SPIEGEL-Regierungsmonitor Baerbock beliebteste Ampelministerin, Spiegel und Lambrecht ganz hinten

Seit 100 Tagen regiert die Ampel die Republik, Ukrainekrieg und Coronakrise bestimmen die Arbeit der Koalition. Wie zufrieden sind die Deutschen mit Kanzler Scholz und seinem Kabinett? Der SPIEGEL-Regierungsmonitor.
Außenministerin Annalena Baerbock

Außenministerin Annalena Baerbock

Foto: John MacDougall / AP

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Die Ampel läutet eine »Zeitenwende« ein – nur ganz anders, als sich das SPD, Grüne und FDP vorgestellt hatten: Bundeskanzler Olaf Scholz hat mit jahrzehntealten Gewissheiten der Außen- und Sicherheitspolitik gebrochen, Deutschland liefert Waffen in ein Kriegsgebiet, die Bundeswehr wird über ein 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgerüstet, und das Land ist gezwungen, in atemberaubendem Tempo die Energiepolitik umzustellen.

Russlands Überfall auf die Ukraine hat alles verändert, auch für die noch junge Bundesregierung, die an diesem Donnerstag 100 Tage im Amt ist. Der Krieg in Osteuropa bestimmt ihre tägliche Arbeit, überschattet alle anderen Pläne, die die selbst ernannte »Fortschrittskoalition« geschmiedet hatte.

Wie schlagen sich Olaf Scholz und seine Ministerinnen und Minister in dieser schwierigen, nicht vorzusehenden Lage? Erstmals seit der Vereidigung des Kabinetts am 8. Dezember werten wir den SPIEGEL-Regierungsmonitor aus. Er zeigt: Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen ist derzeit das beliebteste Kabinettsmitglied. Auch der Kanzler selbst rangiert auf den vorderen Plätzen. Am Ende des Regierungsrankings: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht.

Popularitätsdelle im Februar

Der SPIEGEL-Regierungsmonitor wird erstellt in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey. Er bildet die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung ab, mit den Koalitionsparteien und vor allem den einzelnen Ministerinnen und Ministern sowie dem Kanzler. Um die repräsentativen Bewertungen vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem sogenannten Scoringverfahren. (Lesen Sie hier  mehr zum Verfahren.) Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Die Verlaufskurve für das Jahr 2022 zeigt, dass die Zufriedenheit mit der Ampelregierung insgesamt und mit den an ihr beteiligten Parteien nach einer deutlichen Delle im Februar bis heute wieder zugenommen hat. Sie liegt nun (Stand 16. März) sogar klar über dem Niveau von Anfang des Jahres, als der Umgang mit der Coronapandemie noch das beherrschende Thema war. Offenbar sind viele Deutsche mit der Reaktion der Ampel auf den russischen Überfall grundsätzlich einverstanden.

Bisher kommt die Kanzlerpartei SPD in der Bewertung am besten weg, die Grünen lagen dagegen im Vergleich der drei Bündnispartner kontinuierlich hinten, schließen jetzt aber zur FDP auf.

Das liegt wohl auch an der Außenministerin, die in dieser Krise seit Wochen sehr präsent ist und aktuell im Regierungsmonitor die populärste aller Ministerinnen und Minister ist. Annalena Baerbocks Popularität hat im Vergleich zum Anfang des Jahres massiv zugenommen. Zeigten sich damals nur etwa 20 Prozent der Menschen mit der Arbeit der Grünenpolitikerin im Auswärtigen Amt eher oder sehr zufrieden, sind es nun fast 50 Prozent – sie gewinnt so 95 Indexpunkte.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte zunächst die gegenteilige Entwicklung hinter sich: Von einem Bestwert von 49 im Januar, als sich noch alles um Corona drehte, stürzte er zwischenzeitlich auf -25 ab. Mittlerweile liegt der SPD-Politiker wieder knapp im positiven Bereich, das bedeutet immer noch Platz zwei im Regierungsmonitor.

Keine Ausschläge nach oben oder unten gibt es bei Hubertus Heil. Der Arbeitsminister verbucht durchgehend solide Zufriedenheitswerte und liegt auf Platz drei noch vor dem Kanzler.

Der wiederum kann einen deutlichen Beliebtheitssprung in den vergangenen Wochen für sich reklamieren. »Wo ist Olaf Scholz?«, fragten sich viele noch Mitte Februar angesichts der ostentativen öffentlichen Zurückhaltung des Regierungschefs. Nun scheint er angekommen im Amt und im Bewusstsein der Deutschen: Rund 70 Punkte machte Scholz in den vergangenen Wochen gut.

Hinter Scholz folgt dessen Vizekanzler von den Grünen, Wirtschaftsminister Robert Habeck, der erste FDP-Vertreter ist auf Platz sechs zu finden: Christian Lindner. Auch der Finanzminister hat sich nach der Beliebtheitsdelle der gesamten Regierung im Februar wieder berappelt.

Schwere Zeiten zur Profilierung

Der große Rest des Kabinetts hat es in diesen Zeiten vergleichsweise schwer, überhaupt öffentlich durchzudringen und sich zu profilieren. Das gilt vor allem für jene, die – anders als etwa Landwirtschaftsminister Cem Özdemir auf Platz sieben – bundesweit ohnehin noch nicht so bekannt waren und sind.

Entsprechend hoch ist bei Ministerinnen wie Klara Geywitz (Bauen und Wohnen/SPD), Bettina Stark-Watzinger (Bildung/FDP) und Anne Spiegel (Familie/Grüne) der Anteil jener, die bei der Bewertung ihrer Arbeit unentschieden sind. Gibt es dann wie im Fall Spiegels auch noch Negativschlagzeilen wegen ihrer Rolle als rheinland-pfälzische Landesministerin in der Hochwasserkatastrophe, beeinflusst das die öffentliche Wahrnehmung stark – die Grünenpolitikerin ist auf den letzten Platz abgerutscht.

Immerhin hält Spiegel die rote Laterne im Regierungsmonitor aktuell nicht allein, sondern gemeinsam mit einer bundespolitisch weitaus erfahreneren Kollegin: Christine Lambrecht. Die SPD-Politikerin war in der Großen Koalition bereits Justizministerin, nun ist sie zuständig für die Bundeswehr, deren schlechter Zustand angesichts des Krieges in der Ukraine augenfälliger denn je ist.

Dafür kann Lambrecht zwar nichts; dass sie etwas daran ändern kann, trauen ihr bisher aber offenbar nur wenige Menschen zu – trotz sicherheitspolitischer »Zeitenwende«.

Kleiner Trost für Lambrecht und Spiegel: Der Abstand zu den Plätzen davor ist nicht sehr groß.

Den laufend aktualisierten SPIEGEL-Regierungsmonitor finden Sie hier.

phw
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