Mehr als 100.000 Euro für Linientickets Hohe Zusatzkosten nach Baerbocks Pannenflug
Der Regierungsflieger mit der Kennung 16+01 beim Pannenstopp in Abu Dhabi
Foto: Sina Schuldt / dpaAußenministerin Annalena Baerbock wollte Mitte August nach Australien, Neuseeland und Fidschi reisen, um den Pazifikstaaten im heraufziehenden Konflikt mit China Deutschlands Beistand zuzusichern. Doch nach einem langen Zwischenaufenthalt in Abu Dhabi und zwei gescheiterten Versuchen, den Flug mit der Regierungsmaschine A340 fortzusetzen , brach die Grünenpolitikerin die Reise ab, flog per Linie zurück nach Deutschland. Der Pannenflug bescherte Ministerin und der Luftwaffe, der die Flugbereitschaft unterstellt ist, reichlich Spott – und hohe Kosten.
Für die abgebrochene Reise Baerbocks nach Australien, Neuseeland und in die Republik Fidschi sind im Auswärtigen Amt (AA) bislang Ausgaben in Höhe von rund 104.331 Euro angefallen. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Schriftliche Frage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sevim Dağdelen hervor. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor.
In der Summe enthalten sind demnach die Kosten für die Rückreise, die Baerbocks Mitarbeiter sowie fünf Sondergäste per Linienflug aus den Vereinigten Arabischen Emiraten antreten mussten. »Ein sehr kleiner Teil der Delegation« habe die Reise per Linienflug an einzelne geplante Stationen in der Pazifikregion fortgesetzt, etwa für die Rückgabe von Artefakten in Australien, heißt es in der von Staatssekretär Thomas Bagger gezeichneten Antwort.
Baerbock war, einigermaßen genervt von den vergeblichen Versuchen, mit dem Regierungsjet nach Australien zu kommen, schließlich mit der Golf-Airline Emirates in der First Class zurück nach Hamburg geflogen.
Weitere Kosten für abgebrochene Flüge
Die Linkenabgeordnete Dağdelen hat auch nach dem CO₂-Abdruck der Pannenreise gefragt. Das Auswärtige Amt schreibt: »Die beim Flug insgesamt verursachten CO₂-Emissionen betragen 265 Tonnen und basieren auf dem tatsächlichen Treibstoffverbrauch des eingesetzten A340 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung.«
Die genannten Kosten sind jedoch nur ein Teil der Kollateralschäden bei der Reise. Da sich bei zwei Startversuchen in Richtung Australien die Klappen an den Tragflächen nicht wieder einfahren ließen, musste der Pilot des A340 zunächst jeweils 80 Tonnen Kerosin über dem Meer ablassen. Allein das dürfte die Kosten für die Linientickets deutlich überstiegen haben.
Die Linkenabgeordnete Dağdelen kritisierte die Außenministerin scharf. »Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei den Grünen mal wieder weit auseinander«, sagte Dağdelen dem SPIEGEL. »Würde Außenministerin Baerbock stärker Linienflüge nutzen, wie sie es selbst einmal angekündigt hatte, wäre es für die Steuerzahler günstiger und für das Klima schonender.« Die Linkenpolitikerin wirft Baerbock und den Grünen vor, zentrale Wahlversprechen zu brechen.
Kurz nach ihrem Amtsantritt hatte das Außenamt bekannt gegeben, dass Baerbock Linienflüge nutzen werde, »wo immer es aus terminlichen und logistischen Erwägungen machbar ist, um damit den CO₂-Ausstoß auf solchen Auslandsreisen möglichst gering zu halten«. Bislang blieb dies jedoch die seltene Ausnahme.
Der Pannenflug hatte auch für die »Weiße Flotte« der Flugbereitschaft drastische Folgen. Da die beiden in die Jahre gekommenen A340-Jets in den vergangenen Monaten immer pannenanfälliger wurden, entschied die Luftwaffe, beide Flieger umgehend auszumustern. Der Pannenjet wird zwar derzeit noch bei Lufthansa Technik begutachtet, ein Einsatz als Regierungsflieger ist jedoch so gut wie ausgeschlossen, da niemand ein zweites Desaster wie bei der Baerbock-Reise erleben will.
Minister müssen künftig wohl häufiger Linie fliegen
Stattdessen sollen die beiden Flieger in den kommenden Wochen verkauft werden. Der Jet mit der Kennung 16+02 wird bereits durch die Verwertungsgesellschaft des Bundes auf dem freien Markt angeboten. In den vergangenen Wochen schauten sich Interessenten aus der Golfregion und den USA den VIP-Jet mit Schlafzimmer, Dusche und großen Besprechungsräumen in Köln-Wahn an. Vor einem möglichen Verkauf würde der Jet jedoch noch aufwendig umgebaut, zum Beispiel wird das integrierte Raketenabwehrsystem entfernt.
Für die viel reisenden Minister des Kabinetts bedeutet die Ausmusterung, dass sie in Zukunft bei Dienstreisen wohl häufiger auf Linienflüge oder deutlich kleinere Jets der Flugbereitschaft umsteigen müssen. Für eine geplante USA-Reise von Baerbock im September bekommt sie für die Hinreise zwar noch den modernen A350 der Regierungsflotte, zurück aber geht es nach bisheriger Planung mit Linie.