Florian Gathmann

Merkel und die CDU Erneuern müssen andere

Die CDU sagt Ja zur GroKo und bejubelt ihre Generalsekretärin. Angela Merkel hat das Beste aus ihrer schlechten Position gemacht. Aber für die Erneuerung der Partei wird sie keine Rolle mehr spielen.
Merkel, Kramp-Karrenbauer

Merkel, Kramp-Karrenbauer

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Natürlich haben sich die Delegierten nach Angela Merkels Rede von ihren Plätzen erhoben und ihrer Vorsitzenden lange applaudiert. Das gehört sich so bei der CDU für die Kanzlerin, selbst wenn sie das im Moment nur geschäftsführend ist.

Aber der Beifall auf dem Parteitag wirkte genau so: pflichtschuldig. Und längst nicht alle standen auf. Manche Christdemokraten klatschten auch gar nicht.

Die scheidenden Minister Thomas de Maizière und Hermann Gröhe wurden dagegen gefeiert. Und wahre Begeisterungsstürme erntete die bisherige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Bewerbungsrede als Generalsekretärin.

Merkel ist auch weiterhin die Chefin in der CDU. Nicht nur nominell als Parteivorsitzende. Und falls die SPD-Mitglieder für den Koalitionsvertrag mit der Union stimmen, wird sie wohl noch vor Ostern abermals zur Bundeskanzlerin gewählt. Das würde ihre Position stärken.

Aber die Zukunft der CDU, das hat dieser Parteitag gezeigt, liegt in anderen Händen.

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Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Die Erneuerung der Partei, die nach bald 18 Jahren unter Vorsitz Merkels dringend notwendig ist, werden andere vorantreiben. Politiker, die sie gerade selbst befördert hat: Kramp-Karrenbauer, die designierten Kabinettsmitglieder Jens Spahn und Julia Klöckner. Vielleicht junge Ministerpräsidenten wie Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Michael Kretschmer aus Sachsen. Auch den nordrhein-westfälischen Regierungschef Armin Laschet sollte man auf der Rechnung haben.

Eine Chefin auf Abruf

Auch Merkel sprach auf dem Parteitag über die Erneuerung der CDU. Aber nichts davon zündete. Nicht nur für ihre Kritiker ist Merkel nach so vielen Jahren an der Parteispitze und im Kanzleramt eine reine Machtpragmatikerin. Wenn sie über die Neuvermessung der Partei spricht, wirkt es fast so, als höre niemand mehr zu.

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Ganz anders bei der neuen Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer. Oder bei Spahn, der im Gegensatz zu der Saarländerin eher eine Hoffnungsfigur der Konservativen in der CDU ist.

Ob Kramp-Karrenbauer, Spahn & Co. angesichts der sich verändernden politischen Landschaft in Deutschland die richtigen Konzepte für die CDU haben? Das weiß heute niemand - zumal sich ja auch manche ihrer Ideen widersprechen. Aber sie machen der Partei, die zu einer Art Kanzlerwahlverein wie zu Zeiten Helmut Kohls verkümmert ist, ein Angebot.

Und genau das unterscheidet sie von Merkel.

Videoanalyse zum Sonderparteitag: "So tickt die CDU"

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