Weltfrauentag in der Coronakrise Bundeskanzlerin warnt vor Rückfall in alte Rollenmuster

In der Pandemie müssen vor allem Frauen den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Beruf meistern – diese Sorge teilt Angela Merkel. Auch andere Parteien äußerten sich zu Quoten und diskriminierenden Algorithmen.
Demo in Mailand (Archiv): Am Montag ist Weltfrauentag

Demo in Mailand (Archiv): Am Montag ist Weltfrauentag

Foto: Antonio Calanni/ AP

Am 8. März ist Weltfrauentag – ein traditionell wichtiger Tag für den Kampf um die Gleichstellung. In Berlin ist der 8. März sogar ein gesetzlicher Feiertag. Bereits heute forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz sowie Opposition und Verbände mehr Rechte, Geld und Anerkennung für Frauen und Mütter.

»Wir sind noch nicht am Ziel«, erklärte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast am Samstag . Das zeige »ein Blick in die Führungsetagen  der Wirtschaft, aber auch der Politik«. Parität sei in allen Bereichen der Gesellschaft nötig. »Dazu gehört auch: Frauen müssen endlich so viel verdienen können wie Männer«, so die Kanzlerin.

Merkel warnte in ihrer Ansprache außerdem davor, in Zeiten der Pandemie in alte Rollenmuster zurückzufallen. So seien es »doch wieder vermehrt Frauen, die den Spagat zwischen Homeschooling, Kinderbetreuung und dem eigenen Beruf meistern«, sagte Merkel. Es seien auch überwiegend Frauen, die derzeit in sozialen und Pflegeberufen besonders gefordert seien.

»Über 75 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitsbereich – von ärztlichen Praxen und Krankenhäusern über medizinische Labore bis hin zu Apotheken – sind Frauen«, sagte Merkel. »In den Führungspositionen finden sich hier dagegen nur knapp 30 Prozent Frauen.« Es könne nicht sein, »dass Frauen unsere Gesellschaften maßgeblich tragen und gleichzeitig nicht gleichberechtigt an wichtigen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt sind«.

Scholz: Zwölf Euro Mindestlohn soll viele Frauen besserstellen

Für SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz ist es »eine Frage des Respekts«, die Gleichstellung zu einem gemeinsamen Anliegen von Frauen und Männern zu machen. Auf einer digitalen Veranstaltung der Sozialdemokraten am Samstag anlässlich des Frauentages sprach Scholz sich dafür aus, dass die Löhne in der Pflege , aber auch im Lebensmitteleinzelhandel steigen sollten. Dies würde vielen Frauen bessere Löhne garantieren. Nötig seien auch höhere Mindestlöhne – »zwölf Euro ist der Maßstab, den ich richtig finde.«

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In einer Resolution zum Frauentag fordert der SPD-Parteivorstand zudem »Diskriminierungsfreiheit in der Welt der Daten«. Wo der Einsatz von Algorithmen, etwa im Personalwesen, über die Zukunft von Menschen mitentscheide, dürften diese Algorithmen »niemals diskriminieren«, heißt es darin. Sie müssten ebenso wie künstliche Intelligenzen (KI) »vorurteilsfrei programmiert« sein. Dies solle regelmäßig geprüft und zertifiziert werden.

Die Ungleichbehandlung zeige sich auch im Gesundheitsbereich. In der medizinischen Forschung würde häufig nur mit Daten von männlichen Probanden geforscht, heißt es in dem Papier der Sozialdemokraten. Das müsse geändert werden.

Forderungen zum Frauentag: Stärkere Quoten und Abschaffung des Ehegattensplittings

Die Grünen wollen im Fall einer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl eine stärkere Frauenquote für börsennotierte Unternehmen durchsetzen. Die Frauenquote soll laut Parteichefin Annalena Baerbock ein wichtiger Punkt in möglichen Koalitionsverhandlungen werden. Baerbock forderte laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mindestens 33 Prozent Frauenbeteiligung in Vorständen und 40 Prozent für Aufsichtsräte. Laut der Grünenchefin seien die Regeln im Aktienrecht völlig überholt.

Nachholbedarf gibt es auch im Auswärtigen Dienst. Dort sind Frauen besonders in höheren Positionen noch unterrepräsentiert: Nur 20 Prozent der Auslandsvertretungen würden von Frauen geleitet, teilte das Außenministerium der »Neuen Osnabrücker Zeitung« mit. Immerhin liege der Frauenanteil im Auswärtigen Dienst insgesamt bei rund 50 Prozent. »Bei den Einstellungen haben wir in den letzten zehn Jahren annähernd Geschlechterparität erreichen können«, so das Auswärtige Amt.

Seit Längerem fordern Frauenverbände zudem die Abschaffung des Ehegattensplittings . Die Vorsitzende des Verbands Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar), Monika Schulz-Strelow, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: »Das Ehegattensplitting verführt Frauen, ihren Job aufzugeben, weil der Nettolohn durch die schlechte Steuerklasse zu gering ausfällt. Dies kann sich spätestens bei Kurzarbeit, nach einer Scheidung oder im Alter durch eine Minirente rächen.«

sug/afp/dpa-AFX
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