YouTube-Beitrag "Die Zerstörung der CDU" Kramp-Karrenbauer gesteht Fehler im Umgang mit Rezo-Video ein

Die Vorwürfe des YouTubers Rezo gegen die CDU haben für Aufsehen gesorgt. Die Reaktion der Partei ebenso. Jetzt sagt CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, was schlecht gelaufen ist.

Annegret Kramp-Karrenbauer: "Gebe zu, dass wir zu lange gebraucht haben."
Mohssen Assanimoghaddam/DPA

Annegret Kramp-Karrenbauer: "Gebe zu, dass wir zu lange gebraucht haben."


Beim Umgang mit der Videoattacke des YouTubers Rezo durch die CDU hat Annegret Kramp-Karrenbauer Fehler eingeräumt. "Ich gebe zu, dass wir zu lange gebraucht haben, um darauf zu reagieren", sagte die Parteichefin "Focus Online". Aber es sei manchmal besser, "noch einmal Luft zu holen und sich zu fragen: Welcher Ton und welcher Stil entsprechen der Verantwortung der Volkspartei CDU?".

Der 26 Jahre alte Rezo, der sonst eher unpolitische Videos produziert, hatte den Clip mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" am Samstag veröffentlicht - gut eine Woche vor der Europawahl. In dem fast einstündigen Film attackiert er CDU und CSU, aber auch SPD und AfD (lesen Sie hier einen Faktencheck zu ausgewählten Teilen des Videos).

Die CDU tat sich in der Folge schwer damit, auf das Video zu reagieren. Zunächst hieß es, der Abgeordnete Philipp Amthor werde per Video antworten, dann entschied sich die Partei aber doch dagegen.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak lud Rezo am Donnerstag stattdessen zu einem Gespräch ein. "Lieber @rezomusik, lass uns miteinander reden", schrieb er auf Twitter. Zu dem Zeitpunkt war das Video bereits mehr als fünf Millionen Mal geklickt worden (lesen Sie hier einen Kommentar zum Umgang der CDU mit dem Fall).

"Wir müssen einander in einer Demokratie nicht zerstören"

Zum Ton und Inhalt des Rezo-Videos sagte die CDU-Chefin: "Da darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen (...) Dass man mit politisch hoch korrekter Sprache junge Leute nicht erreicht, ist klar." Und dass ein 26-Jähriger klage, es sei ihm alles nicht radikal genug, gehöre zu den Vorrechten der jüngeren Generation.

Sie mahnte aber auch eine Mäßigung an. "Wir müssen einander in der Demokratie nicht 'zerstören', sondern verschiedene Interessen ausgleichen und politische Kompromisse schließen, die von einer Mehrheit der Menschen akzeptiert werden", sagte sie.

Zur Kritik Rezos an der Umweltpolitik der Union sagte sie, in einer hochindustrialisierten Welt müsse Klimaschutz so gestaltet werden, dass er wirksam sei, aber zugleich "die wirtschaftliche Grundlage erhält und vor allem sozial akzeptiert ist". Bis Ende dieses Jahres werde die Große Koalition in den Klimaschutzgesetzen konkrete Schritte festlegen. "Und dazu werden wir als CDU unsere Vorschläge einbringen."

Eine Regierungssprecherin begrüßte die Einladung der CDU an Rezo. Auf Nachfrage sagte sie, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe von dem Video "Kenntnis genommen", auch wenn sich dieses an erster Stelle an die Parteien richte. Es sei "immer wichtig" für die Politik, auch Jüngere zu erreichen. Auch die Kanzlerin suche immer wieder das Gespräch mit jungen Leuten.

aev/dpa/AFP



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