Bundeskanzlerin Merkel zu Corona-Maßnahmen "Das Virus bestraft Halbherzigkeit"

Nach dem Inkrafttreten der neuen Beschränkungen in der Coronakrise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Maßnahmen gerechtfertigt. Sie hofft darauf, dass die Einschränkungen als "Wellenbrecher" wirken.
Angela Merkel in der Bundespressekonferenz

Angela Merkel in der Bundespressekonferenz

Foto: Florian Gaertner / photothek / imago images

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die am Montagmorgen in Kraft getretenen Corona-Maßnahmen verteidigt. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Verbreitung des Virus unsere Gesundheitsämter überfordert", sagte Merkel. "Das Virus bestraft Halbherzigkeit."

Schon jetzt sei die Kontaktverfolgung in vielen Fällen nicht mehr möglich. "Wir müssen Kontakte reduzieren, wo immer das möglich ist", sagte sie. "Wir haben lange abgewogen, ob es einen besseren oder milderen Weg gibt. Aber den haben wir nicht gesehen", sagte Merkel. "Deshalb haben wir diese Regelungen schweren Herzens beschlossen."

Deutschland müsse wieder in eine Situation kommen, in der die Gesundheitsämter Kontakte wieder verfolgen können, sagte Merkel. Anderenfalls nehme das exponentielle Wachstum weiter zu. Merkel bezog sich auf die aktuellen Infektionszahlen in Deutschland. Der gemittelte Inzidenzwert liege bei 127,8, sagte sie. Man müsse aber wieder auf einen Inzidenzwert von unter 50 bei 100.000 Einwohnern kommen.

Menschen seien "enttäuscht"

"Die Menschen sind natürlich etwas enttäuscht, dass das Ganze so lange anhält", sagte Merkel. Der Herbst sei mit großer Wucht gekommen, und die Wintermonate seien lang. "Das Licht am Ende des Tunnels ist noch ziemlich weit entfernt", sagte sie. "Ich kann den Unmut verstehen, muss aber trotzdem um Akzeptanz werben, weil wir keine andere Wahl haben." Merkel glaube an die Kraft der Vernunft und Verantwortung in einer Demokratie, sagte sie. "Es ist eine Probe, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt haben", sagte die Kanzlerin.

"Das bedeutet vier Wochen Verzicht auf vieles, was das Leben schön macht", sagte Merkel. Im Frühling seien viele Menschen vorsichtig gewesen, dadurch habe man die Pandemie gut unter Kontrolle bekommen. "Das wird in den Wintermonaten schwieriger sein", sagte Merkel – schon allein, weil sich dann viel mehr in Innenräumen abspiele.

Bezogen auf die Feiertage im Dezember sagte Merkel, dass es ein Weihnachten unter Corona-Bedingungen werde, "aber es soll kein Weihnachten in Einsamkeit sein". Die Entscheidung hänge davon ab, wie der November laufe, sagte Merkel. "Dass es große Silvesterfeiern gibt, das glaube ich nicht." Konkret wollte sich die Kanzlerin nicht festlegen, wie es im Dezember weitergeht. Sie sagte aber, ein Kriterium sei, dass der 7-Tage-Inzidenzwert wieder auf unter 50 gebracht werden müsse.

Merkel verspricht Hilfen für Unternehmen

Merkel bat auch Unternehmen um Verständnis, die nun wegen der Maßnahmen schließen müssen. "Niemand wird mit seinem Einnahmeverlust alleine gelassen", sagte sie.

Merkel warb um Verständnis für die Maßnahmen in der Coronakrise

Merkel warb um Verständnis für die Maßnahmen in der Coronakrise

Foto: FILIP SINGER/EPA-EFE/Shutterstock

In der vergangenen Woche hatten sich Bund und Länder auf eine Verschärfung der Maßnahmen geeinigt. Seit Montagmorgen ist das öffentliche Leben in Deutschland stark eingeschränkt. Gastronomie, Kultur und Freizeiteinrichtungen müssen im November bundesweit weitgehend schließen.

Auch für persönliche Treffen gelten seit Montagmorgen deutlich strengere Regeln. In der Öffentlichkeit dürfen sich nur noch Angehörige zweier Haushalte und maximal zehn Personen treffen. Bürger werden angehalten, ihre Kontakte außerhalb des eigenen Hausstandes auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

hba/bmo
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