SPIEGEL-Umfrage Mehrheit will Baerbock nicht als Kanzlerin

In der Sonntagsfrage liegen die Grünen weiter deutlich hinter der Union. Die SPIEGEL-Umfrage zeigt: Die Unterstützung für eine Kanzlerin Baerbock ist begrenzt – mehr Zustimmung findet eine grüne Regierungsbeteiligung.
Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock: Union vorerst wohl außer Reichweite

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock: Union vorerst wohl außer Reichweite

Foto: STEFFI LOOS / POOL / EPA

Der Vorsprung der Unionsparteien auf die Grünen bleibt stabil – erstmals liegen CDU und CSU seit der Nominierung von Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten wieder bei rund 30 Prozent. Das ist ein Plus von drei Prozentpunkten im Vergleich zu Anfang Mai.

Die Grünen kommen auf 21 Prozent – ein Minus von vier Prozentpunkten innerhalb dieses Zeitraums. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

(Mehr zur Civey-Methodik lesen Sie hier.)

Nahezu unverändert bleiben die Werte von SPD, FDP, AfD und der Linken: Die Sozialdemokraten kommen auf 16 Prozent, die Liberalen auf 13 Prozent. Die AfD fällt leicht auf 9 Prozent, die Linke verharrt wie zuletzt auch bei sechs Prozent. Die Fehlertoleranz liegt bei 2,5 Prozentpunkten.

Grüne Regierungsbeteiligung beliebter als Kanzlerin Baerbock

Bis zur Bundestagswahl sind es noch gut drei Monate – genug Zeit für eine deutliche Veränderung der Umfragewerte. Mit der Vorstellung, dass Annalena Baerbock Regierungschefin werden könnte, kann sich aktuell indes nur eine Minderheit anfreunden.

So antworteten auf die Frage, ob sie sich die grüne Spitzenkandidatin im Kanzleramt wünschen würden, mehr als 68 Prozent mit »Nein«, knapp 27 Prozent stimmten mit »Ja«. Die entsprechenden Werte für Unions-Kanzlerkandidat Laschet und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wurden im Zuge dieser Erhebung nicht abgefragt.

Wenig überraschend wünschen sich zwar mehr als 84 Prozent der befragten Anhängerinnen und Anhänger der Grünen eine Kanzlerin Baerbock. Bei allen übrigen Befragten ist das Bild deutlich anders.

Noch am meisten Zuspruch mit 45 Prozent erhält sie von Befragten, die angaben, die Linke wählen zu wollen. Von Anhängerinnen und Anhängern der SPD wünschen sich immerhin noch knapp 22 Prozent Baerbock als Kanzlerin. Weit abgeschlagen ist Baerbock als potenzielle Regierungschefin bei Menschen, die der FDP (4 Prozent), der AfD (2 Prozent) oder Union (1 Prozent) zuneigen.

Deutlich größer als die Zustimmung zu einer Kanzlerin Baerbock ist die Unterstützung für eine Regierungsbeteiligung der Grünen. Rund 42 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollen die Partei in der Bundesregierung sehen – 30 Prozent der Befragten »auf jeden Fall«, weitere knapp 12 Prozent antworteten mit »eher ja«.

Allerdings lehnen auch 40 Prozent eine Koalition mit den Grünen kategorisch ab, weitere 12 Prozent stimmten mit »eher nein«.

Die meiste Ablehnung erfahren die Grünen von Anhängerinnen und Anhängern der AfD: 97 Prozent wünschen sich keine grüne Regierungsbeteiligung. Bei der FDP-Wählerschaft lehnen knapp 85 Prozent ab, bei der Union sind 77 Prozent gegen Koalitionen mit grüner Beteiligung.

Bei Menschen, die SPD oder Linke unterstützen, sind hingegen nur etwa je ein Drittel dagegen – die Mehrheit möchte hier die Grünen an der Macht sehen. Bei den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen selbst fällt das Votum eindeutig aus: Fast alle wünschen sich eine Regierungsbeteiligung im Herbst.

Rein rechnerisch sind mehrere Konstellationen mit grüner Beteiligung denkbar: eine Ampelkoalition aus Grünen, SPD und FDP käme auf 50 Prozent, eine schwarz-grüne Koalition auf 51 Prozent. Noch besser abschneiden würde ein Jamaikabündnis von Union, Grünen und FDP (64 Prozent) oder eine Keniakoalition aus Union, Grünen und SPD (67 Prozent).

Wohl keine Mehrheit hätte hingegen ein Mitte-links-Bündnis aus Grünen, Sozialdemokraten und der Linken mit aktuell nur 43 Prozent, ebenso wenig eine Fortsetzung der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD (46 Prozent). Die Deutschlandkoalition aus Union, SPD und FDP ohne grüne Beteiligung käme hingegen auf 59 Prozent der Stimmen.

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