Neujahrsansprache der Kanzlerin "Die Welt wartet nicht auf uns" 

Es ist bereits ihre 13. Ansprache an Silvester, doch diesmal leitet Angela Merkel das Land nur kommissarisch. Das soll sich bald ändern: Die Kanzlerin verspricht eine schnelle Regierungsbildung.


Kanzlerin Angela Merkel hat den Deutschen für das neue Jahr eine stabile Regierung versprochen. Sie will sich für ein rasches Ende der Hängepartie bei der Regierungsbildung einsetzen. "Denn die Welt wartet nicht auf uns", sagte die CDU-Chefin in ihrer vorab veröffentlichten Neujahrsansprache, die am Sonntag ausgestrahlt werden soll. Die Politiker hätten den Auftrag, sich um die Herausforderungen der Zukunft zu kümmern und die Bedürfnisse aller Bürger im Auge zu haben. "Diesem Auftrag fühle ich mich verpflichtet - auch und gerade bei der Arbeit daran, für Deutschland im neuen Jahr zügig eine stabile Regierung zu bilden."

Die seit Monaten nur noch geschäftsführende Kanzlerin hatte sich über Weihnachten ein paar Tage zurückgezogen. Kurz vor dem Jahreswechsel kehrte sie nach Berlin zurück, um ihre traditionelle Ansprache aufzuzeichnen. Es ist bereits Merkels 13. Rede zum Jahresende - aber ihre erste ohne richtige Regierung. Seit 1970 spricht der Bundeskanzler zum Neujahrstag, der Bundespräsident zu Weihnachten. Von 1949 bis 1969 war es umgekehrt.

"Was uns im Innersten zusammenhält"

Merkels letzte Neujahrsansprache stand unter dem Eindruck der Terroranschläge von Würzburg, Ansbach und Berlin im Jahr 2016. Nach einem Jahr heftiger politischer Streitigkeiten, nach dem Einzug der AfD in den Bundestag und der monatelangen Hängepartie bei der Regierungsbildung rief die Kanzlerin dieses Jahr zu mehr Zusammenhalt und Respekt in der Gesellschaft auf.

"Dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält, dass wir wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund stellen, dass wir uns bemühen, wieder mehr Achtung vor dem anderen zu haben, und zwar Achtung im umfassenden Sinne - aufmerksam sein, wirklich zuhören, Verständnis aufbringen -, das sind meine Wünsche für das neue Jahr."

Viele machten sich Sorgen über den Zusammenhalt in Deutschland. "Schon lange gab es darüber nicht mehr so unterschiedliche Meinungen. Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht." Erfolg und Zuversicht seien ebenso Realitäten in Deutschland wie Ängste und Zweifel. "Für mich ist beides Ansporn", sagte Merkel.

Zusammenhalt in Europa

Nun müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass es Deutschland auch in zehn, fünfzehn Jahren gut gehe. Merkel nannte die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Schaffung neuer Jobs und die Digitalisierung, aber auch die finanzielle Entlastung von Familien, gute Pflege und die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land. "Und wir werden noch mehr in einen starken Staat investieren müssen, der die Regeln unseres Zusammenlebens verteidigt und für Ihre Sicherheit - für unser aller Sicherheit - sorgt."

Um Zusammenhalt gehe es auch in Europa. Die Europäer müssten ihre "Werte solidarisch und selbstbewusst nach innen wie nach außen vertreten", sagte Merkel. "Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam dafür arbeiten, dass das gelingt, und so dazu beitragen, Europa für die Zukunft fit zu machen."

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Die Auflistung klingt ein wenig wie ein Wahlprogramm - auch mit Blick auf die anstehenden Sondierungen von Union und SPD, die am 7. Januar beginnen sollen. Mögliche Ergebnisse sind eine große Koalition oder eine Minderheitsregierung unter Merkel. Spätestens Anfang April muss aus Sicht von CSU-Chef Horst Seehofer die Bildung der neuen Bundesregierung beendet sein. "Ostern ist der allerspäteste Zeitpunkt", sagte der 68-Jährige. Bei einem Scheitern der Gespräche könnte es auch zu einer Neuwahl kommen.

koe/dpa



insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
Schnapphahn180 31.12.2017
1. Das ganze klingt für mich..
wie ein vorgezogener Wahlkampf einer müden Kanzlerin, der eigentlich tief im Innern bewußt sein müsste, das die Kanzlerdämmerung aufgezogen ist. Sie hatte bis jetzt Glück, das der Schaden, den sie in den letzten 2 Jahren mit ihrer Politik angerichtet hat, den Leuten noch nicht ganz bewußt ist, aber es mehren sich die Zeichen, das viele Bürger einfach nur noch genug haben von einer empathielosen Kanzlerin, die Probleme einfach aussitzt. Das reicht einfach nicht mehr.
kritischer-spiegelleser 31.12.2017
2. Die Welt wartet nicht auf Frau Merkel.
Da gibt sie sich einem Irrtum hin. Frau Merkel vertritt weder deutsche Interessen noch europäische Interessen. Deutschland und Europa haben ohne Merkel eine bessere Zukunft.
nochnbier 31.12.2017
3. Digitaler Fortschritt?
Für Frau Merkel ist das bekanntlich alles Neuland! Bei dieser Aussage muss man sich schon sehr wundern warum die Digitalisierung eigentlich nicht in den vergangenen Amtszeiten auf den Weg gebracht wurde. Jetzt gibt es wieder Aktionismus der den Steuerzahler Milliarden kostet und am Ende nix bringt. Frau Merkels Definition von "schnell" kennen wir ja bereits. Eine Regierungsbildung, die ein halbes Jahr dauert? Allein sie hat das zu verantworten - nicht die Koalitionspartner in spe ... 2018 wird hoffentlich ein gutes Jahr, aber bitte ohne Frau Merkel als Kanzlerin!
Mogli3 31.12.2017
4. Deutschland geht es sehr gut
und das auch - DANK - Frau Merkel. Stichworte Wirtschaft, Arbeitslosenzahlen, etc. Unsere Bundeskanzlerin ist top und vertritt in erster Linie deutsche und danach europäische Interessen. Am meisten schätze ich ihre 100 %ige Durchsetzungskraft und Ausdauer. In einem beispiellosen humanitären Akt, hat sie 2015 Menschen aus einer katastrophalen Lage geholfen, diese in unser Land gebracht und diese Menschen sind nun einmal hier und werden auch bleiben. Die ersten Flüchtlinge machen auch schon Fortschritte, machen eine Ausbildung in Deutschland und integrieren sich. Wer Integration also will und fordert, muss dazu auch die Infrastruktur bieten und sich auch selber einen ganz großen Schritt den Ausländern öffnen. Wer genau in Deutschland könnte denn Frau Merkel ersetzen? Bitte Namen nennen...
Ezechiel 31.12.2017
5. Alles nur Gerede.
Frau Merkel hat in den Jahren ihrer Regierung das Auseinanderdriften der Gesellschaft und die Umverteilung von unten nach oben nicht verhindert. Mit der SPD hätte sie den richtigen Partner gehabt. Für die Reformen in der EU wird Bundesregierung tief in die Taschen der Bürger greifen müssen. Denn die angesprochenen gemeinsamen Werte in der EU sind alle in EURO bezifferbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Familien entlastet werden können. Ich rechne eher mit dem Gegenteil. Sie sollte in ihrer Ansprache mal erklären, wie das EU Land mit dem höchsten BIP pro Kopf, dem größten Vermögen pro Kopf, dem mit Abstand höchsten Einkommen pro Kopf, Luxemburg halt, zum EU-Nettoempfänger bzw. Kleinzahler geworden ist.
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