»China muss dann auch für die Schäden der Zukunft mit aufkommen« Baerbock fordert mehr Geld von Peking für Umgang mit Klimaschäden

Wer kommt dafür aus, dass sich ärmere Länder vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen können? Außenministerin Baerbock nimmt hierfür auch China in Pflicht – und prangert gleichzeitig Versäumnisse des Westens an.
Baerbock mit Staatssekretärin Jennifer Morgan in Scharm el Scheich

Baerbock mit Staatssekretärin Jennifer Morgan in Scharm el Scheich

Foto: IMAGO/Thomas Trutschel / IMAGO/photothek

Außenministerin Annalena Baerbock hat von China mehr Geld zur Unterstützung ärmerer Länder bei der Bewältigung von Klimaschäden gefordert. »Es stimmt, wir in Europa und in Nordamerika als Industriestaaten tragen mit unserem fossil aufgebauten Wohlstand die Verantwortung für die Klimaschäden der jüngeren Vergangenheit und auch die meisten der Gegenwart«, sagte Baerbock bei der Weltklimakonferenz im ägyptischen Scharm al-Scheich. »Aber alle großen Emittenten von heute tragen die Verantwortung für die Klimaschäden der Zukunft. Alle Staaten können jetzt zeigen, dass sie zu mehr Ambition und mehr Solidarität bereit sind.«

In einem Interview mit RTL und n-tv hatte Baerbock zuvor deutlich gemacht, auf welches Land sie damit im Besonderen abzielt. »China muss dann auch für die Schäden der Zukunft mit aufkommen, wenn sie nicht bereit sind, ihre eigenen Emissionen in Zukunft radikal herunterzubringen«, sagte sie. Mengenmäßig stößt die Volksrepublik inzwischen weltweit die meisten Treibhausgase aus.

Entwicklungsländer machen Druck

Die Gruppe der G77 – ein Zusammenschluss von mittlerweile mehr als 130 Entwicklungsländern – fordert zusammen mit China die Einrichtung eines Finanztopfs, in den Industriestaaten für die Schäden durch Dürren, Überschwemmungen oder Stürme einzahlen sollen, die sich wegen der Erderhitzung häufen. Es gibt Kritik an Chinas Position bei diesem Streitthema, da sich die Volksrepublik trotz ihrer massiven Treibhausgasemissionen und ihrer Wirtschaftskraft nicht als Geldgeber in der Verantwortung sieht.

Baerbock bei einem Koordinierungstreffen

Baerbock bei einem Koordinierungstreffen

Foto: Thomas Trutschel / photothek / IMAGO

Schon in einem Entwurf für eine neue Chinastrategie des Außenministeriums, über den der SPIEGEL berichtete, heißt es, die Bundesregierung wolle »Chinas Bedeutung als inzwischen größter Emittent und zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den Fokus stellen«. Die Pariser Klimaziele könnten »ohne weitere chinesische Ambitionssteigerungen« nicht eingehalten werden. Es sei daher »nicht mehr zeitgemäß«, dass China seine Verantwortung in der internationalen Klimapolitik anders definiere als westliche Industriestaaten.

In ihrer Rede bei der Weltklimakonferenz forderte Baerbock zudem, sich endlich an die Umsetzung von bei früheren Konferenzen vereinbarten Klimazielen zu machen. Seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 hätten auch europäische Staaten viel zu lange über Ziele in mittlerer Zukunft gesprochen, in 20, 25 oder 30 Jahren. »Aber wir wissen alle, dass CO₂ sich in der Luft ansammelt. Das kann man in 15, 20, 30 Jahren da nicht mehr rausholen.«

Baerbock sagte, die Klimakonferenz solle ein »langfristiges und ambitioniertes Arbeitsprogramm mit ganz konkreten Minderungsschritten auf den Weg bringen, das uns dann als Welt auf den 1,5-Grad-Pfad führt«. Eine Erderwärmung von 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit gilt als gerade noch erträglich. Allerdings halten es führende Fachleute inzwischen für unwahrscheinlich, dass die Marke noch erreichbar ist.

slü/dpa
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