Grüne Kanzlerkandidatin Baerbock Eine steile Karriere

Annalena Baerbock ist die erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Grünen. Sie gilt als ehrgeizig, machtbewusst und bestens vernetzt. Ein Überblick.
Grünenpolitikerin Baerbock

Grünenpolitikerin Baerbock

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Als Annalena Baerbock im Jahr 2018 gemeinsam mit Robert Habeck an die Spitze der Grünen gewählt wurde, da war sie die Unbekannte und er die gefühlte Nummer eins. Drei Jahre später ist sie Kanzlerkandidatin und Habeck der erste Wahlkämpfer an ihrer Seite. So kann es gehen.

Nach langem, disziplinierten Schweigen verkündeten die Grünen an diesem Montag, dass Annalena Baerbock sie in den Wahlkampf führen wird. Die Nominierung muss formal noch auf einem Parteitag im Juni bestätigt werden, gilt mit ihrer Verkündigung aber als sicher.

Baerbock ist damit nicht nur einen Schritt vor Robert Habeck getreten, sondern spielt auch historisch eine besondere Rolle: Sie ist die erste Kanzlerkandidatin in der grünen Parteigeschichte und zudem mit 40 Jahren die jüngste Person, die sich bisher um das höchste deutsche Regierungsamt bewirbt.

Baerbock wuchs auf dem niedersächsischen Land in der Nähe von Hannover auf. Sie studierte in Hamburg und London Politikwissenschaften und Völkerrecht – eigentlich, um anschließend einen Job als Kriegsreporterin anzustreben. Über ein Praktikum und als Büroleiterin bei der grünen Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter kam Baerbock stattdessen jedoch zur Politik.

Steile Parteikarriere

2005 trat sie bei den Grünen ein und legte anschließend eine durchaus steile Parteikarriere hin: Ab 2008 war sie Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der grünen Bundestagsfraktion, ab 2009 hatte sie den Co-Vorsitz der Grünen in Brandenburg inne, 2013 zog sie als einzige grüne Abgeordnete aus Brandenburg in den Bundestag ein.

2018 bewarb sich die bis dahin außerhalb der Partei eher Unbekannte schließlich überraschend um den Bundesparteivorsitz. Ihre Bewerbung war nicht nur erfolgreich, sondern brach auch mit einem Grundprinzip der Grünen: Mit Baerbock und Habeck leiteten nun erstmals zwei Grüne die Partei, die beide als Angehörige des »Realo«-Parteiflügels gelten.

Seitdem hat Baerbock sich innerhalb wie außerhalb der Partei immer mehr einen Namen gemacht. Robert Habeck kündigte Baerbock selbst als »kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau« an. Auch politische Weggefährten beschreiben sie als zielstrebig, gut vernetzt und als Politikerin, bei der die Inhalte im Vordergrund stünden.

Kerngebiet: Klimaschutz

Bei den gescheiterten Jamaikasondierungen Ende 2017 machte sich Baerbock nicht nur in der Klima-, sondern auch in der Europapolitik einen Namen. Dass Themen wie diese auch weiterhin ein Kerngebiet für sie sein werden, stellte Baerbock in der ersten Pressekonferenz als Kanzlerkandidatin klar: »Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit, die Aufgabe meiner Generation«, sagte die Politikerin. Die Politik der neuen Bundesregierung müsse Klimaschutz daher für alle Bereiche zum Maßstab machen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kanzlerkandidaten hat Baerbock bisher noch keine Regierungserfahrung. Sie hatte zwar diverse Parteiämter inne, hat bisher jedoch noch kein Ministerium geführt. Baerbock will diese Kritik nicht gelten lassen. »Ich habe große Demut und großen Respekt vor dieser Aufgabe«, erklärte Baerbock. Aber sie bringe auch einen klaren Kompass und Lernfähigkeit mit. Und überhaupt: Sie stehe nicht für ein »Das haben wir immer so gemacht«, sondern für eine Erneuerung.

Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent. Bei der Wahl 2017 kamen sie auf 8,9 Prozent und zogen als kleinste Oppositionsfraktion in den Bundestag ein. In Umfragen sind die Grünen derzeit mit 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der Union.

Das Kanzleramt ist damit noch nicht in greifbarer Nähe. Fünf Monate hat Kanzlerkandidatin Baerbock nun Zeit, das zu ändern.

sog/dpa/AFP