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Stichwahl bei Hamburger Parteitag Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Chefin

Annegret Kramp-Karrenbauer hat es geschafft: Die Generalsekretärin hat in der Stichwahl um den CDU-Vorsitz gegen Friedrich Merz gewonnen und löst Angela Merkel ab.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer löst Kanzlerin Angela Merkel als Parteichefin ab. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin hat sich auf dem CDU-Parteitag in Hamburg in einer Stichwahl gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durchgesetzt.

Kramp-Karrenbauer erhielt 517 der 999 abgegebenen gültigen Stimmen, Merz 482. Nötig war eine Mehrheit von 500 Stimmen. In Prozent ausgedrückt: Auf Kramp-Karrenbauer entfielen knapp 52 Prozent der Stimmen, auf Merz gut 48 Prozent.

Die 56-jährige Saarländerin wollte noch auf dem Parteitag verkünden, mit wem sie künftig als Generalsekretär der CDU zusammenarbeiten will.

In ihrer Bewerbungsrede hatte sie erklärt, die CDU müsse eine Partei sein, die Mut hat - anstatt "ängstlich nach rechts und nach links zu schauen". Die CDU müsse sich mutig gegen Populisten, Egoisten und Autokraten stellen. Sie gab sich betont fair und sagte: "Keiner von uns drei Kandidaten wird der Untergang für diese Partei sein."

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Die neue CDU-Chefin dankte ihren Gegenkandidaten für einen fairen Wettbewerb. Sie hoffe, dass ihre Konkurrenten bei dem weiteren Aufschwung der Partei mitarbeiten. Es gelte, alle Parteiflügel einzubeziehen und alle Mitglieder.

Merz rief seine Anhänger zur Unterstützung von Kramp-Karrenbauer auf. Er bitte darum, nun die ganze Kraft und volle Unterstützung der neuen Vorsitzenden zu geben. Merz sagte zwar seine weitere Mithilfe in der CDU zu, ließ aber offen, ob er dies in einer führenden Position tun wolle. Er hätte zwar gerne gewonnen, die vergangenen Wochen hätten aber trotzdem viel Spaß gemacht, sagte Merz.

Der 63-Jährige forderte die Delegierten auf, Jens Spahn ins Parteipräsidium zu wählen, der bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden war. Spahn bewarb sich daraufhin um einen Platz in der engsten Führungsspitze der Partei. Kramp-Karrenbauer dankte für das Angebot, weiter gemeinsam für den Erfolg der Partei zu arbeiten, und bat Merz und Spahn für einen gemeinsamen Auftritt auf die Bühne.

Merkel ruft zu Geschlossenheit auf

Merz hatte gefordert, von diesem Parteitag müsse "ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung" ausgehen. Er sagte: "Ohne klare Positionen bekommen wir keine besseren Wahlergebnisse."

Spahn hatte gesagt, Deutschland solle "Digitalweltmeister" werden und endlich wieder in der Lage sein, Brücken rechtzeitig zu sanieren und funktionstüchtige Flughäfen zu bauen.

Merkel rief ihre Parteifreunde in ihrer letzten Rede als Vorsitzende zur Geschlossenheit auf. Sie sagte, die CDU könne auch in Zeiten von Polarisierung und AfD gute Ergebnisse erringen, "wenn wir geschlossen und entschlossen kämpfen". Sie betonte: "Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, dass haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren."

Merkel, die nach mehr als 18 Jahren an der CDU-Spitze nicht mehr für den Vorsitz antreten wollte, wurde von den gut 1000 Delegierten mit knapp zehn Minuten Applaus verabschiedet. Viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Danke, Chefin" hoch. Kanzlerin will Merkel bleiben.

Es war das erste Mal seit 1971, dass die CDU-Delegierten bei der Wahl ihres Vorsitzenden zwischen mehreren Kandidaten entscheiden konnten.

Beschluss zum Uno-Migrationspakt wohl erst am Samstag

Die Stimmung zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer hatte sich kurz vor dem Parteitag verschärft - vor allem nachdem sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble öffentlich hinter Merz gestellt hatte.

Neben dem Vorsitzenden, den fünf Stellvertretern, dem Schatzmeister und fünf weiteren Präsidiumsmitgliedern werden in Hamburg auch 26 Mitglieder des Bundesvorstands sowie 19 Beisitzer gewählt.

Außerdem soll der Parteitag nach dem Willen des Bundesvorstands einen Beschluss zum umstrittenen Uno-Migrationspakt fassen. Dazu wird es aber voraussichtlich erst am Samstag kommen.

als/wal/dpa/AFP/Reuters