsekretär Peter Tauber verlassen will. Ihm werfen Parteifreunde schon länger vor, seine zentrale strategische Position nicht auszufüllen, und zu spät und zu ungeschickt auf die Konkurrenz erst durch die AfD und dann durch Martin Schulz reagiert zu haben.

Zuletzt verärgerte Tauber seine Parteifreunde mit seinem ungeschickten Umgang mit der Sexismusaffäre in der Berliner CDU um die Nachwuchspolitikerin Jenna Behrends und mit seinem plumpen Vergleich von FDP-Chef Christian Lindner mit dem AfD-Frontmann Alexander Gauland.

CDU-Chefin Merkel verliert öffentlich zwar nie ein kritisches Wort über Tauber, aber scheint es doch für nötig zu halten, ihm mit Koschnicke einen erfahrenen Strategen an die Seite zu stellen. Der Rheinländer, Jahrgang 1972, ist aus seinen mehr als zehn Jahren im Adenauer-Haus nicht nur in der Partei gut vernetzt, sondern verfügt aus seiner Zeit an der Spitze von Forsa über exzellente Kenntnisse zum Thema Meinungsumfragen und Wahlprognosen.

Für Generalsekretär Tauber ist der Rückkehrer auch deshalb eine Gefahr, weil Koschnicke noch aus seiner ersten Phase im Adenauer-Haus einen sehr guten Draht zu Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler haben dürfte. Schüler gilt als interner Widersacher von Tauber. Die CDU-Männer ertragen sich offenbar eher, als dass sie sich ergänzen.

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