Bundeskanzlerin bei Anne Will Merkel drängt Länder zu härterem Coronakurs

Zur Not müsse der Bund über das Infektionsschutzgesetz eingreifen: Im Gespräch mit Anne Will hat Angela Merkel die Länder ermahnt, die gemeinsamen Beschlüsse einzuhalten – und eine indirekte Drohung ausgesprochen.
Angela Merkel am 28. März bei Anne Will

Angela Merkel am 28. März bei Anne Will

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Wolfgang Borrs / dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat beim ARD-Talk von Anne Will die Umsetzung der Coronamaßnahmen durch die Länder kritisiert. Den jüngsten Bund-Länder-Gipfel zum Vorgehen in der Coronapandemie bezeichnete sie als »Zäsur«. So könne es nicht weitergehen.

Beim nächsten Zusammenkommen müsse klar sein, dass das Ziel nur »gemeinsame Ergebnisse« sein können, fügte Merkel hinzu. Bei einigen Länderchefs herrsche ein falsches Denken vor: »Wir wissen, dass das Kanzleramt streng ist, dann können wir ein bisschen lockerer an die Sache rangehen.« Eine solche Rollenverteilung sei nicht hilfreich.

Außerdem kritisierte Merkel, dass das Virus noch immer unterschätzt werde. Nicht alle Ministerpräsidenten seien so »illusionsfrei, anzunehmen, dass das Virus nicht mit sich verhandeln lässt.« Es gebe bei den Länderchefs die »Versuchung, das Positive anzunehmen« – indem man vor allem auf die Wirkung der Schnelltests setze. »Ich halte Testen und Bummeln aber nicht für die richtige Antwort«, erklärte Merkel. Sie plädierte dafür, die Beschlüsse der Corona-Notbremse rigoros umzusetzen – andernfalls müsste der Bund über das Infektionsschutzgesetz intervenieren.

Beim Impfplan forderte die Bundeskanzlerin eine höhere Flexibilität. »Wenn drei Dosen abends übrig bleiben, müssen sie verimpft werden.« Man sei in Deutschland manchmal zu perfektionistisch – was letztlich dem Impftempo schade.

Merkel für verpflichtende Coronatests in Unternehmen

Gegenüber der Wirtschaft äußerte Merkel Kritik an einer unzureichenden Umsetzung des Homeoffice. Auch werde die Selbstverpflichtung nicht ausreichend wahrgenommen, Mitarbeitern regelmäßige Coronatests anzubieten. Die Bundesregierung plane deshalb gesetzlich einzugreifen: »Wer zur Arbeit geht, muss das Angebot bekommen, zweimal die Woche getestet zu werden«, sagte Merkel.

Weil sie die Beschlüsse der »Osterruhe« zurücknehmen musste, hatte die Kanzlerin die Bevölkerung am Mittwoch öffentlich um Verzeihung gebeten. »Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler«, sagte sie (lesen Sie die Stilkritik der Entschuldigung von Wolfgang Höbel: »Auch nur ein Mensch«).

Merkel war schon 2009 zu Gast in der Sendung der Journalistin Will. 2015, zum Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise, erklärte sie ihre Politik gleich zweimal in einem Soloauftritt. Zuletzt nutzte Merkel die Talkshow 2018 als Bühne.

bah/Reuters