Attentat in Berlin Amri bereitete Anschlag lange vor

Der Berliner Attentäter Amri suchte nach Informationen des SPIEGEL wochenlang fast täglich die Straße auf, in der er den Lastwagen für den Anschlag raubte. Das zeigt ein Bewegungsprofil, das die Ermittler erstellten.

Tatort Breitscheidplatz in Berlin
DPA

Tatort Breitscheidplatz in Berlin

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Der Berliner Attentäter Anis Amri hat den Anschlag offenbar mehrere Wochen lang vorbereitet. Nach Erkenntnissen der Ermittler hielt sich Amri bereits seit Ende November fast täglich in der Straße auf, in der er am 19. Dezember vergangenen Jahres einen polnischen Fahrer erschoss und dessen Lastwagen raubte. Mit dem Fahrzeug raste er in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz und fuhr elf Menschen zu Tode.

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Die Ermittler konnten nach SPIEGEL-Informationen anhand der Standortdaten des Google-Accounts, der mit einem der später gefundenen Handys - Marke HTC - verknüpft war, ein Bewegungsprofil des Attentäters erstellen. Demnach hielt sich Amri immer wieder am Friedrich-Krause-Ufer auf. Die Beamten nehmen an, dass Amri schon Wochen vor der Tat überlegt hatte, wie er einen der vielen dort abgestellten Lkw rauben könnte. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Auf einen gut vorbereiteten Plan deutet auch eine Audio-Nachricht hin, die Amri noch aus der Fahrerkabine über den verschlüsselten Messengerdienst Telegram abschickte: "Bruder, alles ist in Ordnung. Gepriesen sei Gott! Ich bin jetzt in der Karre, verstehst du? Bete für mich, Bruder!" An wen die Nachricht ging, konnten die Ermittler bislang noch nicht klären. Sie legt aber den Verdacht nahe, dass es mindestens einen Mitwisser des Attentats gab.

Dass sich Amri mit Lastwagen bestens ausgekannt habe, berichtete sein ehemaliger Mitbewohner in Berlin dem SPIEGEL. Amri habe gesagt, dass er von seinem Bruder gelernt habe, Lastwagen zu fahren. Dass er in seiner Heimat Tunesien bereits vor Jahren einen Lkw gestohlen hatte, erzählte Amri allerdings nicht.

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insgesamt 6 Beiträge
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i.dietz 01.04.2017
1. Der Fall Amri
zeigt die Planlosigkeit und den totalen Kontrollverlust der Politik und Justiz der BRD (leider) gnadenlos auf ! Und wie immer: keiner ist verantwortlich ! Als Bürgerin, Wählerin und Steuerzahlerin dieses Landes fühle ich mich von der Politik und der Justiz schon lange im Stich und damit allein gelassen !
tynhau 01.04.2017
2.
Natürlich hielt er sich "fast täglich" am Friedrich-Krause-Ufer auf. Dort befindet sich nämlich die Ausländerbehörde, weswegen dort immer ein entsprechender Andrang herrscht. Überraschend wäre das Bewegungsprofil also nur, wenn er sich auch außerhalb der Öffnungszeiten dort aufgehalten hätte. Wenn man, von der U-Bahn Haltestelle Amrumer Straße kommend, zur Ausländerbehörde geht und den Fußgängersteg am Schiffahrtskanal überquert trifft man als Allererstes auf das Betriebsgelände von ThyssenKrupp. Die Stelle lag schlicht und ergreifend an seinem täglichen Weg.
susuki 01.04.2017
3.
Ich weis, SPON und Technik... Das Bewegungsprofil wurde mit der Funktriangulation des Handyproviders erstellt. Wenn Amri tatsächlich die Google Location History aktiviert hatte wurde das Bewegungsprofil mit der WLAN Triangulation und gelegentlich mit GPS Position verfeinert. Wenn am Anschlagsort Orte/Geschäfte mit Bluetooth Beacons ausgestattet sind und sein bluetooth aktiviert war wurde das Bewegungsprofil sogar cm genau. Auch cm genau wurde Amris Bewegungsprofiel wenn sein Gesicht von überwachungskameras geonetrisch erfasst werden konnte. Nur fals ein SPON Leser denkt das ein Bewegungsprofil von einem Google Konto abhängt, wie es der Artikel sugeriert ...
omanolika 01.04.2017
4. Nähe zum Ziel?
Das der Anschlag in Berlin gut vorbereitet war, wäre - dachte ich zumindest - schon lange klar, und das mit Hilfe des Google-Accounts erstellte Bewegungsprofil, bringt einen auch nicht gerade näher ans Ziel, denn hätte man vorher gewusst, dass er oft ist dort, hätte man wohl kaum verhindert diesen feigen Mord.
prodigy7 01.04.2017
5. Relevanz Handy Marke?
Welche Relevanz hat die Tatsache, dass das Handy von der Marke HTC war? Soll das suggerieren, dass das eine böse Handy Marke ist, mit der Bewegungsprofile gespeichert werden?.... Die von Google gespeichert werden abhängig von den Einstellungen und Unabhängig von der (Android) Handy Marke. Finde die Information im Artikel fehl am Platz, suggeriert Technik unerfahrenen etwas falsches.
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