CNN-Interview mit der Kanzlerin Merkel sieht Grünen-Ergebnisse als Aufforderung

Nur selten gibt die Kanzlerin ausländischen Medien Interviews, nun hat sie mit CNN über Populismus und die Europawahl gesprochen. Das gute Abschneiden der Grünen sei eine "Aufforderung" an die Union.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Christiane Amanpour bei der Verleihung des amerikanischen Fulbright-Preises für internationale Verständigung
Wolfgang Kumm/ DPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Christiane Amanpour bei der Verleihung des amerikanischen Fulbright-Preises für internationale Verständigung


Es ist das erste längere Interview mit einem US-Sender: Einen Tag nach der Europawahl hat Angela Merkel mit CNN gesprochen. Im Interview mit der bekannten TV-Journalistin Christiane Amanpour räumt die Bundeskanzlerin ein, die Grünen hätten "recht stark" abgeschnitten. Das liege auch an Themen, "die die Menschen im Augenblick sehr bewegen", wie etwa der Klimawandel.

Das Ergebnis betrachtet Merkel als "Aufforderung" an ihre Partei, "noch bessere Antworten auf diese Fragen zu finden und vor allen Dingen zu sagen, dass wir uns den Zielen, die wir uns selbst gesetzt haben, auch verpflichtet fühlen". Merkel sprach am Montagabend mit CNN, das Interview wird am Dienstagabend um 19 Uhr international ausgestrahlt. Der Sender NTV hatte einige Ausschnitte vorab ausgewertet.

Merkel freute sich im Gespräch über die hohe Wahlbeteiligung und darüber, dass die Europäische Volkspartei (EVP) stärkste Kraft geworden sei. Das werde sich auch auf die Vergabe der Positionen auswirken, die nun in der EU ansteht. In den vorab verfügbaren Ausschnitten sprach Merkel aber nicht über den EVP-Spitzenkandidaten Manfred Weber.

Zum Thema Populismus und Antisemitismus in Deutschland sagte Merkel, dass sich diese Entwicklungen "leider überall" zeigten. Es sei keine neue Entwicklung in Deutschland. "Aber das hat zugenommen, und deshalb heißt es jetzt ganz klar, dass wir uns dagegen stellen müssen." Vor allem müsste Deutschland vor dem Hintergrund seiner Geschichte "umso wachsamer" sein.

Die Journalistin Amanpour gilt als Bewunderin von Merkel. Als die Kanzlerin im Januar den Fulbright-Preis für internationale Verständigung bekam, hielt Amanpour die Laudatio. Damals lobte sie Merkel "für eine Stärkung der multilateralen, werte- und regelgebundenen Weltordnung". In ihrer Beschreibung klang Merkel wie eine Art "Anti-Trump". Amanpour sagte damals, sie sei geehrt, über eine Frau sprechen zu dürfen, "die ich so sehr bewundere, in einem Land, das ich so sehr bewundere".

mfh

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insgesamt 83 Beiträge
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didiastranger 28.05.2019
1. Unser Chamälion
Welche Farbe darf es denn sein? Dann werde ich mich anpassen wie schon die letzten 14 Jahre . Ich tue alles für den Machterhalt. Ich stehe für alles und wenn es NICHTS ist.
gingermath 28.05.2019
2. Reden ist Silber, Handeln ist Gold.
Meiner Meinung hat es weniger mit dem Gesagten zu tun, sondern mit dem Handeln ... die Oppoaition kann Vorschläge anbieten, aber die CDU und die SPD wurden an ihrem Handeln bemessen. Da war die Botschaft, die den Wählern von der Regierung angeboten wurde eindeutig ... Die Regierung wird nicht (qie abgesprochen) gegen den Klimawandel vorgehen.
dachbodenstradivari 28.05.2019
3. Leere Worte, keine Taten
Noch besser, als "vor allen Dingen zu sagen, dass wir uns den Zielen, die wir uns selbst gesetzt haben, auch verpflichtet fühlen", wäre es natürlich, auch Taten folgen zu lassen. Die junge Generation lässt sich jedenfalls nicht länger an der Nase herumführen.
bedireel 28.05.2019
4.
Ich werde Karl Lagerfeld ewig dankbar für den einen wichtigen Satz sein, den er zu Angela Merkel in der Flüchtlingskrise sagte. Ein Satz, der ihn unsterblich macht: "Wir können nicht – selbst wenn Jahrzehnte zwischen den beiden Ereignissen liegen – Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen." Vielen Dank, Karl. M.f.G.
alleswirdbesser 28.05.2019
5. vollkommen Ihrer Meinung.
Zitat von didiastrangerWelche Farbe darf es denn sein? Dann werde ich mich anpassen wie schon die letzten 14 Jahre . Ich tue alles für den Machterhalt. Ich stehe für alles und wenn es NICHTS ist.
Hatte meiner Tochter gestern schon mitgeteilt, dass die völlig prinzipienlose Kanzlerin in den nächsten Tagen das Klima für sich und die CDU "entdecken" wird. Ein einziger Agendapunkt: Machterhalt - alles andere ist der Dame egal (inkl. Deutschland(fahne))
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