Grünen-Chefin Baerbock erschrocken über Aggressivität gegen Politiker

Seitdem sie Parteichefin ist, schlägt Annalena Baerbock viel Hass entgegen. Im SPIEGEL erläutert sie ihren Umgang damit - und sagt, warum es auch deswegen mehr Feminismus braucht.

Annalena Baerbock
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Annalena Baerbock


Der Hass und die Hetze sowie die sexuellen Gewaltfantasien, die ihr als Parteichefin entgegenschlagen, bereiten Annalena Baerbock Sorge: "Mich erschreckt das, weil es viel aussagt über die Aggressivität in der Gesellschaft, die sich vor allem im Netz Bahn bricht", sagte sie dem SPIEGEL (Lesen Sie hier das ganze Interview mit Annalena Baerbock bei SPIEGEL+).

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Heft 52/2018
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Mittlerweile lasse sie es nicht mehr so an sich heran, aber bei persönlichen Daten kippe es: "Wenn die eigene Adresse im Internet kursiert oder der Bezug zu den Kindern hergestellt wird, macht das schon was mit mir", so Baerbock.

Auf die Frage, ob sie es durchhalten würde, wenn sie wie Kanzlerin Angela Merkel oft niedergepfiffen würde, sagt sie: "Ich habe vor meiner Bewerbung lange darüber nachgedacht, ob ich hart genug dafür bin." Inzwischen glaube sie aber, das Gefährlichste sei nicht die Angst selbst, "sondern, dass man Mauern um sich baut, um sich zu schützen. Und die dann so hoch und dick sind, dass man keine Empathie mehr zeigen kann und sich abkapselt."

Im Interview mit dem SPIEGEL spricht sie auch darüber, wie es ist, das Amt der Parteichefin mit kleinen Kindern zu vereinen. Deswegen habe sie "fast jeden Tag" ein schlechtes Gewissen: "Weil es Momente gibt, in denen ich als Mutter fehle." Sie habe sich aber bewusst dazu entschieden, so Baerbock, die Kinder im Alter von drei und sieben Jahren hat: "Ich will, dass Frauen in diesem Land jeden Job machen können, egal ob sie Kinder haben oder nicht."

Und gerade in einer feministischen Partei müsse es möglich sein, als Vorsitzende kleine Kinder zu haben. Nun sei sie eben ab und an nicht da. "Es gibt Tage, die gehören den Kindern, komme, was wolle", sagt Baerbock.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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akm



insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
fördeanwohner 22.12.2018
1. -
Recht hat sie mit ihrer Entscheidung, in die Politik zu gehen. Wenn Frauen mit kleinen Kindern nichts anderes tun können als Mutter sein, stimmt etwas nicht. Wie viel Potenzial dadurch verlorengeht! Anfeindungen deswegen, dass eine Frau sich dazu durchringt, ein hohes politisches Amt zu bekleiden, sind absolut fehl am Platz. Stattdessen sollten Gesetze dafür sorgen, dass Menschen mit Kindern, dieselben Möglichkeiten haben wie Menschen ohne Kinder. In anderen Ländern geht das schließlich auch. Ich halte Frau Baerbock für eine gute Wahl an der Spitze der Grünen, da sie ein moderne, durchsetzungsfähige, aber nicht verbissene Frau ist, die ein Vorbild für viele andere hierzulande sein kann. Mit ihr und Robert Habeck haben die Grünen tatsächlich eine gute Wahl getroffen.
Spiegelleserin57 22.12.2018
2. wen wundert es...
die Masse der Bürger erlebt zur Zeit wie an ihr vorbei regiert wird..alles teurer wird und sie fühlt sich schlicht betrogen. Kein Wunder dass da Hass entsteht und auch auch die Angst was in Zukunft auf uns Bürger noch zukommt. Ich war in den letzten Wochen D unterwegs und konnte genau dies erleben. Es sind die Folgen der immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen arm und reich und nun merken die Politiker die Folgen , aber sie reagieren nur mit spärlichen Verbesserungen die eigentlich für den Bürger gar nichts bringen... Wo auf der einen Seite angebliche Gaben vom Tisch der Herren und Damen fallen werden auf der anderen Seite dem Bürger die paar Cent wieder aus der Taschen genommen. Wen wundert es da dass solche Aggressionen hoch kochen...
jujo 22.12.2018
3. ...
Glaubt Frau Baerbock mit mehr Feminismus läßt ich das Hassproblem mit den "asozialen" Medien lösen? Ich sehe das Hauptproblen in der Anonymität der Netze, der daraus resultierende Gewöhnungseffekt bewirkt auch, das sich die Leute zunehmend trauen, die Anonymität zu verlassen, ihre (Hass) Parolen offen zu verbreiten und das eben auch in der Öffentlichkeit tun. Die Frage ist warum tun die Leute das? Ganz einfach, weil sie es, da kaum sanktioniert, machen können!
reichsvernunft 22.12.2018
4. Schlechte Einleitung...
Wenn man jemanden unsymphatisch machen will, dann stellt man "Anfeindungen" und "Feminismus" auf Augenhöhe in den Ring. Während der Auszug hier nach einer ganz vernünftigen Person klingen, mit dem absolut richtigen, gerechtfertigten und überfälligen Anspruch Kinder und eine anspruchsvolle Tätigkeit zu kombinieren (Feminismus?) riecht der Titel nach jemandem der zwischen opportunistischen Kleinkinderbeleidigungen und realem Sexismus nicht unterscheiden kann. Man sehe sich die USA an, da gibt es an vielen Stellen keinen vernünftigen Dialog mehr. Müssen wir diesen Hype mitmachen? Lieber Spiegel, impliziert doch bitte nicht unnötig Fronten wo in Deutschland glücklicherweise noch keine sind und der Dialog eine Chance hat.
demokrat2 22.12.2018
5. Bärbock mischt sich ein ......
...... und sie tut es so gut, dass selbst FDP-Lindner mit seinem "Der Markt regelt alles" nicht mehr durchdringt. Bärbock nimmt sich das letzte Wort, wenn sie üverzeugt ist, dass sie richtig liegt. Und sie tut es mit einer erschreckenden Kraft. Männer wie Lindner, Kubicki und andere mit einem gestörtem Frauenbild muss das erschrecken. Bärbock wirkt erfrischend, weil sie ohne Mauern redet.
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