Bundeskanzlerin zum Fall Nawalny Merkel verurteilt "versuchten Giftmord"

"Es sind bestürzende Informationen": Angela Merkel hat sich zur Vergiftung von Kremlkritiker Alexej Nawalny geäußert. "Die Welt wird auf Antworten warten", sagte sie an Russland gerichtet.
Angela Merkel bei ihrem Statement

Angela Merkel bei ihrem Statement

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Markus Schreiber / dpa

"Nawalny ist Opfer eines Verbrechens - er sollte zum Schweigen gebracht werden": So hat Kanzlerin Angela Merkel eine Mitteilung der Bundesregierung kommentiert, dass der russische Kremlkritiker nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden ist.

"Es sind bestürzende Informationen", sagte Merkel in einem kurzen Statement. Die russische Regierung müsse jetzt Fragen beantworten. "Die Welt wird auf Antworten warten", sagte sie. "Es stellen sich jetzt sehr schwerwiegende Fragen, die nur die russische Regierung beantworten kann und beantworten muss." Merkel sagte außerdem, das Verbrechen Nawalny "richtet sich gegen die Grundwerte und Grundrechte, für die wir eintreten." Gemeinsam mit den Partnern in der Nato und in der EU werde man nun beraten und "im Lichte der russischen Einlassungen über eine angemessene, gemeinsame Reaktion entscheiden", sagte die Kanzlerin.

DER SPIEGEL

Nach dem Nachweis der Vergiftung lud Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) den russischen Botschafter "zu einem dringenden Gespräch" ins Auswärtige Amt ein. Er habe dabei Moskau "unmissverständlich" aufgefordert, die Umstände der Vergiftung Nawalnys "vollumfänglich aufzuklären". Russland müsse die "Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen", sagte Maas.

Nawalny, der am 20. August auf einem Flug in seiner Heimat plötzlich ins Koma gefallen war und zunächst in Omsk untersucht wurde, wird auf Drängen seiner Familie in der Charité behandelt. Die deutschen Ärzte gingen nach einer Auswertung von klinischen Befunden bereits davon aus, dass Nawalny vergiftet wurde. Die russische Regierung hatte die Einschätzung der Berliner Charité als vorschnell bezeichnet.

Der Gesundheitszustand von Nawalny ist nach Angaben der Charité weiterhin ernst. Zwar gingen die Symptome der nachgewiesenen Vergiftung zurück, Nawalny liege aber nach wie vor auf der Intensivstation und werde maschinell beatmet, teilte das Berliner Krankenhaus mit. Es sei mit einem längeren Krankheitsverlauf zu rechnen. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung seien nicht auszuschließen.

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Nach Ansicht der Unions-Bundestagsfraktion war der Giftanschlag auf Nawalny nur mit Hilfe der russischen Regierung möglich. Der Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe, mit dem Nawalny vergiftet wurde, sei schwer zu beschaffen und könne nur aus hochspezialisierten Laboren entstammen, teilte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, mit.

als/dpa/Reuters
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