Merkel über die Coronakrise "Unser Land zeigt sich von seiner besten Seite"

Kanzlerin Angela Merkel stimmt die Deutschen in der Coronakrise auf außergewöhnliche Wochen ein: "Wir alle werden eine ganz andere Osterzeit erleben als je zuvor." Jüngste Zahlen machen ihr aber "ein wenig Hoffnung".
Angela Merkel: "Es wird auch wieder Osterfeste geben, an denen wir uns uneingeschränkt Frohe Ostern wünschen werden"

Angela Merkel: "Es wird auch wieder Osterfeste geben, an denen wir uns uneingeschränkt Frohe Ostern wünschen werden"

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CLEMENS BILAN/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Kein Fest wie jedes andere: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat alle Bürger aufgerufen, sich auch an Ostern und in den Ferien an die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Epidemie zu halten. In einer Videobotschaft sagte Merkel, sie könne noch keine Stichtage für ein Ende der Anordnungen nennen. Dies wäre in der jetzigen Situation auch unverantwortlich.

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Sie versicherte aber, "dass die Bundesregierung und auch ich persönlich tatsächlich Tag und Nacht darüber nachdenken, wie wir beides schaffen können: also sowohl den Gesundheitsschutz für alle, als auch einen Prozess, mit dem das öffentliche Leben auch wieder Schritt für Schritt möglich wird".

Derzeit steige aber die Zahl der Corona-Infizierten noch zu stark an. Es stimme zwar, dass jüngste Angaben des Robert Koch-Instituts "ein wenig Hoffnung" machten. "Aber es ist definitiv viel zu früh, um darin einen sicheren Trend zu erkennen", sagte Merkel.

DER SPIEGEL

Deshalb sollen alle Leitlinien für das reduzierte öffentliche Leben und für die Einschränkung der Kontakte unvermindert bestehen - zunächst bis einschließlich 19. April, dem Ende der Osterferien in den meisten Bundesländern. Wie es dann weitergehe, hänge davon ab, "an welchem Punkt der Ausbreitung des Virus wir dann in Deutschland stehen und wie sich das in den Krankenhäusern auswirkt".

In Deutschland gelten zurzeit umfassende Kontaktsperren für die Bürger, außerdem sind unter anderem Restaurants, Theater, Kinos sowie Spielplätze und viele Geschäfte geschlossen.

Das Land stelle sich der Bewältigung der Pandemie - und "damit das weiter gelingt, brauche ich, das sage ich ganz offen, auch weiter Ihre Mithilfe - die Mithilfe, die Sie schon seit Wochen in so wunderbarer Weise geben", sagte Merkel. "Es ist schlichtweg großartig, was in unserem Land von der übergroßen Mehrheit der Menschen geleistet wird. Unser Land zeigt sich von seiner besten Seite."

Die Kanzlerin selbst nahm an diesem Freitag nach zweiwöchiger häuslicher Corona-Quarantäne ihre Dienstgeschäfte im Kanzleramt wieder auf und zeigte Verständnis vor allem für die vielen älteren und kranken Menschen, die von der Außenwelt abgeschnitten sind. "Ich bin froh, mich heute wieder aus dem Kanzleramt an Sie wenden zu können. Meine häusliche Quarantäne ist vorbei, und mir geht es gut. Jetzt ahne ich: 14 Tage allein zu Hause, 14 Tage nur am Telefon und im Netz mit der Welt verbunden zu sein, das ist nicht leicht."

"Wir alle werden eine ganz andere Osterzeit erleben als je zuvor", sagte Merkel. Ostern sei für Millionen von Christen der Kirchgang, der "Ostersonntag mit der ganzen Familie, vielleicht ein Spaziergang, Osterfeuer". Das sei auch für viele ein Kurzurlaub an der See, in den Bergen, oder bei Verwandten. "Normalerweise. Aber nicht in diesem Jahr", sagte die Kanzlerin.

Auch ein Osterspaziergang sei nur nach den Regeln möglich, die seit gut zwei Wochen gelten: nur mit Familienangehörigen, mit denen man zusammenwohnt, oder mit höchstens einer anderen Person außerhalb dieses Kreises, mahnte Merkel. Dabei müsse auch immer an den nötigen Abstand zu anderen Menschen gedacht werden: eineinhalb Meter oder besser zwei. "Vergessen wir auch nicht, an gründliches und häufiges Händewaschen zu denken." Ein einfacher Mundschutz könne nicht das Einhalten des Abstandes ersetzen. "Solange es keinen Impfstoff und kein Medikament gegen das Virus gibt, ist die Einhaltung des Abstandes der wirksamste Schutz."

Merkel sagte weiter, sie denke auch an die Juden und Muslime in Deutschland und alle anderen Gläubigen, die jetzt nicht in ihren Gotteshäusern zusammenkommen könnten. "Das ist eine dieser Einschränkungen, die wirklich an den Kern einer Gesellschaft gehen und die wir nur im Notfall und nur so lange wie unbedingt erforderlich hinnehmen können."

Daher versprach die Kanzlerin, dass es "ein Danach" geben werde. "Oder um zum Gedanken an Ostern zurückzukommen: Es wird auch wieder Osterfeste geben, an denen wir uns uneingeschränkt Frohe Ostern wünschen werden", sagte Merkel. "Wann dieses Danach kommt und wie gut das Leben wieder sein wird, das haben wir jetzt alle mit in der Hand."

mes/dpa