Neujahrsansprache der Kanzlerin "Unser Staat ist stärker als der Terrorismus"

Angela Merkel ruft die Deutschen in ihrer Neujahrsansprache zu Optimismus für 2017 auf. Es gelte, dem Hass der Terroristen "unsere Mitmenschlichkeit und unseren Zusammenhalt" entgegenzusetzen.

Angela Merkel bei ihrer Neujahrsansprache
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Angela Merkel bei ihrer Neujahrsansprache


Demokratie, Rechtsstaat und deutsche Werte - diese Grundprinzipien sind laut Angela Merkel der Gegenentwurf zur hasserfüllten Welt des Terrorismus. In ihrer Neujahrsansprache appellierte die Bundeskanzlerin an alle Bürger, Hass mit Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt zu begegnen.

"Indem wir unserem Leben und unserer Arbeit nachgehen, sagen wir den Terroristen: Sie sind Mörder voller Hass, aber wie wir leben und leben wollen, das bestimmen nicht sie. Wir sind frei, mitmenschlich, offen", heißt es in ihrem vorab veröffentlichten Redetext.

"2016 war ein Jahr schwerer Prüfungen", sagte die CDU-Chefin. Die schwerste Prüfung sei dabei der islamistische Terrorismus. Dass auch Flüchtlinge unter den Terroristen etwa in Würzburg, Ansbach und Berlin waren, sei "besonders bitter und widerwärtig". Der Blick auf das zerbombte Aleppo in Syrien zeige aber, wie wichtig es gewesen sei, dass Deutschland auch 2016 Schutzbedürftigen geholfen habe, in der Bundesrepublik Tritt zu fassen und sich zu integrieren.

Der Staat tue alles, um seinen Bürgern Sicherheit in Freiheit zu gewährleisten: "Und Sie werden stärker sein als der Terrorismus. Wir gemeinsam sind stärker. Unser Staat ist stärker." 2017 werde die Bundesregierung dort, wo politische oder gesetzliche Veränderungen nötig seien, diese schnellstens umsetzen.

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2016 in Bildern: Merkel und der Aufstieg der AfD

Merkel beklagte zugleich "Zerrbilder" zur Europäischen Union und zur parlamentarischen Demokratie. Zwar sei Europa langsam und mühsam. "Aber nein - wir Deutschen sollten uns niemals vorgaukeln lassen, eine glückliche Zukunft könnte je im nationalen Alleingang liegen." Vor der Bundestagswahl werde sie sich "für eine politische Auseinandersetzung einsetzen, bei der wir über vieles leidenschaftlich streiten werden - aber stets wie Demokraten, die nie vergessen, dass es eine Ehre ist, unserer Demokratie und damit den Menschen zu dienen".

Mut mache ihr auch die soziale Marktwirtschaft: "Sie lässt uns Krisen und Veränderungsprozesse besser meistern als jedes andere Wirtschaftssystem auf der Welt." Noch nie hätten so viele Menschen Arbeit wie heute.

"Zusammenhalt, Offenheit, unsere Demokratie und eine starke Wirtschaft, die dem Wohl aller dient: Das ist es, was mich für unsere Zukunft hier in Deutschland auch am Ende eines schweren Jahres zuversichtlich sein lässt", sagte die Kanzlerin in ihrer Ansprache.

vks/dpa/Reuters/AFP



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bermany 31.12.2016
1. Leidenschaftlich Streiten
Also die politische Prüfung, der sie sich stellen will, ist wohl schon im Gange. Mit den Koalitionspartnern streitet sie ja schon länger leidenschaftlich Ansonsten nur Geschwafel. Was soll sie auch sagen, Rezepte sind schließlich nicht in Sicht. Da muss man sich eben selbst Mut zureden.
bau-mann 31.12.2016
2. Zur Überschrift :
Nein, ist er nicht. Frau Bundeskanzlerin, mit allem Respekt für die richtig erkannte Pflicht zu helfen: unser Staat ist ein zahnloser Tiger mit Samtpfoten.....
spontanistin 31.12.2016
3. Schwerste Prüfung: Terror?
Bei aller Trauer um die Toten und Mitgefühl für die Angehörigen darf doch nicht übersehen werden, wieviel mehr Menschen in den Krisenherden des Nahen und Mittleren Ostens durch täglichen Terror um's Leben kommen. Ein Terror der durch befreundeten Staaten befördert wird und unserer Rüstungsindustrie dient. Sind nicht ungleich schwerere Prüfungen, den sozialen Zusammenhalt nicht weiter zu schwächen und den Reichtum der Superreichen nicht noch weiter zu fördern? Die Altersvorsorge und Infrastruktur nicht noch weiter erodieren zu lassen? Der nachwachsenden Generation nicht noch schlechtere Zukunftsperspektiven zu schaffen? Die Qualität von Lebensmitteln, Arbeitsplätzen und Umwelt nicht noch weiter abzubauen? Verstehe einer diese Kanzlerin.
hegri 31.12.2016
4. 2017
Das Jahr... ...in dem politische Auseinandersetzungen zwischen Staatsregierungen über Twitter und Facebook ausgetragen werden, (wenn's gut geht) ....In dem Cyber-Attacken auf Regierungsserver zum Alltag werden. ... in dem Datenschutz weit weniger restriktiv gehandhabt werden wird und es dennoch zu mehr Terrorattacken kommt. Der Rechtsruck in F, NL, PL, HU wird die EU zerreißen. Der Brexit kommt noch oben drauf. Ach ja, der Flüchtlingspakt mit der Türkei... Die neue Oligarchie in den USA. - Tja, da bleibt nur eins: Ruhe bewahren und einen Schluck Sekt trinken. Frohes Neues Jahr!
humorrid 31.12.2016
5. Zwischen den Zeilen
Frau Dr. Merkel wiegt bekannterweise jedes Wort ab, auch jetzt sagt Sie "unser Staat", sie meint also weder Deutschland noch uns damit. Sie appelliert also nicht an uns sonder stellt fest, dass das "Staatsapparat" stärker ist, bedient also somit die Ängste, versucht nach zu beruhigen statt eine klare Linie vorzugeben. Und bleibt somit sich treu - nicht ändern, beschwichtigen. So wie Ihre Hosenanzüge, gekauft im Vorrat - seit 2010 die gleiche glänzende Schäuslichkeit nur jeweils in einer anderen Farbe in Kombination mit lieblosen Blümengestecken. Auch hier die gleiche Botschaft, es geht uns gut und es wird es uns weiterhin gut gehen solange sich nichts ändert, und es wird es sich nichts ändern, denn ich ändere nichts. Übrigens, sie weiß natürlich auch, dass es " Mitmenschlichkeit" garnicht gibt - und somit entzieht sie sich wieder der klaren Worte, der Verantwortung. Eine Kanzlerin, die man an nichts festnageln kann.
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