Anna Lührmann, 19, MdB "Nur ältere Herren, das hat mich genervt"

Sie ist 19, geht gerne tanzen, joggen und mit Hund Vicky spazieren. Nun sitzt Anna Lührmann für die Grünen im Bundestag. SPIEGEL ONLINE sprach mit der jüngsten Abgeordneten aller Zeiten.




Anna Lührmann: Mit 19 Jahren in den Bundestag
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Anna Lührmann: Mit 19 Jahren in den Bundestag

SPIEGEL ONLINE:

19 Jahre jung und schon im Bundestag. Wie haben Sie's aufgenommen?

Lührmann: Ich habe mich riesig gefreut.

SPIEGEL ONLINE: Waren Sie überrascht?

Lührmann: Ich war recht optimistisch, dass ich es schaffen könnte. Wir brauchten nur unser Wahlziel von 8 Prozent zu erreichen, damit ich reinrutsche. Und das lag im Bereich des Möglichen.

SPIEGEL ONLINE: Andere in Ihrem Alter freuen sich aufs lockere Studentenleben. Was treibt Sie ins Parlament?

Lührmann: Der Wunsch, etwas zu verändern. Ich will eine junge Stimme im Bundestag sein. Es hat mich genervt, dass da fast nur ältere Herren in grauen Anzügen rumsitzen. Viele Jugendliche werden dadurch abgeschreckt.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie trotzdem politische Vorbilder?

Lührmann: Ja, aber das sind eher Leute aus meinem Umfeld. Unser ehemaliger Schülersprecher zum Beispiel. Oder der Präsident des Jugendkonvents in Brüssel, wo ich war. Wie die Diskussionen leiten, finde ich toll.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie zu den Grünen gekommen?

Lührmann: Ich war in Jugendgruppen von Greenpeace aktiv und habe mich seit langem mit Umweltschutz beschäftigt. Seit fünf Jahren engagiere ich mich bei den Grünen.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer Internet-Hompage werben Sie mit dem Slogan "Anna nach Berlin" und sammeln "Annas aus der ganzen Welt". Das klingt ein bisschen nach Spaßpartei.

Lührmann: Was heißt hier Spaßpartei? Auch Inhalte lassen sich nicht mit dem erhobenem Zeigefinger umsetzen. Ich will zeigen, dass es Spaß macht und es sich lohnt, sich politisch zu engagieren. Unser Wahlkampf war interessanter und kreativer als je zuvor. So konnten wir unsere Inhalte besser transportieren.

SPIEGEL ONLINE: Der Wahlsieg wird eher Joschka Fischer zugeschrieben.

Lührmann: Joschka Fischer hat eine hervorragende Politik gemacht. Seine Popularität hat uns sehr geholfen. Es war richtig, ihn im Wahlkampf in den Mittelpunkt zu stellen.

SPIEGEL ONLINE: Sie klingen schon wie Kerstin Müller. Planen Sie eine große Karriere als Bundespolitikerin?

Lührmann: Ich bin für vier Jahre gewählt. Mal abwarten, was dann kommt. Wäre ich nicht den Bundestag gekommen, hätte ich an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften studiert. Einen Studienplatz habe ich schon. Vielleicht studiere ich später oder nebenbei, falls ich als Abgeordnete genügend Zeit dafür habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie steht's mit Inhalten? Auf welchen Politikfeldern wollen Sie arbeiten?

Lührmann: Ich interessiere mich besonders für Europapolitik. Da habe ich in Brüssel bereits Erfahrungen gesammelt. Aber ich bin da nicht so festgelegt. Wo ich mitarbeiten werde, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Wir sind ja eine große Fraktion geworden.

Das Interview führte Marcus Schymiczek



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