Kritik an Schmähgedicht Merkel nennt Böhmermann-Verse "bewusst verletzend"

In die Affäre um das gelöschte Erdogan-Video des ZDF-Satirikers Böhmermann schaltet sich die Kanzlerin ein: In einem Telefonat mit dem türkischen Premier Davutoglu übt Angela Merkel deutliche Kritik an dem Beitrag.
Erdogan und Merkel

Erdogan und Merkel

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Klare Ansage von Angela Merkel: Die Kanzlerin hat das im ZDF ausgestrahlte und dann wieder gestrichene Schmähgedicht des Satirikers Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "bewusst verletzend" kritisiert. Das habe sie in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am Sonntagabend deutlich gemacht, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mit.

Merkel sei wie Davutoglu der Ansicht, dass es sich um einen "bewusst verletztenden Text handelt". Merkel habe auf die Konsequenzen verwiesen, die der ausstrahlende Sender bereits gezogen habe. Außerdem habe sie den hohen Wert bekräftigt, den die Bundesregierung der Presse- und Meinungsfreiheit beimesse. Diese sei aber nicht schrankenlos.

Das ZDF hatte in der Nacht zu Samstag in der Wiederholungvon Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" einen Beitrag gestrichen, der am vorigen Donnerstag auf ZDFneo erstmals ausgestrahlt worden war. Böhmermann hatte das mit "Schmähkritik" überschriebene Gedicht dort vorgelesen und selbst darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Die Verse enthalten Formulierungen, die deutlich unter die Gürtellinie zielen.

Video: Regierung übt Kritik an Böhmermann-Versen

Böhmermann nahm mit dem Text Bezug auf das NDR-Fernsehmagazin "Extra 3", das zuvor einen umstrittenen satirischen Beitrag über den türkischen Präsidenten ausgestrahlt hatte. Erdogan hatte wütend darauf reagiert, SPIEGEL ONLINE berichtete daraufhin über die Einbestellung des deutschen Botschafters in Ankara.

Im Video: Politiker kritisieren Erdogan-Reaktion auf "Extra 3"

SPIEGEL ONLINE
als/dpa