Zwei Politikerinnen, zwei Flugzeuge Merkel und Kramp-Karrenbauer fliegen getrennt in die USA

Man habe sich bemüht, "den Einsatz der Flugzeuge zu optimieren", doch das hat offenbar nicht geklappt: Die Kanzlerin und die Verteidigungsministerin reisen separat an die US-Ostküste - fast zur gleichen Zeit.

Politikerinnen Merkel und Kramp-Karrenbauer am Freitag in Berlin: Jede fliegt für sich
Christoph Soeder/DPA

Politikerinnen Merkel und Kramp-Karrenbauer am Freitag in Berlin: Jede fliegt für sich


Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fliegen zwei Tage nach der Verabschiedung des Klimapakets der großen Koalition an diesem Sonntag fast zeitgleich in zwei Maschinen der Luftwaffe an die US-Ostküste.

CDU-Politikerin Merkel fliegt zum Uno-Klimagipfel am Montag und nimmt anschließend an der Generaldebatte der Vereinten Nationen ab Dienstag in New York teil. Ihre Parteikollegin Kramp-Karrenbauer fliegt zu einem Treffen mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Mark Esper. Fliegen ist besonders klimaschädlich.

Ursprünglich war geplant, dass Kramp-Karrenbauer mit ihrer Delegation in der Maschine der Kanzlerin mitfliegt, in der auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) reisen. Der Airbus A340 sollte in New York zwischenlanden und dann weiter nach Washington fliegen.

"Wir haben uns bemüht"

Weil Kramp-Karrenbauer bereits am Montagabend nach Deutschland zurückreist, wollte sie für die Heimreise einen Linienflug nehmen. Die Tickets waren bereits bestellt. Doch dann soll das Kanzleramt dem Verteidigungsministerium angeblich signalisiert haben, ein Mitflug Kramp-Karrenbauers sei nicht gewünscht, berichtet die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Regierungskreise. Demnach sei angeregt worden, die CDU-Chefin solle eigenständig anreisen.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Zeitung: "Im Zuge der Planungen dieser Reise haben wir uns bemüht, den Einsatz der Flugzeuge zu optimieren." Flugplanung und Flugzeugmuster richteten sich nach dem Zielflughafen, der Flugstrecke, der Delegationsgröße und den terminlichen Verpflichtungen der Regierungsmitglieder. Ein konkreter Grund für die getrennte Anreise wurde demnach nicht genannt.

Nach SPIEGEL-Informationen kostet eine Flugstunde einer Regierungsmaschine zwischen 24.000 und 35.000 Euro, das geht aus internen Dokumenten der dafür zuständigen Bundeswehr hervor. Das zusätzliche Flugzeug für die Reise Kramp-Karrenbauers dürfte in diesem Fall also mindestens 360.000 Euro kosten.

Die Maschine der Kanzlerin muss in jedem Fall auch nach Washington fliegen, dem Reiseziel der Verteidigungsministerin: Das Flugzeug darf am Airport in New York nicht stehen bleiben.

Die große Koalition hatte am Freitag ein 22-seitiges Eckpunktepapier bekannt gegeben, das den Klimaschutz in Deutschland voranbringen und die politischen Ziele für 2030 erreichbar machen soll (Lesen Sie hier mehr zu den Beschlüssen). Unter anderem soll das Flugverkehrsaufkommen durch höhere Ticketpreise reduziert werden.

mxw/mgb/dpa



insgesamt 136 Beiträge
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akase93 22.09.2019
1. Prima!
so ein hanebüchener Schwachsinn ist dem Normalbürger kaum zu erklären. Und dann soll er noch auf seine, vielleicht nicht mal jährliche, Urlaubsreise eingepfercht in der Economyclass verzichten? Das hat aber deutlich was von "Wasser predigen und Wein saufen".
bernhard.geisser 22.09.2019
2.
"Kramp-Karrenbauer ... wollte sie für die Heimreise einen Linienflug nehmen". Und wieso kann AKK für den Hinflug keinen Linienflug nehmen? Ist ja ok wenn die Kanzlerin im Staatsflieger fliegt oder der Entwicklungsminister nach Burkina Faso, Linienflug ist gewiss nicht immer angebracht. Aber AKK nach Washington, kann man sich da nicht ausnahmsweise mit Lufthansa First Class begnügen?
alstonerock 22.09.2019
3. Wir haben uns bemüht !!!
Unfassbar, und alle Anderen sollen sich einschränken und/oder bezahlen. Ein Vorbild für aktiven Klimaschutz.
udo.sowade 22.09.2019
4. Die Vorbildwirkung
deutscher Politiker wird das Klima-Paket zum vollen Erfolg werden lassen. Hier wird der Widerspruch zwischen WOLLEN und KÖNNEN dem Bürger (Wähler) als Beispiel nahe gelegt.
MitVerlaub! 22.09.2019
5. Die gute Nachricht
Die Flugbereitschaft verfügt wieder über reisefähige Flugzeuge. Die offene Frage: Wenn der Rückflug mit einer Linienmaschine denkbar war... wieso nicht auch der Hinflug?
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