Nach AfD-Erfolgen in Ostdeutschland Merkel warnt vor "Hass und Verachtung"

Was folgt, wenn Unzufriedenheit in Wut umschlägt? Jedenfalls "kein Recht auf Hass und Verachtung für andere Menschen oder gar Gewalt", sagt die Kanzlerin im Interview mit dem SPIEGEL.

Angela Merkel: "Da muss man hart dagegenhalten"
Peter Rigaud/ DER SPIEGEL

Angela Merkel: "Da muss man hart dagegenhalten"


Mit Unverständnis blickt Kanzlerin Angela Merkel auf die jüngsten Wahlerfolge der AfD in Brandenburg, Sachsen und Thüringen: "Auch wenn man mit dem öffentlichen Nahverkehr, der ärztlichen Versorgung, dem staatlichen Handeln insgesamt oder dem eigenen Leben nicht zufrieden ist, folgt daraus kein Recht auf Hass und Verachtung für andere Menschen oder gar Gewalt", sagte Merkel im Interview mit dem SPIEGEL.

Gegenüber einem solchen Verhalten könne es "keine Toleranz geben". Sie wisse, dass für Ostdeutsche einer bestimmten Generation "das Leben mit der friedlichen Revolution zwar frei, aber nicht immer einfacher geworden ist", so Merkel zum SPIEGEL.

Es gebe neben erfolgreichen Regionen im Osten auch solche, "in denen die Dörfer sich leeren, weil die Kinder und Enkel weggezogen sind".

Dass in ihrer Amtszeit als Kanzlerin die AfD so stark geworden ist, ficht Angela Merkel nicht an. "Wir leben in Freiheit, die Menschen können sich entsprechend äußern und wählen", sagte sie.

Ohne die AfD-Chefs von Brandenburg und Thüringen, Andreas Kalbitz und Björn Höcke, beim Namen zu nennen, sagte die Kanzlerin wohl in Anspielung auch auf deren westdeutsche Herkunft: "Was aus meiner Sicht gar nicht geht: Wenn Menschen mit westdeutscher Biografie in den Osten gehen und da behaupten, unser Staat sei ja eigentlich nicht viel besser als die DDR."

Merkel: "Da muss man hart dagegenhalten."

Hier lesen Sie das ganze Interview.

ulz/flo



insgesamt 38 Beiträge
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Axel7 05.11.2019
1. Verachtung erfaehrt auch der Waehler
Zitat aus: https://www.tagesspiegel.de/politik/rechts-heisst-nicht-nazi-der-erfolg-der-afd-waere-leicht-zu-stoppen-wenn-die-anderen-parteien-nur-wollten/25182908.html > Warum laufen die Wähler weg? Ein Beispiel. Bei jungen Männern war die AfD in Thüringen besonders erfolgreich. Ich schlage CDU und SPD ein Experiment vor. Sagt, dass an allem, was falsch läuft, Frauen schuld sind. Macht "weiße Frau" und "Frauennetzwerke" zu Schimpfworten, sagt, dass Männer und nur Männer besondere Förderung brauchen. Und dann beobachtet, wie sich dies auf das Wahlverhalten von Frauen auswirkt. Sollte der ein oder andere Politiker einmal darueber nachdenken.
puma1 05.11.2019
2. Frau Merkel trägt doch selbst . . .
. . . eine grosse Mitschuld an der Unzufriedenheit der Menschen, sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. Den Menschen dann auch noch vorschreiben zu wollen, wen sie an ihrer Stelle wählen sollen (oder dürfen!) ist doch der Gipfel der Arroganz! Meine Meinung. Aber ist gilt nach wie vor der Satz: Hochmut kommt vor dem Fall!
delta120 05.11.2019
3. Hass und Verachtung erfährt Merkel in Ostdeutschland!
Die Einkommenslage des unteren Median der Bevölkerung ist in Ostdeutschland erschütternd, daher wächst der Hass und Verachtung auf Merkel und Co. Es ist erstaunlich wie viel über Hass und Verachtung gesprochen wird aber wie sich kaum einer wagt, die Ursachen zu benennen oder zu untersuchen. Da der Anteil der Ausländer in Ostdeutschland besonders gering ist, werden es wohl kaum alle Rassisten sein.
man 05.11.2019
4. Wenn die Unzulänglichkeiten
bis hin zur Frage der Migration nicht behoben werden und es geht einfach nach dem Motto weiter so ergibt sich daraus kein Recht auf Gewalt und Hass. Das ist vollkommen richtig. Aber es wird 2021 gewählt.
Mikrohirn 05.11.2019
5. Jeder*e
hat das Recht das zu hassen und zu verachten, was er/sie zutiefst ablehnt. Zu beleidigen und Gewalt (außer in Notwehr) anzuwenden, darauf besteht kein Recht. Die Kanzlerin differenziert mal wieder nicht.
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