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11. September 2013, 17:44 Uhr

Adoptionsrecht

Merkel will Homo-Ehe erst nach Urteil gleichstellen

Die CDU will sich vom Bundesverfassungsgericht zur völligen Gleichstellung homosexueller Paare beim Adoptionsrecht zwingen lassen. Von sich aus werde die Partei Schwulen und Lesben das Recht nicht gewähren, sagte Kanzlerin Merkel. Damit wolle sie Homosexuelle aber nicht diskriminieren.

Berlin - Die Bundeskanzlerin verteidigt ihre Vorbehalte gegen eine volle Gleichstellung homosexueller Paare beim Adoptionsrecht. Die CDU werde gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht erst dann einräumen, wenn die Politik vom Bundesverfassungsgericht dazu gezwungen werde, sagte Angela Merkel am Mittwoch im Interview mit dem Jugendradios der ARD. "Die CDU wird das nicht von sich aus tun."

Die Kanzlerin werde nicht aktiv, "weil der Schutz von Ehe und Familie im Grundgesetz sich aus meiner Sicht auf die klassische Ehe bezieht", sagte Merkel. Sie gebe zu, dass in der zu Ende gehenden Legislaturperiode eine Reihe von Schritten zur Gleichstellung erst durch Gerichtsbeschlüsse angestoßen wurden. Ihre Haltung dürfe aber nicht als Diskriminierung verstanden werden. "In gleichgeschlechtlichen Partnerschaften werden Werte gelebt", sagte die CDU-Chefin.

FDP und Opposition kritisieren Merkel

Merkel bekräftigte damit ihre Äußerung aus der ARD-Sendung "Wahlarena" am Montagabend. "Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass ich mich schwertue mit der kompletten Gleichstellung (...) Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt", hatte die Kanzlerin geantwortet, nachdem ein homosexueller Mann Merkel mit dem Nein ihrer CDU zur vollen Gleichstellung von Homo-Paaren bei Adoptionen konfrontiert hatte.

Die Opposition aber auch Merkels Koalitionspartner FDP hatten Merkel daraufhin eine Diskriminierung von Lesben und Schwulen vorgeworfen. "Die Lebensentwürfe im 21. Jahrhundert sind bunter als früher", sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte: "Die Union muss endlich die Scheuklappen ablegen und in der Lebenswirklichkeit ankommen." Die FDP stehe für die volle Gleichstellung homosexueller Paare. "Dazu zählt selbstverständlich auch das Adoptionsrecht."

Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Axel Hochrein, verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft, die die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, nicht bestünden. Maßstab sei die Verfassung und nicht ein persönliches Bauchgefühl.

syd/Reuters/dpa

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