Für Defensivoperationen Die Bundeswehr hat jetzt ein Weltraumkommando

Nicht ganz so abenteuerlich wie Raumschiff Enterprise: Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat ein neues Bundeswehrkommando in Dienst gestellt. Es soll Satelliten schützen.
Das Weltraumkommando soll am Standort des Zentrums Luftoperationen (ZLO) in Uedem arbeiten

Das Weltraumkommando soll am Standort des Zentrums Luftoperationen (ZLO) in Uedem arbeiten

Foto: Florian Gaertner / imago images / photothek

Deutschland wird auch im Weltraum verteidigt: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat das erste Weltraumkommando der Bundeswehr in Dienst gestellt. Das Kommando soll den Schutz und die Überwachung von Satelliten übernehmen, gefährlichen Weltraumschrott beobachten und als Teil der militärischen Aufklärung Aktivitäten anderer Staaten analysieren. Der Schutz der Infrastruktur – Satelliten für Kommunikation, Wetter und Navigation – wird damit zur militärischen Aufgabe.

Der Begriff Weltraumkommando wecke abenteuerliche Assoziationen von Jules Verne bis zum Raumschiff Enterprise, sagte Kramp-Karrenbauer bei einem Besuch am Standort des Kommandos im Zentrum Luftoperationen (ZLO) im nordrhein-westfälischen Uedem. Die Realität sei »längst nicht so reißerisch«.

Deutschland als hoch industrialisierte und voll vernetzte Wissensgesellschaft lebe von Informationen ebenso wie von der Produktion und vom Export. »Deshalb sind unser Wohlstand und unsere Sicherheit in hohem Maße vom Weltraum abhängig. Längst sind unsere zivilen und militärischen Satelliten eine Ressource, ohne die nichts mehr geht«, sagte die Ministerin. »Wie immer, wenn eine Ressource lebenswichtig wird, wird ihre Sicherheit zum Thema.«

»Längst nicht so reißerisch«: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) stellt ein Weltraumkommando der Bundeswehr in Dienst

»Längst nicht so reißerisch«: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) stellt ein Weltraumkommando der Bundeswehr in Dienst

Foto: Carsten Hoffmann / dpa

»Die Bundeswehr selbst verfügt über sechs eigene Satelliten in erdnahen Umlaufbahnen«, sagte Kramp-Karrenbauer. Es gehe darum, »im Weltraum operationsfähig zu sein«. Sie sagte weiter: »Für Deutschland sind Weltraumoperationen immer Defensivoperationen.« Dabei ginge es darum, Infrastruktur zeitig aus dem Gefahrenbereich zu schaffen oder elektromagnetisch zu schützen.

Kooperation mit den Nato-Verbündeten

Für das neue Weltraumkommando werden Fähigkeiten der Luftwaffe mit den Mitteln der Cybertruppe »CIR« und dem Geoinformationsdienst verknüpft. Das Weltraumkommando am ZLO in Uedem wird Teil einer Luftverteidigungsanlage, von der die Luftwaffe auch den kompletten Luftraum über Deutschland im Blick hat und Alarmstarts von Kampfflugzeugen als Reaktion auf mögliche Bedrohungen steuert.

Hier war im vergangenen Jahr schon ein Weltraumlagezentrum eröffnet worden. Etwa 50 Soldaten und mehr als 20 zivile Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben den erdnahen Weltraum im Blick und verfolgen bis zu 30.000 Objekte in einem Katalog. »Es geht nicht ohne die militärische oder die zivile Seite. Sie müssen beides verzahnen«, sagt der DLR-Experte Gerald Braun. Auch mit den Nato-Verbündeten wird kooperiert.

Weltraumsysteme als kritische Infrastruktur

»Viele Kommunikationsanwendungen, digitaler Zahlungsverkehr als auch Positionsbestimmung und Navigation für den privaten und gewerblichen Gebrauch wären ohne eine Nutzung des Weltraums undenkbar«, hatte die Bundeswehr im vergangenen Jahr erklärt. Die Weltraumsysteme zählen zur kritischen Infrastruktur, die der Staat besonders schützen will.

Das neue Bundeswehrkommando soll auch gefährliche Manöver oder Sabotageversuche erkennen können. Eine große Gefahr für die Weltraumsysteme könnte Weltraumschrott sein, also Überreste der Raumfahrt und zerstörter Satelliten.

Auch durch eine militärische Konfrontation könnten in größerem Umfang Satelliten angegriffen und in Stücke gesprengt werden. Als denkbar gelten gezielte Störaktionen der gegnerischen Kommunikation zwischen Weltraum und Bodenstationen. Die Bundeswehr verfügt nicht über die dafür nötigen Waffen. Als im engeren Sinne »kriegsfähig« im Weltraum gelten dagegen Russland und China – und möglicherweise auch die USA.

Der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Ekkehard Brose, begrüßte die Indienststellung des Weltraumkommandos als einen »bedeutsamen Schritt«. Der »Neuen Osnabrücker Zeitung« sagte Brose: »Rivalisierende Staaten betrachten den Weltraum zunehmend als mögliches Feld zukünftiger Auseinandersetzungen. Deshalb besteht auch für Deutschland eine ernste Notwendigkeit, ein aktuelles Lagebild im Weltraum zu gewinnen.«

lau/dpa
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