Baerbock über Nahles-Rückzug "Besondere Härten, wenn man weiblich ist"

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock hat Andrea Nahles für ihren Rückzug von der SPD-Spitze Respekt gezollt. Politik sei ein "wahnsinnig hartes Geschäft" - besonders für Frauen.
Annalena Baerbock, Grünen-Chefin

Annalena Baerbock, Grünen-Chefin

Foto: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX

Nach dem Rücktritt von SPD-Parteichefin Andrea Nahles hat die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock einen faireren Umgang in der Politik gefordert.

"Politik ist nicht nur ein wahnsinnig hartes Geschäft, sondern ich weiß selber, dass es auch immer noch mal besondere Härten gibt, wenn man weiblich ist", sagte Baerbock. Sie habe großen Respekt vor der Konsequenz, mit der Nahles "das jetzt für sich abschließt". Es brauche auch in der Spitzenpolitik "Fair Play". Es sei wichtig, "dass wir anständig miteinander umgehen".

Andrea Nahles hatte am Sonntag überraschend ihren Rücktritt vom Partei- und Fraktionsvorsitz der SPD angekündigt. Die Partei will nun zunächst auf ein Trio setzen: Bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden sollen kommissarisch die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel übernehmen.

SPD und Union rief Baerbock auf, sich auf politische Inhalte zu konzentrieren, statt ständig "nur um Strukturfragen und um Personen" zu kreisen. Gefordert seien jetzt vor allem Entscheidungen für den Klimaschutz als "der großen Herausforderung unserer Zeit".

Grüne Klimaidee: 40 Euro pro Tonne CO2, Mehrkosten "rückverteilen"

Für den Fall eines Scheiterns der Großen Koalition erneuerte sie die Forderung der Grünen vom Montagmorgen nach Neuwahlen. "Die Regierung wurde gewählt, um das Land zu regieren", die sie tragenden Parteien "müssen sich jetzt fragen, ob sie die Kraft haben, das anzugehen", sagte die Grünen-Chefin. Ansonsten wäre "die Situation gekommen, wo die Menschen noch einmal neu wählen sollten".

Fragen nach einem grünen Kanzlerkandidaten oder einer Kanzlerkandidatin wies Baerbock zurück. Die Grünen wollten die Partei sein, "die für ihre Inhalte gewählt wird". Konkret nannte Baerbock Forderungen nach einem Klimaschutzgesetz und einer CO2-Bepreisung mit einem Mindestpreis von 40 Euro pro Tonne. Dies sei vor allem notwendig, um die Emissionen in den Sektoren Verkehr und Gebäude zu senken.

Zusätzliche Kosten müssten aber "an die Menschen rückverteilt" werden, und zwar pro Kopf, was Familien begünstige. Dafür werde ihre Partei demnächst Vorschläge machen. Die Grünen-Chefin kritisierte, dass sich die CDU am Wochenende "im Windschatten" der SPD-Krise gegen eine CO2-Bepreisung gestellt habe.

cht/AFP/dpa