Flüchtlingskrise Merkel setzt auf Österreichs Grenzer

"Dann macht Österreich den Brenner dicht": Kanzlerin Merkel verlässt sich nach SPIEGEL-Informationen auf Wien, sollten künftig viele Flüchtlinge über Italien nach Norden reisen.
Grenzübergang Brenner

Grenzübergang Brenner

Foto: DOMINIC EBENBICHLER/ REUTERS

Mehrere Teilnehmer eines Treffens der Unionsfraktionschefs aus Bund und Ländern zeigten sich nach Informationen des SPIEGEL verwundert über eine Aussage von Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage. Bei der Zusammenkunft vergangenen Sonntag in Berlin war die Kanzlerin gefragt worden, was geschehen solle, falls eine große Zahl von Flüchtlingen über Italien nach Deutschland einreisen wolle. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Merkel antwortete, dann sei Rom dafür zuständig, die Menschen unterzubringen und zu registrieren. Auf die Nachfrage des CSU-Landtagsfraktionschefs Thomas Kreutzer, was passiere, wenn die italienische Regierung dieser Verpflichtung nicht nachkommen könne oder wolle und sich wieder Hunderttausende auf den Weg nach Deutschland machten, sagte Merkel: "Dann macht Österreich den Brenner dicht."

Die Teilnehmer der Sitzung zeigten sich deshalb verwundert, weil die Kanzlerin eine Schließung der deutschen Grenze ablehnt und die Regierung in Wien dafür kritisiert hat, dass sie die Grenze teilweise geschlossen und eine Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt habe.

Österreich hat angekündigt, den Brenner-Grenzübergang für Migranten zu schließen , falls der Andrang aus Italien zu groß werden sollte. In den ersten Monaten des Jahres sind mehr Flüchtlinge in Italien angekommen als im Vorjahr. Allerdings sind es weit weniger, als zuletzt über die Ägäis kamen, selbst nach Schließung der Balkanroute. Zudem handelt es sich fast ausschließlich um Afrikaner, während über die Ägäis hauptsächlich Syrer, Afghanen und Iraker kommen.

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