Kanzlerin Merkel zu Coronakrise Menschen sollen Sozialkontakte so weit wie möglich einschränken

Absage von Veranstaltungen, mögliche Schulschließungen, Verzicht auf nicht zwingend notwendige Operationen - Bundeskanzlerin und Länderchefs haben sich auf zahlreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise geeinigt.
Angela Merkel

Angela Merkel

Foto: MICHELE TANTUSSI/ REUTERS

Bei einer gemeinsamen Besprechung haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Bundesländer auf Schritte zur Bewältigung und Eindämmung der Coronakrise geeinigt. Merkel forderte nach der Ministerpräsidentenkonferenz die Menschen zudem auf, ihre Sozialkontakte so weit wie möglich einzuschränken.

Bund und Länder wollen bei der Bekämpfung der Krise eng zusammenarbeiten und die Regierung strebt eine enge grenzübergreifende Kooperation in Europa an. Die wichtigsten nationalen Maßnahmen im Überblick:

  • Damit sich die Krankenhäuser auf den steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten für Behandlungen mit schweren Atemwegserkrankungen durch Covid-19 konzentrieren, sollen soweit medizinisch vertretbar grundsätzlich alle planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe in allen Krankenhäusern ab Montag auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

  • Es wird einen Bonus für die Krankenhäuser geben für jedes Intensivbett, das zusätzlich provisorisch geschaffen und vorgehalten wird.

  • Bund und Länder fordern die Krankenhäuser auf, jetzt den Einsatz der Ärztinnen und Ärzte, des Pflegepersonals und des weiteren Personals , das notwendig ist, um intensivpflichtige Menschen zu behandeln, so zu planen und zu erhöhen, dass die Durchhaltefähigkeit der Intensiv- und Beatmungsbetten in ihren Kliniken gestärkt wird.

  • Bund und Länder verstärken ihre Bemühungen, durch Covid-19 besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, insbesondere ältere Menschen, Hochbetagte und chronisch Kranke, aufzuklären, ihnen Handlungsempfehlungen zu geben und sie zu schützen.

  • Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern sollen abgesagt, auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen unter tausend Teilnehmern soll verzichtet werden.

  • In Regionen und Bundesländern mit sich abzeichnendem dynamischen Ausbruchsgeschehen ist die Verschiebung des Semesterbeginns an den Universitäten sowie die vorübergehende Schließung von Kindergärten und Schulen, etwa durch ein verlängerndes Vorziehen der Osterferien, eine weitere Option. Die Entscheidung dazu obliegt jeweils den Ländern.

Neben den laufenden Kontakten insbesondere der Gesundheits- und Innenminister sowie auf der Ebene der Krisenstäbe von Bund und Ländern und des interministeriellen Koordinierungsgremiums nach dem Pandemieplan des Bundes werden der Chef des Bundeskanzleramts und die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Länder sich fortlaufend abstimmen.

Merkel: Situation "außergewöhnlicher als zu der Zeit der Bankenkrise"

Im Kampf gegen die rasante Ausbreitung des Coronavirus sind nach den Worten von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die nächsten vier bis fünf Wochen entscheidend. Alle Maßnahmen würden erst mal bis zum 20. April terminiert, danach werde man eine Bestandsaufnahme machen, sagte der CSU-Chef. Bundeskanzlerin Merkel sagte, dieser Zeitraum sei "sehr, sehr entscheidend" dafür, wie es danach weitergehe.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

"Wir sind in einer Situation, die außergewöhnlich ist in jeder Beziehung, und zwar, ich würde sagen, außergewöhnlicher als zu der Zeit der Bankenkrise." Man habe es hier mit einer gesundheitlichen Herausforderung zu tun, auf die Wissenschaft und Medizin noch keine Antwort hätten. Aufgabe sei es jetzt, Menschenleben zu retten, "so gut wir das können", und die Wirtschaft am Laufen zu halten, sagte die Bundeskanzlerin. "Beide Aufgaben sind anspruchsvoll und dem wollen wir gerecht werden." Sie sprach von einem "Einschnitt, der uns sehr viel abverlangt".

mfu/jok/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.