Vorfall bei Selenskyj-Empfang Mediziner hält Merkels Zittern nicht per se für alarmierend

Ihr Körper zitterte länger als eine Minute: Kanzlerin Merkel hatte beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Selenskyj einen Schwächeanfall. Aus ärztlicher Sicht könnte es eine einfache Erklärung geben.

Angela Merkel
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Angela Merkel


Das Zittern von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin ist aus medizinischer Sicht an sich nicht alarmierend. Es sei allgemein gesprochen nicht unplausibel, dass ein solches Zittern auf einen Flüssigkeitsmangel zurückgeführt werden kann, sagte Alexander Schultze, stellvertretender Leiter der Notaufnahme am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Die Bundeskanzlerin hatte bei dem Empfang in Berlin am Dienstag erheblich gezittert:

Wofgang Kumm/ DPA

Als Merkel mit dem Präsidenten dann eine militärische Formation abschritt, hatte sich das Zittern sichtbar wieder gelegt. Sie sagte bei einer Pressekonferenz mit Selenskyj, sie habe inzwischen drei Gläser Wasser getrunken - das habe ihr offenbar gefehlt. Wie man sehe, gehe es ihr wieder sehr gut.

Mediziner Schultze hält das für plausibel: Ein Flüssigkeitsmangel sei bei diesem Wetter nicht untypisch. Die Information, dass es nach drei Gläsern Wasser wieder besser ging, könne durchaus ein Hinweis darauf sein, dass es sich um ein kurzzeitiges Kreislaufproblem gehandelt habe.

Eine spezielle Diagnose auf die Bundeskanzlerin bezogen sollte ein Arzt aber nicht ohne Auftrag stellen, sagte Schultze. Jede Patientin habe das Recht, sich selbst auszusuchen, welcher Arzt sie beurteilt oder behandelt. "Dieses Recht hat auch Frau Merkel, und es sollte ihr zugestanden werden, sich selbst darum zu kümmern", so der Mediziner.

tin/dpa



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