Parteitag Grüne küren Baerbock zur Kanzlerkandidatin

Die Grünen haben sich mit sehr großer Geschlossenheit hinter Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin gestellt. Sie erhielt am Samstag auf dem Parteitag im Team mit Robert Habeck 98,5 Prozent der Stimmen.
Annalena Bearbock

Annalena Bearbock

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Die Grünen haben Parteichefin Annalena Baerbock offiziell als Kanzlerkandidatin aufgestellt. In einer einzigen Abstimmung unterstützten 98,5 Prozent der Online-Delegierten am Samstag die Kandidatin und das Duo aus den beiden Parteichefs Baerbock und Robert Habeck als Wahlkampfteam. Bei der Wahl in einem Paket entfielen auf das Duo 678 Jastimmen und sechs Neinstimmen bei vier Enthaltungen.

Zum Vergleich: Bei ihrer Wahl als Parteivorsitzende 2019 hatte Baerbock 97,1 Prozent der Stimmen erhalten, Habeck 90,4 Prozent. Habeck, der die Partei mit ihr im Duo führt, hatte sich mit Baerbock darauf geeinigt, dass sie im Rennen um das Kanzleramt an den Start gehen wird.

Baerbock dankte den Delegierten anschließend für den »Rückenwind, gerade nach dem Gegenwind der letzten Wochen«. Sie habe selbst Fehler gemacht. Sie sehe das Abstimmungsergebnis als Zeichen der vollen Solidarität. »Robert, dich da an meiner Seite zu wissen, das hat Kraft gegeben und volle Power«, sagte sie in ihrer Rede unmittelbar nach der Abstimmung Richtung Habeck.

Die Entscheidung, die Personalien Kanzlerkandidatur und Spitzenduo beim Parteitag in der gleichen Abstimmung abzuhandeln, fiel schon vor Wochen. Der Parteivorstand reichte seinen Antrag dazu am 19. April ein, dem Tag als er Baerbock als Kanzlerkandidatin nominierte. »Für die Bundestagswahl treten wir mit einem Spitzenduo bestehend aus Annalena Baerbock und Robert Habeck an und mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin«, heißt es dort. Änderungsanträge dazu gab es nicht.

Nach Umfragehoch ließ Beliebtheit stark nach

Nach Baerbocks Nominierung genossen die Grünen zunächst ein Umfragehoch. In der Sonntagsfrage kamen sie auf bis zu 28 Prozent und lagen teilweise sogar vor der Union, die zu diesem Zeitpunkt mit der Maskenaffäre und dem Führungsstreit zwischen CDU-Chef Armin Laschet und dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder zu kämpfen hatte. Auch Baerbocks persönliche Werte brachen seitdem aber ein.

In einer aktuellen Umfrage lag sie in der Frage einer Direktwahl des Bundeskanzlers hinter CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und SPD-Bewerber Olaf Scholz. Die große Zustimmung in der Abstimmung am Samstag ist deshalb auch ein Signal der Geschlossenheit.

Seit dreieinhalb Wochen belasten eigene Fehler die Grünen. Zuerst wurde bekannt, dass Baerbock Sonderzahlungen an den Bundestag nachmeldete. Dann gab es Kritik, weil sie und ihre Partei mehrmals irreführende Angaben im Lebenslauf der Kanzlerkandidatin korrigieren mussten.

Habeck wiederum sorgte mit Forderungen nach der Lieferung von »Defensivwaffen« an die Ukraine für Verwirrung. Auch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die Grünen sich nur leicht auf 5,9 Prozent verbessern konnten, lieferte keinen neuen Schwung.

In Umfragen stürzten die Grünen zuletzt ab, während die Union als Spitzenreiter den Abstand vergrößern konnte. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die CDU/CSU im Donnerstag veröffentlichten ZDF-Politbarometer bei 28 Prozent und die Grünen bei 22 Prozent. Der ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte ARD-Deutschlandtrend platziert die Union ebenfalls bei 28 Prozent und die Grünen bei 20 Prozent.

»Geschlossen in den Wahlkampf unseres Lebens«

Mit der 40-jährigen Baerbock ziehen die Grünen erstmals mit dem Ziel in den Wahlkampf, die Kanzlerschaft zu übernehmen. Die bayerische Spitzenkandidatin der Grünen, Claudia Roth, betonte am Samstag, dass sie mit ihr eine einmalige Chance für die Partei sieht.

»Annalena hat den notwendigen Mut zur Veränderung, sie streitet engagiert für eine bessere Zukunft mit Verstand, viel Herzenswärme und Empathie«, sagte Roth. Die Partei ziehe mit Baerbock und Robert Habeck »geschlossen in den Wahlkampf unseres Lebens«, so Roth. »Es geht um nichts weniger als den Wettstreit, wer unser Land, unsere Zukunft gestaltet.«

Unterstützung kam auch von Eva Lettenbauer, Parteivorsitzende der bayerischen Grünen: »Annalena Baerbock tritt an für Erneuerung, für das Verharren im Gestern stehen andere.«

fok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.