Reaktionen zur Kanzlerkandidatur "Angela Merkel ist nicht mehr unschlagbar"

Kann Merkel CSU und CDU noch zusammenhalten? Wie groß sind ihre Wahlchancen im Jahr 2017? Die ersten Reaktionen zur vierten Kandidatur der Bundeskanzlerin - von Horst Seehofer, CDU-Kollegen, SPD, Grünen bis zu AfD-Chefin Frauke Petry.

Getty Images

Sie will noch immer: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angekündigt, 2017 für eine vierte Kanzlerschaft zu kandidieren. Schon jetzt ist sie nach elf Jahren im Amt Europas dienstälteste Regierungschefin. Die ersten politischen Reaktionen:

Merkel werde kandidieren - "und das ist auch gut so", erklärte CDU-Vize Julia Klöckner. "Sie hat uns mit ihrer Gradlinigkeit und Unaufgeregtheit sehr sicher durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geführt." Sie schätze den Politikstil der Kanzlerin, so Klöckner weiter: "Nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern diplomatisch und mit Bedacht arbeiten."

Grünen-Politiker Michael Kellner hingegen vermutete einfachere Motive hinter der vierten Kandidatur in Folge:

Eines der dominierenden Themen nach Merkels Erklärung war das Verhältnis zur Schwesterpartei CSU. Trotz der Streitigkeiten über Merkels Flüchtlingspolitik stellte CSU-Chef Horst Seehofer umgehend die Unterstützung seiner Partei in Aussicht. "Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht", sagte Seehofer. Auf dieser Grundlage werde man nun klären, mit welchen Themen man gemeinsamen in den Wahlkampf gehe - und wo es bei Differenzen bleibe. Seehofer fügte aber hinzu, an der "gemeinsamen Kanzlerkandidatin" könne man ja jetzt nicht ernsthaft zweifeln.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter blieb ungeachtet der gemeinsamen Personalentscheidung in der Union skeptisch. "Ich bin mal sehr gespannt, wie Angela Merkel ihren eigenen Laden zusammenhalten will", sagte Hofreiter dem "Handelsblatt". Die CDU und die Schwesterpartei CSU müssten zunächst einmal ihre politischen Gemeinsamkeiten klären.

Auch SPD-Vize Ralf Stegner sieht Merkels Kandidatur durch den Streit der Unionsparteien belastet. Er sprach im "Tagesspiegel" von einer "Hypothek im Wahlkampf".

AfD-Parteichefin Frauke Petry hingegen zeigte sich im Hinblick auf die demonstrierte Einheit von CSU und CDU enttäuscht:

Neben den Streitigkeiten zwischen den Schwesterparteien begannen die Ersten, sich ihre Chancen auszurechnen: "Die Bundestagswahl ist offen, Angela Merkel ist nicht mehr unschlagbar", erklärte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann .

Der Vorsitzende der Linksfraktion Dietmar Bartsch schrieb auf Twitter:

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir versprach umgehend eine "harte politische Auseinandersetzung". Seine Partei werde zeigen, "wie wirksamer Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt funktionieren können", sagte Özdemir der "Rheinischen Post". Es gehe in diesem Wahlkampf aber grundsätzlich darum, "anständig miteinander umzugehen und Polemik und Hetze echte Inhalte entgegenzusetzen".

Der baden-württembergische CDU-Landeschef Thomas Strobl hingegen hält die erneute Kanzlerkandidatur von Angela Merkel für ein Zeichen weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus. "Die Entscheidung der Bundeskanzlerin ist freilich auch ein gutes Signal hinaus nach Europa und in die Welt", sagte Strobl. "Mit Trump und Putin ist die Lage auf der Weltbühne ziemlich unberechenbar." Merkel hingegen stehe für seriöses Arbeiten, für Vernunft, für stabile Verhältnisse.

Der Generalsekretär der CDU Peter Tauber beließ es bei einer kurzen Botschaft:

irb/evh/AFP/dpa



insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
quark2@mailinator.com 20.11.2016
1.
Wär ja schön, wenn es Alternativen gäbe ... nur, grün und rot sind so eine Art billiger Abklatsch, AfD ist FDP mit EU-Allergie, richtig rot ist zwar als Opposition wichtig, aber was würden die machen, wenn sie an die Macht kämen ? Ich wette, sich erstmal ordentlich zerstreiten und aufteilen ... Es ist einfach niemand zuhause ... keine Sozialliberalen, keine echten Konservativen, keine EU-kritische Partei ohne "Geschmäckle" ... So bitter das ist ... Und Merkel ist mir lieber als UvdL.
jfpublic 20.11.2016
2. Vier weitere verlorene Jahre
Die Kanzlerin hat lange Zeit von Reformen der Vorgänger profitiert. Hat Sie dem Land eigene Impulse gegeben? Wie schnelllebig die Zeit ist, sieht man Nokia, Motorola, Frankreich und Italien. 12 Jahre sind genug. Hilfe.
WolfgangFischer 20.11.2016
3. 2 mal Obama ist mehr als genug
Warum sagt niemand, dass die us-amerikanische Verfassung die klügere ist? Dort steht geschrieben, dass kein Präsident länger als acht Jahre regieren darf. Was machen wir? Wir lassen zu, dass sich jemand nach 11 Jahren noch einmal für die nächsten Jahre im Mehltau als Kandidatin aufstellen darf? Deshalb Grundgesetzänderung, die nicht funktioniert, weil die Kandidatin und die Partei des Vizekanzlers eine lähmende Mehrheit bilden.
kibbs 20.11.2016
4.
Ich finde das gut so.Immerhin haben wir in Deutschland dann weiter eine hochgebildete und intelligente Frau,mit Manieren, im Kanzleramt.Das kann ja nun nicht jedes Land von sich behaupten.Sicher ist auch bei ihr nicht immer nur alles gut,aber ich bin stolz darauf so eine Frau als Bundeskanzlerin zu haben.
kritischer-spiegelleser 20.11.2016
5. Die CDU muss es wissen
Und mit ihr die Verantwortung tragen. Ich glaube nicht, dass sie noch mal eine Mehrheit hinter sich scharen kann. Heute zählt nur die Flüchtlingspolitik. Und das wäre die CSU gewesen oder nun die AfD.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.