Ein Jahr CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer gibt Fehler zu

Annegret Kramp-Karrenbauer hat Fehler und ein schlechtes Krisenmanagement in ihrem ersten Jahr als CDU-Chefin eingeräumt. "Das ist natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen" sagt sie in einer Dokumentation.

Annegret Kramp-Karrenbauer: "Das ist natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen"
Michele Tantussi/ Getty Images

Annegret Kramp-Karrenbauer: "Das ist natürlich nicht spurlos an mir vorübergegangen"


Ist Annegret Kramp-Karrenbauer eine geeignete Kanzlerkandidatin? Kurz vor dem CDU-Parteitag in Leipzig gesteht die Vorsitzende nach knapp einem Jahr im Amt Fehler ein.

In einem Interview für die ARD-Dokumentation "Die Notregierung - Ungeliebte Koalition" lastet sich Kramp-Karrenbauer Versäumnisse zunächst beim Europawahlkampf im Frühjahr an. Sie habe die Umstrukturierungen in der Parteizentrale nach der Übernahme des Vorsitzes "nicht konsequent genug vorangetrieben". Es habe ein altes und ein neues Team gegeben. "Das war kein Wahlkampf aus einem Guss."

Zugleich äußerte sie Verständnis dafür, dass es in der Partei Kritik an ihrer Person gegeben habe. "Eine Partei, die CDU insbesondere, will natürlich immer eine Vorsitzende, von der sie weiß: Die steht da vorne, auf die kann ich mich verlassen, die macht keine Fehler", sagte die Verteidigungsministerin. Die Partei habe ihre Fehler dann aber wahrgenommen. Das erste Jahr als Parteichefin sei "nicht spurlos" an ihr vorübergegangen.

Selbstkritisch äußerte sie sich auch über die Reaktion auf ein kritisches Video des YouTubers Rezo. "Die Entscheidungen, wann reagieren wir, wie reagieren wir, sind in einer unglaublichen Hektik gefallen, wo jeder der Beteiligten immer zwischen zwei Wahlkampfauftritten gerade mal fünf Minuten Zeit hatte, um miteinander zu telefonieren. Das war grundlegend falsch", sagte sie demnach.

Die CDU hätte "von Anfang an sehr schnell eine Reaktion setzen müssen gegen das Video. Es wäre erst einmal egal gewesen, welche Reaktion. Sie hätte nur sehr schnell erfolgen müssen."

Noch schärfer urteilt Innenminister Horst Seehofer (CSU) über das Krisenmanagement der CDU-Spitze zu dem Video: "Die Reaktion war katastrophal, total unbeholfen. Später dann der Versuch, das mit einem Video zu beantworten, einmal aus der CDU, dann aus der CSU - das war einfach nicht gut."

Auf dem CDU-Parteitag wird auch eine Debatte über die schlechten Umfragewerte der Partei sowie über die Frage erwartet, wann eine Entscheidung fallen soll, wer für die Union als Spitzenkandidat in die nächste Bundestagswahl ziehen soll. Kramp-Karrenbauer plädiert für eine Entscheidung im Dezember 2020.

Die Sendung soll am 2. Dezember ausgestrahlt werden.

als/dpa/AFP

insgesamt 25 Beiträge
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beckersheinz215 19.11.2019
1. Hab nichts gegen die AKK
Aber wenn die CDU mit der AKK als Kanzlerkandidatin ins Rennen geht, kann ich mir nicht vorstellen, wie die CDU auf über 30% kommt. Die Grünen und AFD freuen sich schon auf die nächsten Wähler von der CDU.
wul@gmx.net 19.11.2019
2. es fehlt das Charisma - die K-Frage
Kohl hat Schmidt mit einem konstruktiven Misstrauensvotum abgelöst, Schröder hat am Tor zum Kanzleramt gerüttelt, "ich will hier rein...", Merkel glänzt durch Verhandlungsgeschick und internationalem Ansehen. AKK???. Aktuell traue ich es Markus Söder am ehesten zu.
lukasw 19.11.2019
3. Die Fehler von AKK...
sind für mich nicht der Grund sie nicht als Kanzlerkandidatin zu sehen. Die hätte Friedrich Merz und jeder andere auch gemacht. Es ist vielmehr ihre mangelnde Haltung zu Themen, bei denen sie endlos und ermüdend herumschwafelt, weil sie zwar redet aber nichts sagt. Kann man bei Angela Merkel sich ihrer grundsätzlichen Werte noch einigermassen sicher sein, so tappt man bei AKK eben völlig im Dunkeln, die immer noch ihr Profil sucht und deswegen taktische Vorschläge macht. Bei FM wüsste man eher woran man ist und könnte sich danach richten. Im Guten wie im Schlechten.
torflut 19.11.2019
4. nicht verstanden
AKK hat immer noch nicht verstanden. Das Video, mit dem knallharten Soll-Ist-Vergleich bezüglich der Regierungsarbeit, konnte nicht mit einer beliebigen schnellen Reaktion beantwortet werden. Es wäre wichtig gewesen sich wertschätzend gegenüber dem Autor und selbstkritisch bezüglich den dort erhobenen Vorwürfen zu zeigen. Mit AKK stünde eine Kandidatin ohne Charisma und Ausstrahlung zur Wahl. Allerdings könnte das Licht von Frau Merkel, historisch betrachtet, einst um so heller strahlen. Welche Partei auch immer dann den Kanzler stellt.
Schartin Mulz 19.11.2019
5. Das
bringt nichts mehr. Merz wird Kanzlerkandidat der Union, weil, eh, weil, tja. ich weiß auch nicht. Weil den alle irgendwie mögen, obwohl er eine Politik vertritt, gegen die die Refomen von Gerhard Schröder, für die die SPD bis heute abgestarft wird, wie sozialromatische Visionen wirken. Und er wird vermutlich gegen Scholz antreten, der neuer SPD-Vorsitzender wird, weil, eh, weil, tja. ich weiß auch nicht. Er wird den Aufbruch der SPD leiten, den Aufbruch aus der Zeit, die er maßgeblich mitbeeinflusst hat. Und am Ende wird es dann aber Schwarz-Grün geben, was alle irgendwie herbeihoffen, weil, eh, weil, tja. ich weiß auch nicht. Weil man eine Koalition zwischen einer Partei, die Wirtschaftsinteressen über alles stellt mit einer Partei, die die Wirtschaft zugunsten des Klimaschutzes beschneiden will, als wahnsinnig erfolgversprechend ansieht. Warum auch immer. Ganz raus ist die FDP. Den Lindner, den man vor ein paar Jahren noch so mochte, weil, eh, weil, tja. ich weiß auch nicht. Den Lindner mag man jedenfalls nicht mehr, seit er sich geweigert hat, Frau Merkel wieder zur Kanzlerin zu machen. In einer Jamaika-Koalition. Einer Koalition, in der oben genannte Gegensätze noch stärker zum Tragen gekommen wären. Und die deshalb oder trotzdem fast herbeigeschrieben wurde.
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