Merkel in Neujahrsansprache "Über Grenzen hinweg zusammenarbeiten"

Die Bundeskanzlerin hat die Bürger für 2019 auf eine wachsende Verantwortung Deutschlands in der Welt eingestimmt. Zudem rief Merkel zu einem tolerantem Miteinander auf - und schlug auch selbstkritische Töne an.

Angela Merkel
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bürger in Deutschland zu einem toleranten Miteinander aufgerufen und zugleich die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit betont. "Die Herausforderungen unserer Zeit werden wir nur meistern, wenn wir zusammenhalten und mit anderen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten", sagte Merkel in ihrer Neujahrsansprache. Werte wie Offenheit, Toleranz und Respekt hätten das Land stark gemacht - "für sie müssen wir uns gemeinsam einsetzen".

Die Lebensgrundlagen der Menschen seien verletzlich - "und zwar im umfassenden Sinne", fuhr die Kanzlerin fort. Sie nannte neben dem Klimawandel auch die "Steuerung und Ordnung der Migration" sowie den Kampf gegen den internationalen Terrorismus als drängendste Aufgaben. "In unserem eigenen Interesse wollen wir alle diese Fragen lösen, und das können wir am besten, wenn wir die Interessen anderer mitbedenken", sagte Merkel in ihrer Neujahrsansprache und verwies auf "die Lehre aus zwei Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts".

Weil diese Überzeugung jedoch heute nicht mehr von allen geteilt werde und "Gewissheiten der internationalen Zusammenarbeit" unter Druck gerieten, müsse Deutschland für seine Überzeugungen "wieder stärker einstehen, argumentieren, kämpfen" und mehr Verantwortung übernehmen. So werde sich die Bundesrepublik im Uno-Sicherheitsrat für globale Lösungen einsetzen. Deutschland übernimmt ab Januar für zwei Jahre einen Sitz in dem Gremium.

In der Ansprache schlug Merkel auch selbstkritische Töne an. Sie wisse, dass viele Bürger im ablaufenden Jahr mit der Bundesregierung gehadert hätten. "Erst haben wir lange gebraucht, um überhaupt eine Regierung zu bilden, und als wir sie hatten, da gab es Streit und viel Beschäftigung mit uns selbst", sagte sie. Staatsdiener müssten alles in ihrer Macht Stehende für den inneren Frieden und den Zusammenhalt des Landes tun.

Die Kanzlerin verteidigte in ihrer Ansprache ihre Entscheidung, nach der laufenden Legislaturperiode keine politischen Ämter mehr auszuüben. "Die Demokratie lebt vom Wechsel und wir alle stehen in der Zeit", sagte sie. Staatsdiener müssten sich "immer wieder prüfen", was sie persönlich für den Zusammenhalt des Landes tun könnten. Das habe sie getan.

mkl/dpa/AFP



insgesamt 30 Beiträge
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Actionscript 31.12.2018
1. Frau Merkel's starke Seite
Aussenpolitik oder besser gesagt die Verständigung mit anderen Staatsmännern/frauen ist Frau Merkel's starke Seite. Ich höre hier in den USA immer wieder, wie sie für ihren Einsatz für Demokratie und Frieden gelobt wird. Und selbst DT scheint einigen Respekt vor ihr zu haben. Damit hat sie Deutschland in eine vorbildhafte Position in der Welt gebracht. Natürlich gibt es allerdings auch Negativpunkte wie die Waffenlieferungen nach Saudi Arabien, die sie nicht gerade geschickt verteidigt hat. Doch abgesehen davon wird es in Zukunft ihr/e Nachfolger/in schwer haben, ihr das Wasser zu reichen.
ohlmannforpresident 31.12.2018
2. Egal, was ...
sie sagt oder noch sagen mag. Es ist zu spät! Ich kann diese Frau nicht mehr hören oder sehen. Sie verursacht mir regelrecht physische Schmerzen. Trotzdem Allen ein frohes neues Jahr.
steveleader 31.12.2018
3. Frau Merkel hat nicht viel...
falsch gemacht. Gerade an Sylvester lässt sich erkennen wie gut es uns geht. Wir ersticken fast an unserem Reichtum. Wer meckert sollt mal konkret sein Leben offenlegen. Man wird erkennen das eher persönlicher Frust, an unserer Politik ausgelassen wird. Genießt vielmehr die Zeit, morgen kann es vorbei sein.
gruffelo 31.12.2018
4. Schön und gut
Ein wenig mehr Fokus auf die Innenpolitik wäre angebracht - dass Toleranz, Verständnis, Zusammenhalt gefragt sind, sollte mittlerweile jedem im Land klar sein. Dass Investitionen in die Infrastruktur (Verkehr, Bildung, Digitalisierung etc.), in den Verteidigungshaushalt (herkömmlich, digital, auf allen Ebenen), in die Forschung, sowie eine grundlegende Überarbeitung der Rentenpolitik notwendig sind, scheint dagegen leider immer noch nicht an der Spitze unserer Landesführung angekommen zu sein.
einwerfer 31.12.2018
5. In/aus Berlin nichts Neues
Die soziale Spaltung in Deutschland war für sie in ihrer über 12-jährigen Kanzlerschaft nie ein Thema und wird es auch wohl in den noch ausstehenden ein bis zwei Neujahrsansprachen nicht mehr werden. Damit ignoriert sie einen wesentlichen Grund für das Erstarken des rechten Randes. Aber so lange die CDU bei ungefähr 30% liegt (wieso eigentlich?) und damit für eine Regierungsbildung bei der Aufsplitterung des Parteiensystems unverzichtbar, wird sich daran auch nichts ändern. NB: Nicht nur die SPD, auch die CDU (- 8% bei der letzten Bundestagswahl) hat die Gründe für dieses Ergebnis nie aufgearbeitet. Nächstes Jahr haben wir dann die Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen (und Bremen) und die Europa-Wahl. Da wird dann bei den 'etablierten' Parteien wohl Heulen und Zähneklappern herrschen. Aber Bewegung kommt wohl erst dann rein, wenn die AfD auch auf Bundesebene über der Union liegt. PS: Was ich mir allerdings nicht wünsche
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